Stand: 01.05.2020 17:54 Uhr

Ex-Manager Arnold: "Wird schwer für Braunschweig"

Manager Marc Arnold von Eintracht Braunschweig © imago/Christian Schroedter
Führte die "Löwen" zehn Jahre lang durch den Profifußball: Marc Arnold.

Marc Arnold ist der Löwenstadt treu geblieben. Auch eineinhalb Jahre nach seinem Abschied von Eintracht Braunschweig lebt der 49-Jährige mit seiner Familie in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens. Doch sein Verhältnis zu den "Löwen", die er zehn Jahre lang durch den Profifußball führte, ist deutlich abgekühlt. Zwar gehe eine "so lange und gute Zeit nicht kaputt", sagte Arnold im Interview mit NDR.de, in dem er erstmals ausführlich über seinen Ex-Club sprach. Im Stadion war er aber seit seinem enttäuschenden Aus auch nicht mehr. Gerade hat sich die Sternstunde seiner Amtszeit - der Bundesliga-Aufstieg - zum siebten Mal gejährt. Ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken, aber auch nach vorn.

Herr Arnold, hatten Sie in den vergangenen Tagen Kontakt zu Damir Vrancic?

Marc Arnold: Nein, hatte ich nicht. Aber ich bin zuletzt in diversen Medien über ihn gestolpert.

Im April 2013 schoss Vrancic die Eintracht mit einem direkt verwandelten Freistoß in Ingolstadt in die Bundesliga. Haben Sie sich das Tor noch mal angesehen?

Arnold: Ja, das habe ich natürlich gemacht. Und dabei sind schon einige Erinnerungen wieder hochgekommen. Nicht so sehr die Situation im Stadion, aber alles, was danach war. Wir hatten in weiser Voraussicht schon ein bisschen was vorbereitet - und konnten nach dem Spiel noch in einer Nürnberger Disco ordentlich feiern. In Ingolstadt ist nicht so viel los. (lacht)

Sie waren zehn Jahre lang Manager beim BTSV. In diese Zeit fallen zwei Aufstiege, der Bundesliga-Abstieg, die verlorene Relegation gegen den VfL Wolfsburg und der bittere Gang in die Dritte Liga. Wie schauen Sie zurück?

Arnold: Insgesamt überwiegen auf jeden Fall die positiven Erinnerungen. Wir haben zusammen wirklich viel aufgebaut, wenn man sieht, wo die Eintracht vor diesen zehn Jahren stand. Der Aufstieg in die Zweite Liga wurde groß gefeiert. Und auch wenn die Stadt drei Jahre später schon eine gewisse Routine hatte, war der Bundesliga-Aufstieg noch mal spezieller. Dann in der Bundesliga die Siege in Wolfsburg und gegen Hannover. Dazu die Spiele gegen die Bayern. Das waren tolle Momente.

Auf die Relegationsteilnahme 2017 folgte der Drittliga-Abstieg 2018 - haben Sie mit fast zwei Jahren Abstand eine Erklärung gefunden, wie es so weit kommen konnte?

Arnold: 66 Punkte haben oft zum direkten Bundesliga-Aufstieg gereicht, wir mussten in die Relegation. 39 Punkte reichen meist zum direkten Klassenerhalt, wir mussten aber direkt runter. Bitterer geht es kaum. Ich habe die Situation für mich aufgearbeitet, auch chronologisch. Aber den einen Grund zur Erklärung habe ich nicht gefunden.

Der Abstieg war gleichbedeutend mit dem Abschied von Trainer Torsten Lieberknecht bei den "Löwen". Nur ein paar Monate später mussten auch Sie gehen. Ein wirklich trauriges Ende für das langjährige Erfolgsduo...

Arnold: Das kann man so sagen. Torsten war ja sogar noch länger im Verein als ich - und über die Jahre das Aushängeschild und Gesicht des Clubs. Dass so eine Erfolgs-Ära mit dem Abstieg in die Dritte Liga endet, war für uns alle sehr bitter.

Hat Ihre Freundschaft unter der sportlichen Krise gelitten?

Arnold: Wir hatten schon eine Phase, in der wir nicht so viel Kontakt hatten. Bei der Eintracht haben wir uns beide ja lange mehr gesehen als unsere Frauen. Das geht allein durch die räumliche Distanz nicht mehr. Aber wir schreiben und telefonieren mittlerweile immer mal wieder.

Trainer Torsten Lieberknecht (r.) und Manager Marc Arnold von Eintracht Braunschweig © picture alliance/dpa Foto: Swen Pförtner
Viele Jahre das Braunschweiger Erfolgsduo: Marc Arnold (l.) und Torsten Lieberknecht.

Und wie steht es um Ihr Verhältnis zur Eintracht?

Arnold: Die Zeit mit der Eintracht war zu lang und zu gut, als dass die Beziehung so einfach kaputt gehen könnte. Über die Jahre sind einige Freundschaften entstanden. Außerdem spielt mein Sohn Lucas in der U19 des Clubs. Aber ich bin seit meinem Aus nicht mehr bei einem Heimspiel der Profis gewesen und schaue mir auch nicht jedes Spiel im Fernsehen an.

Torsten Lieberknecht ist seit einem Jahr Cheftrainer in Duisburg. Wie kommt es, dass Sie noch keinen neuen Posten angetreten haben?

Arnold: Ich war in der ersten Zeit ganz froh, mal raus zu sein. Wenn ich meine Zeit als Berufsanfänger bei Hessen Kassel noch dazunehme, habe ich elf Jahre durchgezogen. Es war gut, ein bisschen Abstand zu bekommen. Ich war viel unterwegs - auch bei anderen Vereinen und habe an meinem Netzwerk gearbeitet. Jetzt brenne ich wieder.

Auf welche Ligen schauen Sie denn - Bundesliga und Zweite Liga, oder auch in die Dritte Liga?

Arnold: Die Ligazugehörigkeit ist mir nicht so wichtig. Auch ein Regionalliga-Club mit Ambitionen kann interessant sein. Es geht um die Aufgabenstellung und die Möglichkeiten beim Club. Ich glaube, dass ich nachgewiesen habe, etwas aufbauen und den Verein auch nach ganz oben führen zu können. Ich hatte schon einige Gespräche, aber daraus ist nichts geworden. Mal habe ich abgesagt, mal der Verein.

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Wie beurteilen Sie die sehr knappe Entscheidung der Drittliga-Clubs für Geisterspiele?

Arnold: Das ist wirklich ein spannendes Themenfeld. Wenn man sich mal genauer ansieht, wer dagegen gestimmt hat, dann liegt der Schluss nahe, dass da egoistische Gründe den Ausschlag gegeben haben. Da setzen Clubs auf den Aufstieg und den Klassenerhalt, wenn die Saison ohne Absteiger abgebrochen wird. Aber natürlich geht es auch ums finanzielle Überleben. Viele Clubs hoffen, dass sie bei der Fortsetzung der Saison noch nach oben kommen. Die Tabelle ist ja sehr eng. Nehmen wir die Eintracht, die als Neunter nur drei Punkte Rückstand auf Rang zwei hat.

Trauen Sie Braunschweig denn den Aufstieg zu?

Arnold: (überlegt lange) Ich denke, es wird schwer. Vor der Pause hat einfach die Konstanz gefehlt. Im Umfeld der Eintracht entsteht schnell Euphorie. Aber wenn man dachte, jetzt geht noch mal was, kamen niederschmetternde Ergebnisse wie zuletzt in Rostock. Wahrscheinlich hätten andere Clubs die Nase vorn.

Zurück zum Aufstieg vor sieben Jahren: Wissen Sie, wer von den damaligen Aufstiegshelden auch nicht mehr bei den "Löwen" arbeitet und trotzdem in der Löwenstadt geblieben ist?

Arnold: Damir Vrancic natürlich! (lacht) Wir laufen uns schon ab und an mal über den Weg. Er studiert Mathe auf Lehramt und spielt bei FT Braunschweig. Sein Trainer ist mit Kosta Rodrigues ein weiterer ehemaliger Eintracht-Spieler. Und natürlich ist Damir - alles andere wäre komisch - auch in der Oberliga eine tragende Figur.

Das Interview führte Florian Neuhauss, NDR Sport

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Sportclub | 26.04.2020 | 22:30 Uhr

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