Stand: 31.08.2018 11:49 Uhr

Kapitän Fürstner: "Überzeugt von unserem Weg"

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Stephan Fürstner will als Kapitän Vorbild für die jungen Spieler sein.

Bei Eintracht Braunschweig ist in der jungen Saison schon viel passiert. Keine seiner fünf Drittliga-Partien hat der Zweitliga-Absteiger gewonnen, rangiert auf dem vorletzten Platz. Nach dem personellen Umbruch läuft es nicht wie gewünscht. Die Entlassung von Manager Marc Arnold sorgt für zusätzliche Unruhe vor dem Auswärtsspiel bei der SpVgg Unterhaching am Sonnabend. Im Interview verteidigt Kapitän Stephan Fürstner jedoch den eingeschlagenen Weg und gibt sich sicher, dass sich die Erfolge bald einstellen werden.

Herr Fürstner, Braunschweig kommt derzeit nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Fünf Drittliga-Spiele, kein Sieg, Vorletzter in der Tabelle, nun musste auch noch Manager Marc Arnold gehen. Können Sie uns erklären, was gerade bei der Eintracht los ist?

Stephan Fürstner: Natürlich sind wir nicht zufrieden. Uns fehlen die Punkte, auch wenn wir schon sehr gute Spiele gemacht haben. Man darf den Riesenumbruch aber auch nicht wegdiskutieren - der braucht Zeit. Was außen rum passiert, können wir nur bedingt beeinflussen. Solche Entscheidungen sind Sache des Vereins. Ich bin komplett davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir werden sicher nicht den Fehler machen, alles über den Haufen zu werfen. Wichtig ist, dass wir uns nach den Ereignissen der vergangenen Tage jetzt auf das Wesentliche konzentrieren.

Es ist gerade mal zweieinhalb Monate her, da erklärten Sie Ihren Wechsel in die Dritte Liga mit der Perspektive des Neuanfangs und damit, "was in Braunschweig entstehen soll". Haben Sie die Situation unterschätzt?

Fürstner: Ich habe es jedenfalls keine Sekunde bereut, zur Eintracht gewechselt zu sein, wenn Sie das meinen. Der Sport bringt das Risiko mit, dass es mal nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hatte. Wir haben eine super Truppe und arbeiten als Mannschaft schon sehr gut zusammen. Der Erfolg wird zeitnah kommen, und ich bin froh, bei der Eintracht zu sein.

Die Vereinsführung hat einen offenen Brief an die Fans geschrieben, in dem sie Trainer und Mannschaft das Vertrauen ausgesprochen und um Geduld gebeten hat. Wie ist das bei Ihnen angekommen?

Fürstner: Ich habe das positiv wahrgenommen. Es ist wichtig, dass der Verein mit den Fans und Menschen in der Stadt in Kontakt ist. Schließlich wollen wir alle, dass die Eintracht maximalen Erfolg hat. Alle müssen die Ruhe bewahren und dürfen nicht die Flinte ins Korn werfen. Die Liga ist sehr ausgeglichen, da entscheiden ein paar Prozent über Sieg und Niederlage.

Wie weit ist das Team denn mit dem Findungsprozess?

Fürstner: Wir arbeiten hier jetzt seit zehn Wochen mit dem neuen Trainer zusammen. Seine Philosophie ist offensiv ausgerichtet, wir wollen agieren und nicht nur reagieren - den Gegner mit Pressing unter Druck setzen. Diese Ansätze waren in den ersten Partien schon gut zu erkennen. Jetzt geht es im Training um die Feinabstimmung - und dann wird es auch im Spiel noch besser funktionieren, da bin ich mir sicher.

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Trainer Henrik Pedersen (M.) und Stephan Fürstner (r.) stehen in engem Austausch.

Sie sind anders als viele Ihrer Mitspieler ein erfahrener Profi - und der Kapitän. Was sind in der Krise Ihre Aufgaben?

Fürstner: Ich versuche, Vorbild und für die jüngeren Spieler da zu sein. Aber das war im vergangenen Jahr nicht anders. Natürlich führt man mehr Gespräche, wenn es nicht so gut läuft. Aber es wäre nicht richtig, die Verantwortung auf drei, vier Köpfe runterzumünzen. Da ist jeder gefragt. Es ist wichtig, dass alle im Boot bleiben. Und so nehme ich das auch wahr: Alle sind hochmotiviert und geben Gas.

Sie kennen Henrik Pedersen bereits aus der gemeinsamen Zeit bei Union Berlin. Wie geht der Coach mit der Situation um?

Fürstner: Er ist hier vom ersten Tag an mit sehr viel Elan und Akribie bei der Arbeit und versucht immer, alles aus uns, aber auch aus sich selbst herauszuholen. Und nur so können wir am Ende auch erfolgreich sein. Aber natürlich muss sich auch ein neues Trainerteam erst finden. Das ist ein Prozess über eine ganze Saison.

Auch Sie sind ein Neuzugang. Inwieweit haben Sie sich in Braunschweig denn schon eingelebt?

Fürstner: Am Anfang haben wir im Hotel gewohnt - direkt im Zentrum. Dadurch habe ich einen guten Eindruck von der Stadt bekommen. Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden. Aber natürlich ist es auch wichtig, irgendwann nach Hause zu kommen. Meine Frau und ich haben jetzt eine eigene Wohnung bezogen. So ist Ruhe im Umfeld, und die brauche ich als Ausgleich zum Sport.

Am Sonnabend steht das Auswärtsspiel in Unterhaching an. Kann man die Entlassung von Arnold da ausblenden?

Fürstner: Natürlich nicht, aber das soll man auch gar nicht. Das Thema ist allgegenwärtig, er war zehn Jahre hier. Da wäre es schade, wenn das so schnell abgehakt würde. Aber wir müssen daraus die richtigen Schlüsse ziehen und noch enger zusammenrücken. In Unterhaching wollen wir noch eine Schippe drauflegen und erfolgreich sein.

Und warum gelingt beim Tabellenzweiten jetzt der erste Saisonsieg?

Fürstner: Ob der wirklich gelingt, ist natürlich hypothetisch. Wir hatten eine richtig gute Trainingswoche. Dafür kann man sich nichts kaufen, klar. Aber so haben wir uns neues Selbstvertrauen geholt. Wir brauchen gegen Unterhaching eine richtig gute Performance. Und dafür müssen wir die Nebengeräusche im Spiel ausblenden. Wir wollen ein mutiges Auswärtsspiel abliefern.

Das Interview führte Florian Neuhauss, NDR.de

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 01.09.2018 | 14:00 Uhr

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