"Der Junge von der Küste": Hansa-Legende Streich feiert 70. Geburtstag

Stand: 14.04.2021 08:43 Uhr

DDR-Rekordnationalspieler Joachim Streich ist am 13. April 70 Jahre alt geworden. Die große Party in der alten Heimat musste er jedoch verschieben.

"Wir wollten ganz in Familie in einem Hotel in Kühlungsborn feiern. Aber das ist aufgrund der Corona-Pandemie nun leider hinfällig", erzählte der aus Wismar stammende Rekordnationalspieler und -torschütze der DDR. "Jetzt werden wir den Geburtstag wohl oder übel zu Hause in Möckern verbringen. Aber wenn es wieder erlaubt ist, holen wir die Feier nach."

"Gerd Müller des Ostens"

Es ist wohl die perfekte Gelegenheit, ganz in Ruhe auf eine beeindruckende Karriere zurückzublicken. 102 Länderspiele bestritt er für die DDR, erzielte dabei 55 Tore - es sind Rekorde für die Ewigkeit.

Streich, der "Gerd Müller des Ostens", fliegt oft etwas unter dem Radar, wenn es um die besten Fußballer der deutschen Geschichte geht. Dabei schossen nur Miroslav Klose und eben Gerd Müller mehr Tore für eine deutsche Mannschaft. "Gerd habe ich immer sehr bewundert", sagte Streich dem Magazin "11 Freunde": "Seine Tore, seinen Willen - er war unglaublich. Ich bin aber sehr zufrieden mit meiner Karriere. Trotzdem: In der Bundesliga hätte ich gerne mal gespielt."

Dafür kam sein Karriereende als Aktiver 1985 zu früh, seinem fußballerischem Erbe schadet das aber keinesfalls. 141 Spiele und 58 Tore für Hansa Rostock, 273 Einsätze und 171 Treffer für den 1. FC Magdeburg. Begonnen hatte Streichs erfolgreiche Karriere bei der BSG Aufbau Wismar, wo er von Anfang an nur eine Richtung kannte: das gegnerische Tor. 1967 wechselte er als 16-Jähriger zum FC Hansa. "Ich war ein Junge von der Küste und Hansa mein großer Traum", sagte der gebürtige Wismarer: "Als ich es im Jahr 1969 endlich zu den Männern geschafft hatte, war ich glücklich. Ich dachte nie, dass ich noch mehr Erfolge feiern werde."

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Bei der WM 1974 gegen die Bundesrepublik nur Zuschauer

Er sollte in der DDR-Oberliga viermal die Torjäger-Kanone holen, dreimal Pokalsieger und zweimal Fußballer des Jahres werden. Dazu kam Bronze bei Olympia 1972. Der bekannteste Fußballer der DDR bleibt aber wohl Jürgen Sparwasser - wegen seines 1:0-Siegtores gegen die BRD bei der WM 1974. Streich stand selbstverständlich auch im Kader, startete aber schlecht ins Turnier, weshalb er gegen den "Klassenfeind" draußen saß.

Im WM-Quartier in Quickborn hatte ihm Auswahl-Trainer Georg Buschner offenbart, dass er deutsch-deutschen Duell auf seinen Top-Torjäger verzichten werde. Kein Treffen also mit dem großen Vorbild Müller. "Ich war selber schuld", sagte Streich: "Meine Leistung war nicht so besonders." Streich war mit einer Erkältung ins Turnier gestartet, die er dem Trainer verschwieg, um gleich zum Auftakt gegen Australien spielen zu können.

Kurzzeitig Trainer in Braunschweig

Nach dem Karriereende versuchte er sich als Coach. Unmittelbar, nachdem er vom aktiven Fußball zurückgetreten war, ließ er sich breitschlagen, den 1. FC Magdeburg zu übernehmen. Streich zierte sich zuerst, am Ende sprach Generalsekretär Karl Zimmermann vom Deutschen Fußball-Verband (DFV) ein Machtwort. "Es war wie ein Faustschlag ins Gesicht", erinnerte sich Streich. Er übte diese Tätigkeit bis zum Ende der Saison 1989/1990 aus, konnte während der ganzen Zeit aber mit dem FCM nicht an die erfolgreichen Zeiten früherer Jahren anknüpfen.

Im Anschluss daran betreute er noch Eintracht Braunschweig, als erster Ost-Trainer im Westen. Es passte nicht und hielt ganze neun Monate. Streich kehrte bald darauf nach Magdeburg zurück, 1997 rettete er den FSV Zwickau vor dem Zweitliga-Abstieg. Seine größten Momente erlebte er aber als Spieler.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 13.04.2021 | 19:30 Uhr

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