Fabian Ernst hält einen smarten Fußball in der Hand. © picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Chip im Ball: Fabian Ernst will den Fußball revolutionieren

Stand: 25.02.2021 12:15 Uhr

Im Fußball von heute gibt es für alles Statistiken und Daten. Nur der Ball wurde bisher nicht analysiert. Fabian Ernst, in der Bundesliga einst für den Hamburger SV und Werder Bremen aktiv, möchte das ändern.

Als der ehemalige Profi 2013 seine Karriere beendete, war der Fußball noch ein ganz anderer. "Damals hatten Schiedsrichter noch keine Knöpfe im Ohr, und es gab noch keinen Videobeweis", sagt der 24-malige Nationalspieler. Packing-Daten und expected goals - im heutigen Fußball wird jede Bewegung erfasst und analysiert.

Entwicklung eines "Smartballs" mit Chip

Ernst will als Startup-Gründer nun die letzte noch unerforschte Dimension angehen. "Jeder Bereich des Spiels ist komplett durchleuchtet", sagt der 41-Jährige, der unter anderem für den HSV, Werder und Schalke 04 spielte: "Nur der Ball ist noch ein unberührtes Thema."

Das ändert er nun. Als Mitgründer und Investor der Firma "Sport Technology Systems" in seiner Geburtsstadt Hannover entwickelt er derzeit einen "Smartball". Einen Ball mit Chip. "Dieser kann jede Berührung messen und auswerten", erklärt Ernst. "Den Punkt, an dem der Ball getroffen wurde, den Effet, die Höhe des Flugs und natürlich die Geschwindigkeit."

Favre als "Vordenker"

Welche Möglichkeiten das bietet, wird nicht nur Lucien Favre wissen. Zahlreiche Profis berichteten, der ehemalige Dortmunder Trainer habe sie überrascht und manchmal auch genervt, weil er ihnen eintrichtern wollte, den Ball in einem minimal anderen Winkel zu treffen. Taten sie dies, zeigten sie sich wiederum erstaunt über den Effekt. "Wenn du diese Dinge objektiv messen kannst, bist du einen großen Schritt weiter", sagt Ernst. "Für mich wäre es ein Traum und eine Vision, wenn wir Einfluss darauf nehmen könnten, wie im Fußball künftig trainiert und gespielt wird."

Der Prototyp des Smartballs kommt aus den USA. "Der dort entwickelte Ball war schon gut. Aber er steckte noch in den Kinderschuhen", so Ernst. "Wir verfeinern das Ganze momentan."

Einsatz nicht nur im Profi-Fußball

Im Sommer rund um die EM soll der Ball auf den Markt kommen. Allerdings nicht nur für den Profi-Fußball. "Es soll kein Premium-Produkt für Top-Vereine werden", sagt Ernst. "Das Ganze soll auch für Bezirksliga- oder C-Jugend-Trainer nutzbar sein."

Aus diesem Grund soll die dazugehörige App leicht verständlich sein, der Preis zur Markteinführung laut Ernst bei "deutlich unter 100 Euro" liegen. Das Ziel: "Ein Trainer für die Hosentasche." Er selbst könne nicht erklären, was die Techniker machen, sagt der EM-Teilnehmer von 2004 mit einem Schmunzeln. "Für mich ist wichtig, dass der Ball die richtige Qualität hat, dass die Übungen praxisnah und die Analysen verständlich und umsetzbar sind."

Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten

In einem ersten Anlauf als Geschäftsmann hatte Ernst mit einem Partner 2018 Nästved BK gekauft und wollte den dänischen Verein in die Erste Liga führen. Stattdessen stieg der Club als Tabellenletzter in die Dritte Liga ab - und Ernst wieder aus. Nun will er den Fußball revolutionieren. "Den beschrittenen Weg der Digitalisierung kannst du nicht mehr aufhalten", betont er. "Zu meiner Zeit war es eine surreale Vorstellung, dass man während des Trainings in ein Zelt gerufen wird, um sich die letzten drei Szenen anzusehen. Aber ich denke, in diese Richtung wird es sich entwickeln." Daten, in welchem Winkel und mit welchem Effet man den Ball getroffen hat, könnten dann dazugehören.

DFB blickt gespannt auf das Start-Up

Der DFB verfolgt die Entwicklung gespannt. "Das Start-Up von Fabian Ernst ist ein sehr gutes Beispiel für den positiven Trend, dass sich aktuelle und ehemalige Spieler und Spielerinnen bei der Entwicklung von Innovationen und Technologien aktiv einbringen", sagt Mirko Dismer, Abteilungsleiter Performance, Technologie und Innovation.

Ihre Perspektive und ihr Erfahrungsschatz seien enorm wichtig, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die den Menschen im Mittelpunkt sehen und "nicht eine Technik der Technik wegen". Er freue sich, "dass wir bereits in Kürze auch mit dem Start-Up von Fabian Ernst in den Austausch gehen".

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 25.02.2021 | 14:25 Uhr

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