Stand: 14.08.2019 09:05 Uhr

VfL Wolfsburg: Mit neuem Trainer noch stärker?

von Florian Neuhauss, NDR.de
Können die "Wölfe" unter dem neuen Trainer Oliver Glasner an ihre vergangene Saison anknüpfen?

Der VfL Wolfsburg startet mit dem neuen Trainer Oliver Glasner und vielversprechenden Verstärkungen in die Bundesligasaison. Die Latte haben die "Wölfe" mit Rang sechs im Vorjahr selbst hoch gelegt. Trotz der Qualifikation für die Europa League kam es zur Trennung von Bruno Labbadia. Glasner ist die Wunschlösung von Manager Jörg Schmadtke. Ist für die "Wölfe" nun sogar noch mehr drin? Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Als Relegationsteilnehmer der Vorsaison ging Labbadia mit den Niedersachsen ohne große Vorgaben ins Rennen. Mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen glückte der Start. Nach einer Schwächephase, die mit dem 1:3 gegen den SC Freiburg Ende September ihren Anfang nahm, legten die Wolfsburger einen starken Jahresendspurt hin und überwinterten als Fünfter. In der Rückrunde punkteten die Niedersachsen konstant, am letzten Spieltag hätten sie aber noch aus den internationalen Startplätzen herausrutschen können. Doch der VfL ließ keine Zweifel aufkommen: Mit 8:1 fertigten die "Wölfe" den FC Augsburg ab, feierten damit den höchsten Sieg ihrer Bundesliga-Geschichte und sprangen noch ins internationale Geschäft.

Wer kommt, wer geht?

Kurz gesagt: Die Wolfsburger haben keine namhaften Abgänge und sich zugleich teuer verstärkt. Die acht Abgänge spielten in der vergangenen Saison allesamt keine (große) Rolle. Derweil kam vom Schweizer Meister BSC Young Boys Kevin Mbabu - noch bevor Glasner überhaupt beim VfL unterschrieben hatte. Mbabu soll die Baustelle auf der rechten Abwehrseite, eigentlich die einzige im Kader, schließen. Neu sind auch Linksaußen João Victor, der wie der Trainer zuletzt in Linz unter Vertrag stand, der linke Verteidiger Paulo Otavio (Ingolstadt) und Manchester-City-Sturmleihgabe Lukas Nmecha. Der "Königstransfer" des Sommers ist allerdings Xaver Schlager, den Schmadtke für rund 15 Millionen Euro von RB Salzburg loseiste. Schmadtke nannte den zentralen Mittelfeldmann einen "leistungswilligen und laufstarken" Spieler, der "strategisches Denken im Kopf hat". Der 21-Jährige sagte: "Ein Ronaldinho bin ich nicht ganz. Ich komme eher übers Laufen und Kämpfen."

Der Trainer: Glasner tritt schweres Erbe an

Der Abgang von Labbadia, der sich ob der schlechten Kommunikation mit Schmadtke selbst dazu entschloss, seinen Posten zum Saisonende zu räumen, ist schwerwiegend. So konnte Schmadtke jedoch mit Glasner seinen Wunschtrainer verpflichten. Der 44-jährige Österreicher hatte den Linzer ASK in der vergangenen Saison überraschend zur Vizemeisterschaft geführt. Seine erste Amtshandlung: "Ich habe eine Trennwand im Büro einreißen lassen, denn ich bin ein absoluter Teamplayer", erklärte Glasner bei seiner Vorstellung, bei der er auch explizit Labbadia dafür dankte, in seiner ersten Saison mit den Niedersachsen (Vertrag bis 2022) gleich international spielen zu können.

An diesen Erfolg muss der hierzulande nahezu unbekannte Glasner anknüpfen. Sein Vorgänger war in Wolfsburg sehr beliebt - und viele verstanden nicht, dass der Club Labbadia vor dessen Entschluss nicht zumindest schon positive Signale gesendet hatte. Gelingt Glasner der Start nicht, könnte es schnell unruhig werden. Das weiß der Coach natürlich auch, will sich davon aber nicht beeinflussen lassen. Im DFB-Pokal schaffte sein Team gegen den Drittligisten Hallescher FC erst in der Verlängerung den Sprung in die zweite Runde und verhinderte so einen Glasner-Fehlstart.

"Aktiv, aggressiv und mutig" soll der VfL unter dem Österreicher spielen. Das 3-4-3-System ist das Mittel der Wahl, das klingt offensiver als unter Labbadia. Bei 62:50 Toren war in der vergangenen Saison aber eher die Defensive das Problem.

Ausblick auf die Saison

Der Trainerwechsel "ohne Not" könnte den "Wölfen", Glasner, aber auch Schmadtke noch lange nachhängen. Da helfen nur Siege - und womöglich der Spielplan, der es gut mit den Wolfsburgern meint. Nach dem Auftakt zu Hause gegen Aufsteiger Köln geht's zur Hertha nach Berlin, bevor das Heimspiel gegen Paderborn ansteht, das in der vergangenen Saison ebenfalls noch in Liga zwei unterwegs war. Da sollte es möglich sein, den Grundstein für eine weitere erfolgreiche Spielzeit zu legen. Auf dem Papier ist Wolfsburg noch stärker als im vergangenen Jahr. Doch das gilt es unter dem neuen Trainer noch zu beweisen.

Wolfsburgs Kader für die Saison 2019/2020

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 18.08.2019 | 22:50 Uhr