Stand: 19.12.2018 09:07 Uhr

Marco Bode: Menschlich, fair, engagiert

von Andreas Bellinger, NDR.de

Freundlich, menschlich, bodenständig. Wer Marco Bode charakterisieren will, kommt an diesen Adjektiven kaum vorbei. Manchmal kann es aber passieren, dass sich der Aufsichtsratschef von Werder Bremen im wahrsten Sinne des Wortes die Haare rauft. So wie wahrscheinlich auch am Wochenende beim Auswärtskick bei Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund (1:2). Dann vergisst der 49-jährige schon mal alles um sich herum, schlägt die Hände vors Gesicht und wendet sich ab vom Geschehen auf dem Rasen - natürlich nur für einen Moment. Fußballtime für den Ehrenspielführer der Grün-Weißen von der Weser. Da hilft nicht einmal Schokoladeneis, sein angeblich liebstes Laster. Und die vielfältigen Aktivitäten spielen für den 1996er-Europameister und Vizeweltmeister von 2002 tatsächlich mal keine Rolle.

Keine Wintertransfers geplant

Wahrscheinlich hätte sich Bode einen sportlich besseren Tag gewünscht für seinen Auftritt im NDR Sportclub am Sonntag. Trotz des Abrutschens auf Tabellenplatz neun sei er aber überzeugt, in den beiden noch ausstehenden Spielen des Jahres gegen Hoffenheim und in Leipzig "noch was holen zu können. Starke Gegner, aber nicht unmöglich." Die Überzeugung der ersten Wochen sei zwar ein wenig verloren gegangen. Wintertransfers werde es aber nicht geben, betonte Sportchef Frank Baumann: "Wir sind mit dem Kader zufrieden und haben gute Alternativen." Die Rückendeckung vom Chef kam prompt. "Wenn Frank das so sieht, dann ist das auch so", sagte Bode. 

Schach macht schlau

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Engagiert sich für das Schulprojekt "Schach macht schlau": Marco Bode.

Der 49-Jährige ist seit dem 25. Oktober 2014 Werders Aufsichtsratschef und in seinem eigentlichen Beruf abseits des Millionenspiels Produzent und Formatentwickler einer Hamburger Filmproduktionsfirma (Nordisch TV). Seit zwölf Jahren ist er zudem Organisator des "One Nations Cups", an dem in diesem Jahr im Gastgeberland Japan wieder junge Menschen aller Herren Länder teilnehmen werden. Soziales Engagement ist dem zu seiner Zeit vielleicht fairsten Spieler der Bundesliga, der in 13 Profijahren nur 15 Gelbe Karten erhielt, eine Herzensangelegenheit. Für Kinder allemal, denen er das Lesen von Büchern näher bringt, und mit denen er im Schulprojekt "Schach macht schlau" seine besondere Leidenschaft teilt.

Club in ruhigeres Fahrwasser gelotst

Mit seiner bisweilen stoischen Art hat Bode die sportlich wie finanziell böse angeschlagenen Hanseaten in ruhigeres Fahrwasser gelotst - oder besser gesagt zurück auf den Werder-Weg. "Natürlich sind wir nicht davon ausgegangen, dass wir so durchmarschieren können in der Liga", sagte der einstige Linksaußen der Bremer, der erst vor zwei Jahren von Claudio Pizarro als Rekordtorschütze (101) abgelöst worden ist. 379 Spiele hat der am 23. Juli 1969 in Osterode im Harz geborene Bode zwischen 1989 und 2002 für Werder bestritten. In der Nationalmannschaft kam er auf 40 Einsätze, in denen er neun Tore erzielte. Ein Fußballer im Rampenlicht, von den Schattenseiten hat er kaum etwas mitbekommen. Auf dem Auge blind hat es ihn aber nicht gemacht, wie seine jüngste TV-Produktion zeigt. Es geht um Fußballer auf dem Abstellgleis, die ohne Vertrag dastehen und sich bei der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) für ein neues Engagement empfehlen wollen.

Fußballer auf dem Abstellgleis

"Die Botschaft ist auch: Kümmert euch um einen Plan B", sagt Bode und beschreibt das "Arbeitslosen-Camp" mit Trainer Peter Neururer und dem früheren Bremer Keeper Stefan Brasas, der jetzt als Spielerberater unterwegs ist. "Wir sagen den Spielern bei Werder immer, dass sie Abitur machen sollen oder eine Ausbildung. Darunter muss der Fußball doch gar nicht leiden", ergänzte das Mitglied im Kuratorium der Stiftung Jugendfußball. Kritisch und ehrlich werden Profifußballer gezeigt, die nicht im Rampenlicht stehen wie ihre Kollegen aus der Bundesliga und Nationalmannschaft. Es sind Spieler, die um einen Vertrag kämpfen, die den Übergang aus dem Jugend- in den Erwachsenenfußball schaffen wollen oder sich mit dem Ende ihrer Karriere auseinandersetzen müssen.

Werder und nichts anderes

Bode selbst wechselte nach dem Abitur 1988 zu Werders Amateuren und begann ein Studium der Mathematik an der Fernuniversität Hagen. Später studierte er Philosophie an der Universität Bremen, gab aber auch dieses Studium auf, als das Dasein als Fußballprofi seine ganze Aufmerksamkeit forderte. 1993 wurde er deutscher Meister, 1995 Vizemeister, in den Jahren 1991, 1994 und 1999 DFB-Pokalsieger. 1992 stand er im Team, das den Europapokal der Pokalsieger holte. Alles im Dress des SV Werder Bremen - woanders spielte er als Profi nicht, und niemals flog er vom Platz. Nach dem 2002 verlorenen WM-Finale in Yokohama gegen Brasilien (0:2) war Schluss mit Profifußball. Auftritte als Experte blieben die Ausnahme, erst zehn Jahre später kehrte er als Aufsichtsrat zurück in die Bundesliga. Und scheint noch immer der Alte zu sein: freundlich, menschlich und bodenständig.

Marco Bode: Lebenslang grün-weiß

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 16.12.2018 | 22:50 Uhr

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