Stand: 17.04.2019 16:36 Uhr

Hannover 96: Von wegen Planungssicherheit...

Hannovers derzeitige sportliche Führung: Gerhard Zuber (l.) und Jan Schlaudraff.

Martin Kind hatte es schon vor zwei Wochen verkündet: "Wir haben im Wesentlichen Planungssicherheit", erklärte der Geschäftsführer von Fußball-Bundesligist Hannover 96 nach der 1:3-Niederlage in Wolfsburg. Für den 74-Jährigen ist klar, dass die "Roten" kommende Saison in der Zweiten Liga spielen - auch wenn es rechnerisch noch nicht endgültig feststeht. Die frühe Klärung der sportlichen Zukunft ist das einzig Positive am designierten Abstieg, dennoch ist völlig offen, wie es bei Hannover 96 weitergeht. In Abwesenheit eines Sportdirektors haben derzeit Gerhard Zuber (Sportlicher Leiter) und der künftige Manager-Assistent Jan Schlaudraff das Sagen. Das Duo ist nicht zu beneiden angesichts der Fülle der Aufgaben, die es zu bewältigen gilt.

Weiteres Millionen-Minus steht schon fest

Denn die Situation ist eine ganz andere als beim Abstieg vor drei Jahren. Damals konnten Leistungsträger wie Salif Sané gehalten werden, 96 spielte in der Zweiten Liga mit einem Erstligakader. Kind nahm dafür bewusst ein Millionen-Minus in Kauf. Den Wiederaufstieg bezeichnete der Clubchef stets als "alternativlos" - er gelang dann auch. Für den nun bevorstehenden Gang ins Fußball-Unterhaus haben sich die Niedersachsen nun für eine andere Philosophie entschieden. Ein noch höheres Defizit - nach 18 Millionen Euro in der laufenden Saison stehen laut Kind bereits 17 Millionen Euro fest - soll es nicht geben.

Neustart mit jungen Talenten

Personell soll der sportliche Neustart mit jungen Talenten aus der eigenen Nachwuchsakademie gelingen. Deren Leiter Michael Tarnat sieht keine Alternative dazu, "wenn das Geld für 25 Topspieler nicht da ist". Zudem würden junge Spieler mit ihrer Unbekümmertheit auch eine Art Aufbruchstimmung erzeugen, erklärte der frühere 96-Profi dem NDR Sportclub. Gleichwohl birgt ein solch radikaler Schritt auch ein Risiko wie das Beispiel von Eintracht Braunschweig zeigt. Die "Löwen" setzten nach dem Abstieg in die Dritte Liga fast ausschließlich auf junge Spieler und wurden bis ans Tabellenende durchgereicht. Im Winter justierte Hannovers Landesrivale nach, verpflichtete erfahrene Profis und steht wieder knapp über dem Strich.

Sportchef fehlt an allen Ecken und Enden

Eine solche Kaderplanung ist eine der zentralen Aufgaben eines Sportchefs. Und damit sind wir beim Problem von Hannover 96, das seit der Trennung von Horst Heldt an dieser Stelle eine Vakanz hat. Viele aktuelle Profiverträge gelten nicht für die Zweite Liga, einige enthalten Ausstiegsklauseln im Abstiegsfall. Es müssen Spieler verkauft werden, um das notwendige Geld für potenzielle Neuzugänge in die Kasse zu spülen. Von der Trainerfrage ganz zu schweigen: Weiterhin ist offen, ob Thomas Doll auch in der Zweiten Liga als 96-Coach fungieren wird.

Fakt ist: Hannover muss so schnell wie möglich einen Sportchef finden, damit aus der Planungssicherheit auch eine sichere Planung werden kann.

Michael Tarnat

96-Nachwuchschef Tarnat: "Sollten auf die Jugend setzen"

Seit 2017 ist Michael Tarnat Nachwuchschef bei Hannover 96. Der Ex-Profi hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben - und sieht gute Chancen für einen erfolgreichen Neustart mit jungen Talenten.

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