Stand: 07.08.2019 20:15 Uhr

Behörden prüfen: HSV-Profi Jatta mit falscher Identität?

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Bakery Jatta im HSV-Dress.

Bakery Jatta spielt möglicherweise unter falscher Identität beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV. Nach Informationen der "Sport Bild" soll der Offensivspieler eigentlich Bakary Daffeh heißen und nicht erst 21, sondern bereits 23 Jahre alt sein. Dem Bericht zufolge hätten zwei frühere Trainer in seiner afrikanischen Heimat Jatta auf alten Spielbildern als Bakary Daffeh identifiziert. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte werde "den Fall intensiv prüfen und den Hinweisen nachgehen", teilte eine Sprecherin mit. Zudem will der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) "den Sachverhalt untersuchen", so der Gremiumsvorsitzende Anton Nachreiner. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat den HSV und den Spieler um eine Stellungnahme gebeten.

Hoffmann: Ein "tadelloser Sportsmann"

Der Hamburger SV reagierte mit großer Solidarität. "Wir haben Bakery Jattas gültigen Reisepass inklusive Aufenthaltsgenehmigung vorliegen. Bakery hat sich seit seiner Ankunft bei uns als tadelloser Sportsmann und als verlässlicher Mitspieler gezeigt. Er hat sich schnell in unsere Mannschaft und in unseren Club integriert. Wir schätzen ihn als Spieler und Menschen", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Darüber hinaus wollte sich der HSV bislang nicht äußern.

Bei der Einreise nicht minderjährig?

Jatta war 2015 als Flüchtling aus Gambia nach Deutschland eingereist, sein offizielles Geburtsdatum ist der 6. Juni 1998. Er galt somit bei der Einreise als minderjährig, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben in Deutschland eine größere Chance auf Duldung. Tatsächlich soll er bereits am 6. November 1995 geboren sein.

Zweifel an seinem Alter hatte es auch beim HSV gegeben, als Jatta zum Probetraining kam. Eine medizinische Altersuntersuchung ergab damals, dass seine biologische Entwicklung abgeschlossen gewesen und er "aller Wahrscheinlichkeit nach" zwei bis drei Jahre älter sei.

"Ich habe in Afrika in keinem Verein gespielt, das gab es dort nicht", hatte der Gambier seinerzeit bei seiner Vorstellung in Hamburg gesagt. Er soll jedoch in seiner Heimat für diverse Clubs gespielt haben und auch kurz im Senegal sowie in Nigeria aktiv gewesen sein. Zudem habe er beim U20-Spiel Gambias gegen Liberia auf dem Platz gestanden und das Siegtor erzielt. Seit Jatta in Deutschland ist, ist ein Spieler unter dem Namen Daffeh nicht mehr in Erscheinung getreten.

Im schlimmsten Fall droht die Abschiebung

Jatta zählt beim HSV zu den Leistungsträgern und unterschrieb im Januar 2019 einen Vertrag bis Sommer 2024. Er habe einen gültigen Pass, der überprüft wurde, seine Aufenthaltserlaubnis - gerade bis 2022 verlängert - sei ebenfalls gültig, sagte Efe-Firat Aktas, Berater des HSV-Profis, im Gespräch mit dem NDR. "Alles andere ist für uns nicht relevant." Sollte sich der Verdacht gegen Jatta erhärten, drohen der Entzug der Aufenthaltserlaubnis sowie eine Sperre durch den DFB.

"Die Gründe für die damalige Duldung sind ja dann weggefallen, und dann wird auch der Aufenthalt rückwirkend verwirkt", sagte Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg Mitte, am Mittwochabend dem Hamburg Journal: "Das ist eine sehr harte Möglichkeit, aber sie würde natürlich in der letzten Konsequenz zu einer Abschiebung führen können."

Nürnberger Einspruch gegen Spielwertung

Der 1. FC Nürnberg legte indes fristgerecht am Mittwochabend Einspruch gegen die Wertung des Zweitligaspiels am Montag gegen den HSV (0:4) ein. Die DFL hatte jedoch zuvor bereits bestätigt, vor dem Spiel über die Causa Jatta in Kenntnis gesetzt worden zu sein: "Der Spieler stand zum Zeitpunkt der Begegnung auf der Spielberechtigungsliste, insofern durfte er eingesetzt werden", teilte die DFL mit. Solange Jatta weiter auf der von der DFL geführten Spielberechtigungsliste steht, darf er auch weiter spielen. Voraussetzung dazu ist ein gültiger Aufenthaltstitel. Sollte ein Aufenthaltstitel erlöschen oder durch Behörden entzogen werden, würde die Spielberechtigung entfallen. Der HSV selbst müsste nur eine Strafe fürchten, wenn ein strafbares Handeln des Vereins vorliegen würde.

"Seebrücke Hamburg" solidarisiert sich mit Jatta

Solidarität erfährt Jatta von "Seebrücke Hamburg", einer Organisation, die sich für die zivile Seenotrettung, sichere Fluchtwege und die dauerhafte Aufnahme von Geflüchteten in Hamburg einsetzt. "Er hat die Flucht durch die Sahara und über das Mittelmeer überlebt und ist jetzt ein Hamburger wie wir alle. Statt einer kleinlichen Diskussion über seine Identität, die an der Realität auf den tödlichen Migrationsrouten völlig vorbeigeht, hat Jatta die Unterstützung seines Arbeitgebers und seiner Stadt verdient", sagte Christoph Kleine von "Seebrücke Hamburg".

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 07.08.2019 | 12:25 Uhr