Stand: 10.12.2018 08:50 Uhr

50+1: Kind will kämpfen bis zuletzt

von Andreas Bellinger, NDR.de

Das sportliche Fiasko hat Hannover 96 erst einmal verhindert. Der Teilerfolg in Mainz (1:1) hat die Sorgen des Aufsteigers und seines Club-Chefs Martin Kind am Sonntag dennoch kaum verringert. Abstiegskampf ist angesagt beim Tabellen-Vorletzten, der nicht nur in der Fußball-Bundesliga an allen Ecken und Enden Probleme hat. "Natürlich haben wir andere Ziele definiert", sagte Kind im NDR Sportclub und umschrieb damit womöglich unbeabsichtigt auch die allgemeine Gemengelage im Verein. Denn von besinnlicher Vorweihnachtszeit kann bei dem niedersächsischen Bundesligisten angesichts der vielen Baustellen auf und neben dem Platz kaum die Rede sein. Unlösbar scheint der Dissens der unversöhnlichen Interessengruppen - und der Club-Chef ist fest entschlossen, seine Vorstellungen notfalls vor Gericht durchzusetzen.

96-Clubboss Martin Kind im Sportclub

Kind: "Auftritt der Mannschaft macht Hoffnung"

Sportclub -

Hannover 96 macht schwierige Zeiten durch. Clubboss Martin Kind im NDR Sportclub über die turbulente Partie in Mainz und die Situation der "Roten" auf sowie abseits des Rasens.

2,93 bei 14 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Ausnahme von der Regel

Stichwort 50+1

Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannover 96 mit Clubpräsident Martin Kind an der Spitze macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.

Am Dienstag soll das Ständige Schiedsgericht der Lizenzligen über Kinds Einspruch gegen die Entscheidung des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga (DFL) befinden, das die vom 96-Boss geforderte Ausnahmegenehmigung Mitte Juli abgelehnt hatte. "Wenn wir überzeugt sind, dass es für Hannover 96 das Beste ist, dann müssen wir auch kämpfen", sagte Kind. Der Verein habe sonst schließlich keine Zukunft, wird der 74-Jährige nicht müde zu betonen. Wie Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim will sein Club eine Ausnahme von der Regel. Was laut Statuten möglich ist, wenn "ein Geldgeber seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Vereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat". Hat Kind aber nicht vollumfänglich, befand die DFL im Sommer dieses Jahres.

Kind akzeptiert kein "Nein"

"Wir gehen ergebnisoffen in diese Verhandlung", sagte Kind im Gespräch mit dem NDR, betonte aber zugleich: "Wir hoffen, dass unser Antrag bestätigt wird. Sollte dies nicht der Fall sein, dann geht es um die Grundsatzfrage der Rechtmäßigkeit von 50+1." Was nichts anderes heißt, als dass Kind ein neuerliches "Nein" nicht akzeptieren wird. Der Verein werde alle sich bietenden rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, bis hin "zum EU-Recht, da bin ich kompromisslos". Zunächst werde Hannover im Fall der Fälle am Sitz der DFL vor das Frankfurter Landgericht ziehen. Mit dem Ziel, die 50+1-Regel kartell- und wettbewerbsrechtlich überprüfen zu lassen. Kind: "Das haben wir angekündigt, und das wird dann auch so sein, dass wir ins ordentliche Rechtsverfahren gehen."

"Was zu finanzieren war, haben wir auch finanziert"

Dass Kind eine Ausnahmegenehmigung bis dato verwehrt blieb, hat die DFL im Wesentlichen damit begründet, dass der Club-Chef finanziell nicht ausreichend aktiv geworden sei. "Wir haben deutlich unterschiedliche Bewertungen", betonte Kind. "Ich will mal plakativ sagen: Wir haben immer soviel Geld eingesetzt, wie nötig wurde." Der millionenschwere Unternehmer aus Großburgwedel verweist dabei auf den Bau der Arena am Maschsee, das Nachwuchsleistungszentrum und das hochmoderne Breitensportzentrum, das im Januar eröffnet werden soll. "In dem Gesamtkonstrukt haben wir allein in die Infrastruktur gut 100 Millionen investiert", sagte Kind. Hinzu komme die "Entwicklung der Mannschaft aus der Dritten in die Erste Liga". Kurzum: "Wir haben für 96 alles, was zu finanzieren war, auch finanziert.“

Lizenz in Gefahr?

Ärger droht Hannover 96 möglicherweise auch wegen der im September beschlossenen Satzungsänderung, die nach Ansicht der Kritiker die Rechte des Gesamtvereins unzulässig einschränkt und die "Roten" im Extremfall sogar die Lizenz für die Bundesliga kosten könnte. "Blödsinn", nennt das Kind. Und legt im Sportclub nach: "Wir sind davon überzeugt, dass die Änderung des Gesellschaftervertrags der Lizenzordnung der DFL entspricht. Und dann kann es auch keine Strafe geben." Dass dieses Thema "deutlich überhöht" werde, sei der "Ahnungslosigkeit" der Kritiker geschuldet, meint der 96-Boss. Die DFL prüft den Sachverhalt. Trainer André Breitenreiter und sein Team kämpfen derweil auf dem Rasen um den Verbleib in der Bundesliga. Kind betonte nochmals, dass der Coach sein Vertrauen genießt: "Er ist Trainer, bleibt Trainer und macht gute Arbeit."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 09.12.2018 | 22:50 Uhr

Mehr Sport

02:19
Hamburg Journal

Ex-Profis von St. Pauli coachen SC Victoria

16.01.2019 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:56
NDR Info
01:43
NDR//Aktuell

DHB-Team in WM-Hauptrunde

16.01.2019 14:00 Uhr
NDR//Aktuell