Stand: 15.04.2020 15:25 Uhr

Neidhart: Große Zweifel an Fortsetzung der Saison

von Florian Neuhauss, NDR.de
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Meppens Trainer Christian Neidhart hat sein Team seit fünf Wochen nicht gesehen.

Der SV Meppen steckt in der Zwickmühle. Ohne Zuschauereinnahmen kann der Drittligist seinen Spielbetrieb kaum finanzieren - fast 30 Prozent tragen die Heimspiele zum Gesamtetat bei. Die Existenz des Clubs ist bedroht. Sollte die Saison allerdings nicht mit Geisterspielen beendet werden, ist beim Tabellenvierten, den nur zwei Punkte von Rang zwei trennen, die womöglich einmalige Chance auf die Rückkehr in die Zweite Liga dahin. "Ich stelle mir seit fünf Wochen die Frage, wie es weitergehen soll", sagte Trainer Christian Neidhart NDR.de. "Aber genauso lange habe ich jetzt meine Spieler nicht gesehen. Ich weiß nicht, wie da die Saison wieder aufgenommen werden kann."

Streit in der Dritten Liga entfacht

Die Liga hatte ursprünglich die sportliche Beendigung der Saison als Ziel ausgegeben, aber mittlerweile gibt es immer mehr Clubs, die für ein vorzeitiges Ende votieren. Bei Liga-Konkurrent Hansa Rostock, wo Neidharts Sohn Nico unter Vertrag steht, rollt zwar seit Dienstag wieder der Ball. Im Emsland ist die Rückkehr auf den Platz aber noch nicht absehbar. Wie bei Eintracht Braunschweig und vielen anderen gilt in Meppen Kurzarbeit - und solange bezahlt der Staat Spieler und Co.

"Vereint für den SVM" ein großer Erfolg

Rund um den Club aus dem Emsland hat sich längst eine große Solidaritätsbewegung gebildet - die weit über die Stadtgrenzen hinausgeht.

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So findet die von Fans ins Leben gerufene Spendenaktion "Vereint für den SVM" großen Anklang. Ursprünglich hatten die Ultras in Anlehnung an das Gründungsjahr des Clubs 19.120 Euro als Zielmarke gesetzt, doch nach Ostern kratzte der Kontostand bereits an 54.000 Euro.

Auch eine T-Shirt-Verkaufsaktion läuft auf Hochtouren. Die Textilien sind mit dem Spruch "Mit Abstand die besten Fans an eurer Seite" bedruckt, mehr als 1.500 sind online schon über den virtuellen Ladentisch gegangen. Zudem haben bereits mehrere aktuelle und ehemalige Meppener Profis alte Trikots versteigert, wodurch ebenfalls ein vierstelliger Betrag zusammengekommen ist. Insgesamt eine Menge Geld für den kleinen Club.

Neidhart ist online für die Fans da

"Unsere Fans sind der Wahnsinn. Was der harte Kern da auf die Beine gestellt hat, ist einfach mega, top!", meinte Neidhart. "Die Unterstützung ist umso höher einzuschätzen, weil ja viele selbst von Kurzarbeit betroffen sind. Da fehlen mir echt die Worte."

Um für die Anhänger da zu sein, hat der Trainer sogar seine Social-Media-Profile, die er in der Vergangenheit entnervt abgeschaltet hatte, wieder aktiviert. Als das publik wurde, "ist mein Account wegen der vielen Anfragen förmlich explodiert. Und ich versuche, jede Nachricht unserer Fans zu beantworten. Aber ich weiß auch nicht, wie es weitergeht."

"Wer übernimmt die Verantwortung für die Gesundheit?"

Saisonabbruch oder Geisterspiele? Andere Optionen gibt es nicht mehr. Ob der sportlichen Situation würde Neidhart es sich wünschen, wenn schnell ein Weg zurück zu Drittliga-Fußball gefunden würde. "Aber Wünsche sind gerade weniger gefragt", betonte der 51-Jährige. "Und wer soll die Verantwortung für die Gesundheit der Spieler tragen?" Außerdem würden dem Club pro Spiel ohne Zuschauer - bei fast 100 Prozent der Kosten - rund 100.000 Euro durch die Lappen gehen.

Die aktuelle Tabellenkonstellation sei ohnehin in den Hintergrund gerückt. "Wir haben eine gute Ausgangsposition - gehabt!", unterstrich der Fußballlehrer. "Durch die lange Pause ist die dahin." Vom DFB erwarte er keine Entscheidung. "Da geht es auch um Regressfragen. Wir müssen abwarten, was der Staat entscheidet."

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Sportclub | 19.04.2020 | 22:30 Uhr