Stand: 18.04.2011 15:57 Uhr  | Archiv

Manfred Kaltz: Der stille Rekordmann

von Johannes Freytag, NDR.de
Manfred Kaltz (r.) im Spiel gegen den VfB Stuttgart © picture-alliance / Sven Simon
Prägte mit seiner Laufstärke und seinen Offensivaktionen einen neuen Typus Außenverteidiger: Manfred Kaltz.

Er hat die meisten Elfmeter der Bundesligageschichte verwandelt, aber auch die meisten Eigentore geschossen. Er ist Rekordspieler des Hamburger SV, hat aber nie ein Abschiedsspiel bekommen. Er war beteiligt an der "Schmach von Cordoba" und der "Schande von Gijon" - und dennoch gehört Manfred Kaltz zu den ganz Großen des deutschen Fußballs. Der "Erfinder der Bananenflanke" war der wohl beste Außenverteidiger des vergangenen Jahrhunderts. Viele Höhepunkte hat der gebürtige Ludwigshafener erlebt, aber auch viele Enttäuschungen. "Schauen Sie sich meinen Karriereverlauf mal genau an. Dann werden Sie sehen, dass ich auf fast genauso viele erste wie zweite Plätze komme. Es ging immer hin und her", beschrieb Kaltz einmal seinen Werdegang. Die Karriere eines Mannes, der Wirbel um seine Person stets ablehnte und sich meist wortkarg und misstrauisch gab.

Dauerbrenner von Anfang an

Manfred Kaltz © picture-alliance / Sven Simon
Manfred Kaltz, 18 Jahre jung, in seiner ersten Saison beim Hamburger SV.

Manfred Kaltz kommt als A-Jugendlicher aus dem pfälzischen Altrip nach Hamburg. Es dauert nicht lange bis zum ersten Bundesligaeinsatz. Am 21. August 1971 debütiert Kaltz in der Elf der Hanseaten, in der auch noch Uwe Seeler spielt. 32 Partien sind es am Ende der Saison - eine beeindruckende Startbilanz für einen 18-Jährigen. In der Folgezeit wird Kaltz zum Dauerbrenner: In seinen 19 Bundesligajahren beim Hamburger SV absolviert er 14 Mal mindestens 31 Saisonspiele. Kaltz spielt dabei einen offensiven rechten Verteidiger mit großer Torgefährlichkeit und geht weite Laufwege. Seine berüchtigten "Bananenflanken" finden in Horst Hrubesch ("Manni Flanke, ich Kopf, Tor") einen dankbaren Abnehmer. 1991 beendet der Verteidiger seine Bundesligakarriere als HSV-Rekordspieler nach 581 Einsätzen. In der höchsten deutschen Spielklasse hat nur der Frankfurter Charly Körbel mit 602 mehr Spiele auf dem Buckel. Kaltz erzielt 76 Tore, seine 53 verwandelten Elfmeter sind Bundesligarekord. Die Kehrseite seiner Torbilanz: Sechs Mal trifft Kaltz ins eigene Tor - auch das ist der Spitzenwert der Liga.

Ohne Kaltz kein HSV-Erfolg

V.li. Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer, Manfred Kaltz und Lars Bastrup © picture-alliance / Sven Simon Foto: Sven Simon
V.li. Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer, Manfred Kaltz und Lars Bastrup jubeln 1982 mit der deutschen Meisterschale.

Kein HSV-Spieler hat mehr Titel gesammelt als der Verteidiger: Drei Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege und zwei Europacup-Erfolge schlagen für ihn zu Buche. Oder, um es anders zu formulieren: Ohne den Defensivkünstler hat der HSV keinen einzigen Titel seit Gründung der Bundesliga gewonnen. Kaltz ist 1983 beim legendären 1:0-Finalsieg über Juventus Turin dabei und trägt auch entscheidend zum bislang letzten Titel der Hamburger, dem Pokalgewinn 1987 gegen die Stuttgarter Kickers, bei. Sein Führungstreffer in der 88. Minute ebnet den Hanseaten den Weg zum Sieg. 1989 verlässt der 36-Jährige den damaligen Tabellenvierten, weil die Hamburger ihm keinen längerfristigen Vertrag anbieten, und heuert beim französischen Erstligisten Girondins Bordeaux an. Bezeichnenderweise steigt der HSV in der darauffolgenden Saison beinahe ab, um ein Jahr später - mit Rückkehrer Kaltz - wieder die Qualifikation für den Europacup zu schaffen. Trotz seiner Verdienste um den HSV gibt es kein Abschiedsspiel für ihn. Er habe keinen besonders guten Draht zum damaligen Präsidenten (Jürgen Hunke) gehabt, bedauert Kaltz später einmal in einem Interview, einen so stillen Abgang gefeiert zu haben.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.09.2012 | 22:00 Uhr

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