Bremens Eren Dinkci (l.) trifft per Kopf gegen Mainz. © imago images / Thomas Frey

1:0 in Mainz - Dinkci köpft Werder ins Glück

Stand: 19.12.2020 17:57 Uhr

Schöne Bescherung: Werder Bremen hat das Bundesliga-Jahr mit einem 1:0 gegen den 1. FSV Mainz 05 beendet und sich damit Luft im Abstiegskampf verschafft. Matchwinner war Eren Dinkci bei seinem Bundesliga-Debüt.

von Ines Bellinger

Nach einem weitgehend ereignislosen Spiel beim Tabellenvorletzten hatte Trainer Florian Kohfeldt den 19-Jährigen am Sonnabend in der 85. Minute ins kalte Wasser geworfen. Und der Regionalliga-Torjäger brauchte keine fünf Minuten, um auf Betriebstemperatur zu kommen. In der 90. Minute köpfte Dinkci in bester Mittelstürmer-Manier eine Flanke des zweiten Jokers Tahith Chong in die Maschen und machte den ersten Dreier nach neun sieglosen Spielen perfekt. Anders als nach der 0:5-Klatsche gegen die Rheinhessen im Vorjahr verbringen die Bremer die Festtage auf einem Nichtabstiegsplatz, mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang.

"Wir haben eine lange Durststrecke hinter uns, was Siege betrifft. Wir wussten, dass es ein absolutes Kampfspiel wird", sagte Marco Friedl nach vier Niederlagen in Serie. "Für Eren freut es mich extrem. Er war das erste Mal überhaupt im Kader. Er wird jetzt sehr viele Nachrichten kriegen." Maximilian Eggestein atmete tief durch: "Man will mit einem guten Gefühl in die Pause gehen, von daher war es wichtig. Dass es so spät passiert, ist am Ende umso schöner."

Bittencourt verletzt - 250. Bundesligaspiel für Gebre Selassie

Kohfeldt wollte nach dem 1:2 am vergangenen Dienstag gegen Borussia Dortmund eigentlich Leonardo Bittencourt an seinem 27. Geburtstag zurück in die Startelf beordern. Doch der Mittelfeldspieler hatte sich im Abschlusstraining eine Sprunggelenkverletzung zugezogen. Romano Schmid durfte im offensiven Mittelfeld ran, Jean-Manuel Mbom saß auf der Bank. Kapitän Theodor Gebre Selassie lief zum 250. Mal für Werder in der Bundesliga auf. Der Tscheche zog damit mit Claudio Pizarro als Ausländer mit den meisten Bundesligaeinsätzen für Grün-Weiß gleich.

Nachdem Werder die meisten Spiele in dieser Saison eher abwartend agiert hatte, wollte Kohfeldt in Mainz "taktisch mal aus dem Dickicht kommen". Tatsächlich übernahmen die Bremer mit Vierer-Mittelfeld und drei weit vorn postierten Offensivspielern sofort die Kontrolle, allein zwingende Chancen spielten sie nicht heraus.

Sargent harmlos, Pavlenka auf dem Posten

Auf der Habenseite: zwei letztlich harmlose Kopfbälle von Josh Sargent (9., 26.), bei denen das Problem der Bremer deutlich wurde: Ihnen fehlt ein guter Ballverwerter in der Spitze. Sargent, Schmid, Yuya Osako - alle körperlich nicht robust genug. Niclas Füllkrug, Davie Selke, Milot Rashica - alle verletzt.

Mainz kam mit zunehmender Spielzeit besser in die Partie und seinerseits zu Möglichkeiten. Bei einem Konter war Werder-Torwart Jiri Pavlenka einen Tick früher am Ball als Jean-Philippe Mateta (26.). Einen abgefälschten Schuss von Edimilson Fernandes ließ der Tscheche nach vorne abklatschen (30.). Auf Bremer Seite versuchte es Friedl aus der Distanz. Robin Zentner im Mainzer Tor lenkte den gefährlichen Schuss um den Pfosten (32.).

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Werder Bremens Eren Dinkci © imago images / Nordphoto

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Toprak wieder verletzt

Die zweite Hälfte begann mit einer schlechten Nachricht. In der 54. Minute verabschiedete sich Abwehrchef Ömer Toprak, bei dem sich schon vor der Pause Wadenprobleme angedeutet hatten. Seit Toprak aus Dortmund nach Bremen gewechselt ist, ist er Dauergast auf der Krankenstation. Für ihn kam Milos Veljkovic. Und das war die gute Nachricht: Mit dem Serben hat Werder in dieser Saison noch nicht verloren.

Dinkci wird zum Matchwinner

Die Partie war mittlerweile unansehnlich, der Spielfluss stockte, es gab viele Unterbrechungen. Die Mainzer machten die Räume eng und warteten auf Konter. Werder fehlten die Ideen, um das Abwehrbollwerk zu überwinden. Statt noch etwas zu riskieren, waren beide Teams vor allem darauf bedacht, keinen spielentscheidenden Fehler mehr zu begehen. Aber dann trat Dinkci auf den Plan und löschte das Trauma der Vorsaison aus den Köpfen der Bremer.

Am Mittwoch im Pokal in Hannover

Vor dem Fest könnte es noch ein weiteres Geschenk geben. Am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr) tritt Werder in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Hannover 96 an. Der Einzug ins Achtelfinale ist für die Bremer Pflicht.

13.Spieltag, 19.12.2020 15:30 Uhr

1. FSV Mainz

0

Werder Bremen

1

Tore:

  • 0:1 Dinkci (90.)

1. FSV Mainz: Zentner - St. Juste, Hack, Niakhaté - Fernandes (85. Ji), Kunde Malong (69. Barreiro Martins), Martín - Boetius, Stöger (79. Latza) - Quaison, Mateta (79. Onisiwo)
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Toprak (54. Veljkovic), Friedl, Augustinsson - Groß - M. Eggestein, Möhwald - Osako (72. Chong) - Sargent, Schmid (85. Dinkci)
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Die NDR 2 Bundesligashow | 19.12.2020 | 15:00 Uhr

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