Die Gellersenhalle der Volleyballer der SVG Lüneburg © IMAGO / Nordphoto

Gellersenhalle ade? SVG Lüneburg droht Abschied vom "Schuhkarton"

Stand: 22.03.2021 14:53 Uhr

Die Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg brauchen im zweiten Play-off-Halbfinalspiel gegen den VfB Friedrichshafen einen Sieg. Andernfalls wäre die Partie in der Gellersenhalle zugleich die letzte dort überhaupt.

von Christian Görtzen

Es könnte durchaus sein, dass Andreas Bahlburg am Donnerstag (19 Uhr) während des Play-off-Spiels seiner SVG Lüneburg etwas macht, was er sonst nicht tut: für einige Sekunden lang die Augen schließen. Das Hier und Jetzt ausblenden. Und womöglich wird er sich noch einmal vorstellen, wie schön laut es in der Gellersenhalle früher zuging, als das Wort Corona noch nicht in aller Munde war.

"In einem solchen Moment würde ich sicherlich etwas vom damaligen Lärmpegel auffangen, das waren ja um die 100 Dezibel. Und die Anfeuerungen der Zuschauer natürlich, die Klatschpappen, die SVG-Rufe und den Jubel", sagte der Vereinsvorsitzende dem NDR.

Zur nächsten Saison Umzug in die neue Arena

Es droht der Abschied vom "Schuhkarton", wie sie bei der SVG die Gellersenhalle liebevoll nennen. Nach dem bitteren 2:3 vom Sonntag in Friedrichshafen würde angesichts des Play-off-Modus "best of three" eine weitere Niederlage gegen den VfB dazu führen. In der kommenden Saison werden die "Lüne-Hünen" ihre Heimspiele in der bereits 2015 geplanten, 22 Millionen Euro teuren und 3.500 Zuschauer fassenden Arena "Lüneburger Land" austragen.

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"'Gellersenhölle' war immer eine kleine, aber geile Halle"

Es wäre kein würdiger Abschied von der Gellersenhalle, so in aller Stille, ohne Zuschauer, findet Bahlburg: "Nee, das passt eigentlich nicht." Er will damit keine Forderungen aufstellen, dass vor Publikum gespielt werden sollte. Der 61-Jährige möchte vielmehr damit zu verstehen geben, dass die Halle immer für ein Erlebnis mit vielen Emotionen auf den Rängen gestanden habe.

"Tja, unsere 'Gellersenhölle' - da wird Wehmut aufkommen, wenn es dort vorbei ist. Für uns war das immer eine kleine, aber geile Halle." Andreas Bahlburg

Die Gellersenhalle hat mit ihren besonderen Begebenheiten - nur acht Meter Deckenhöhe, wenig Abstand zu den Zuschauern - ihren Teil zum sportlichen Aufschwung des Clubs beigetragen. "Die Halle hat uns immer in die Karten gespielt", sagte Bahlburg, der aber auch noch guter Hoffnung ist, dass es noch ein weiteres Spiel dort geben wird.

Bahlburg glaubt weiter an Chance auf das Endspiel

Dafür müssten die Lüneburger das Finale erreichen. Und dies gelingt nur, wenn sie sowohl am Donnerstag zu Hause gegen Friedrichshafen als auch am Sonntag beim VfB gewinnen. Es ist eine gewaltige Herausforderung für das SVG-Team, das nach lange Zeit holprig verlaufener Hauptrunde zuletzt immer stärker wurde. So stark, dass Bahlburg noch nichts vom Ende der Saison wissen will, sondern weiter vom erstmaligen Erreichen des Endspiels träumt. "Ich traue unserer Mannschaft im Moment alles zu. Wir werden dem VfB große Gegenwehr bieten", kündigte er an.

Verluste aus Ticketing zu 80 Prozent kompensiert

Bei der SVG blicken sie mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. So traurig der Abschied von der Gellersenhalle auch ist, so wichtig ist auch der Umzug in die Arena, die dem Verein mehr Möglichkeiten bei den Einnahmen aus Ticketing und Sponsoring bietet.

Auch durch die Corona-Pandemie sei der Verein ganz ordentlich gekommen, so Bahlburg. Die riesigen Verluste im Ticketverkauf, der wichtigsten Einnahmequelle der Volleyball-Clubs, seien durch die Hilfen von Bund, Land und Stadt zu 80 Prozent aufgefangen worden, so Bahlburg.

"Die Hose sitzt relativ eng, aber der Blick geht nach vorne"

"Wir haben auch das Budget verringert, sind zum Beispiel mit Kleinbussen zu den Auswärtsspielen gefahren, haben auf Übernachtungen dort verzichtet", erzählte der SVG-Vorsitzende. Die aktuelle Situation für den Verein, bei dem bald Perspektiv-Gespräche mit den Sponsoren anstehen, beschrieb er wie folgt: "Die Hose sitzt relativ eng, aber der Blick geht nach vorne."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 25.03.2021 | 23:03 Uhr

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