Das menschenleere Weserstadion in Bremen © imago images / Eibner

Geisterspiele im Profisport - Stillstand bei den Amateuren

Stand: 29.10.2020 18:24 Uhr

Der deutsche Sport wird von den verschärften Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern hart getroffen. Angesichts steigender Infektionszahlen darf der Profisport ab Montag im gesamten November nur noch ohne Zuschauer stattfinden, der Amateur- und Freizeitsportbetrieb wird weitestgehend untersagt.

Das beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch. Die Regelung gilt auch für die Fußball-Bundesliga. Nach dem ersten Stillstand im März hatten es die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept geschafft, den unterbrochenen Spielbetrieb in den Bundesligen wieder aufzunehmen - zunächst vor Geisterkulissen.

"Zweifelsohne erfordert die sich zuspitzende Pandemie-Lage zusätzliche Anstrengungen in allen Lebensbereichen", schrieb die DFL in einer Mitteilung. Allerdings hätten die Vereine mit "großem Aufwand" Hygienekonzepte entwickelt, hieß es weiter: "Fans und Clubs haben darauf aufbauend, wo immer möglich, Hygiene- und Abstandsregeln nahezu ausnahmslos diszipliniert umgesetzt und sind damit ihrer Verantwortung gerecht geworden. Es ist daher bedauerlich, wenn dies vorübergehend nicht mehr möglich ist."

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Der Profisport findet im November ohne Zuschauer statt. Richtig so?

Für die aktuelle Saison erhielt die DFL grünes Licht von der Politik, zumindest bis zu 20 Prozent der Gesamtkapazität der Stadien mit Zuschauern füllen zu dürfen. Allerdings hatten die örtlichen Behörden weiterhin das Recht, die Zuschauerzahl zu reduzieren oder gar einen Ausschluss zu veranlassen. Dies ist nach dem sprunghaften Ansteigen der Corona-Fallzahlen zuletzt vielerorts geschehen. Auch für das kommende Wochenende ist bereits für zahlreiche Partien beider Ligen eine drastische Herabsetzung oder der Ausschluss von Fans verfügt worden.

Der Ligaverband hofft nun, "dass die beschlossenen Maßnahmen im Sinne der gesamten Gesellschaft schnell und nachhaltig Wirkung zeigen".

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Handball & Co. geraten ohne Zuschauer in Bedrängnis

"Das ist ein Schlag ins Kontor, aber unter Berücksichtigung der Gesamtsituation vielleicht auch nachvollziehbar", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. Die Entscheidung widerspreche "eigentlich dem, was wir letzte Woche mit den Chefs der Staatskanzleien besprochen haben. Da war der Tenor noch eindeutig: Der Sport hat seine Hausaufgaben gemacht und trägt nicht zum Infektionsgeschehen bei. Wir werden den Dialog noch mal suchen. Das ist aus meiner Sicht eine symbolische Entscheidung."

Er erhoffe sich mit Blick auf die finanziell angespannte Situation zahlreicher Clubs eine "Entscheidung von der Politik, die auf Fakten basiert" und dass spätestens im Dezember wieder vor Zuschauern gespielt werden kann.

"Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe dafür", konstatierte auch Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. "Es werden von uns Hygienekonzepte verlangt, für die wir viel Geld in die Hand nehmen und mit ausgewiesenen Experten zusammenarbeiten. Und obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Konzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter." Er sei allerdings froh, dass die Ligen zumindest ohne Zuschauer spielen dürfen. Die BBL startet am 6. November in ihre neue Saison.

"Die bereits sichtbaren und die für viele noch unsichtbaren Corona-Schäden in Sport-Deutschland werden sich durch diese pauschale Maßnahme der Politik nochmals deutlich verstärken." DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Im Basketball, Handball, Eishockey oder Volleyball sind die Vereine deutlich stärker auf die Zuschauereinnahmen angewiesen als im Fußball. Ein radikaler zweiter Lockdown wäre für zahlreiche Vereine und Verbände wohl der Anfang vom Ende gewesen. Doch alleine schon Geisterspiele bescheren den großen Ligen gewaltige Probleme.

Stopp im Amateursport

Die Auswirkungen auf den Freizeit- und Amateursport, der ab dem 2. November bis Ende des Monats deutschlandweit pausiert, sind ebenfalls extrem. Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen. Vereine dürfen nicht mehr trainieren. Allein der Individualsport, wie etwa alleine joggen gehen, ist weiter erlaubt.

Appell an Mitglieder: "Halten Sie durch!"

Der Präsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein hat den Teil-Lockdown als einen "harten Schlag für unsere Mitgliedsorganisationen" bezeichnet. Trotz der vielen negativen Effekte für den Freizeitsport trage der LSV die Maßnahmen solidarisch mit, wird Hans-Jakob Tiessen in einer Mitteilung vom Donnerstag zitiert. Tiessen hofft, dass nach der vierwöchigen Unterbrechung "die wichtige gesundheitsfördernde und soziale Bedeutung des Vereinssports" wieder sichtbar wird. "Halten Sie auch jetzt Ihren Vereinen die Treue, bleiben Sie Mitglied, halten Sie durch!", bat der Präsident seine Mitglieder.

In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird noch gekickt

Anders als der Hamburger Fußball-Verband (HFV), der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) und der Bremer Fußball-Verband (BFV), die die Amateure bereits vor dem Beschluss der Politik in die Corona-Pause geschickt hatten, wird an diesem Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen noch gekickt. NFV-Präsident Günter Distelrath betonte am Freitagabend, man orientiere sich genau an den behördlichen Verfügungslagen: "In den Gebieten Niedersachsens, wo die Corona-Situation eine Austragung der Partien zulässt, darf am Wochenende noch gespielt werden. Zweitens wird der Spielbetrieb solange ausgesetzt, solange die Verfügungslage andauert."

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Freizeit- und Amateursport wird im November weitestgehend untersagt. Die richtige Entscheidung?

Regionalliga Nord spielt am Wochenende noch

Auch die Begegnungen der Fußball-Regionalliga Nord der Herren sollen an diesem Wochenende noch stattfinden. Das teilte der Norddeutsche Fußball-Verband am Donnerstag mit. Die Partien der Futsal-Regionalliga Nord sollen ebenfalls noch durchgeführt werden, während die Spiele der Frauen-Regionalliga und in den drei Junioren-Regionalligen schon nicht mehr ausgetragen werden. Allerdings gibt es in der Regionalliga Nord der Herren bereits zwei Absagen. Die Partien BSV Rehden gegen SSV Jeddeloh II und Atlas Delmenhorst gegen VfL Wolfsburg II finden wegen Covid-19-Fällen bei Spielern nicht statt.

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