Volkston trifft Wiener Moderne

Kammermusik-Matinee

Franz Schreker / Schwarz-weiß-Foto um 1920 © akg-images
Der Komponist Franz Schreker ca. 1920.

Verschiedene musikalische Perspektiven treffen in dieser Matinee aufeinander. Beethoven zeigte den Wienern 1798 mit seinem Trio op. 11, dass er auch volkstümlich komponieren konnte. Gut 100 Jahre später wurde Wien zum Experimentierfeld der Moderne. Schrekers besondere Rolle in der neuen Welt des Musiktheaters deutet sich bereits in seiner klangstarken Komposition „Der Wind“ an. Im spätromantischen bis jazzig und wienerisch-walzernden Sextett Dohnányis von 1935 durchkreuzen sich zurückblickende und vorausweisende Perspektiven.

So, 06.06.2021 | 11.30 Uhr
Hannover, Kleiner Sendesaal (Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22)

Mariya Krasnyuk Violine
François Lefèvre Viola
Amanda Anderson Violoncello
Susanne Geuer Klarinette
Susanne Thies Horn
Boris Kusnezow Klavier

Volkston trifft Wiener Moderne

LUDWIG VAN BEETHOVEN
Trio B-Dur op. 11 "Gassenhauer-Trio"
FRANZ SCHREKER
"Der Wind"
nach einer Dichtung von Grete Wiesenthal
für Violine, Klarinette, Horn, Violoncello und Klavier
ERNST VON DOHNÁNYI
Sextett C-Dur op. 37

In meinen Kalender eintragen

Mit finalem Gassenhauer

Im Schlusssatz von Beethovens op. 11 ertönt, kunstvoll variiert, der Gassenhauer, der dem Stück den Beinamen "Gassenhauer-Trio" einbrachte: eine Melodie aus Joseph Weigls Oper "Der Korsar", zu jener Zeit ein Kassenschlager in Wien. Insgesamt erstaunlich handfest wie handlich kommt dieses Trio daher, das der beliebte Neu-Wiener Beethoven seinem erfreuten Publikum als 28-Jähriger offerierte – bisher war man schwerere Kost von ihm gewohnt gewesen.

Klangfarbenprächtiger Wind

Gleicher Ort, 110 Jahre später. In Wien schreibt der junge Franz Schreker seine Musik zu "Der Wind", einer Dichtung zu einem Tanzszenen-Entwurf, verfasst von Grete Wiesenthal. Ungewöhnlich ist die Besetzung aus Violine, Klarinette, Horn, Violoncello und Klavier. Und wie Schrekers effektvolle Komposition in perfekt ausbalancierter Klangfarbendramaturgie durch die verschiedenen Windstärken dieser Tanzszene steuert, das ist atemberaubend. "Der reine Klang … ist eines der wesentlichsten musikalischen Ausdrucksmittel", so Schrekers späteres Credo. In "Der Wind" hat er das schon bestens umgesetzt.

Viel Spätromantisches, etwas Jazz und Kaffeehaus

Das will schon was heißen: Der Ungar Ernst von Dohnányi wurde von den konträren Komponisten Brahms und Bartók gleichermaßen bewundert. Stilistisch vielfältig ist auch Dohnányis Sextett, komponiert für die ebenfalls ungewöhnliche Besetzung Klarinette, Horn, Streichtrio und Klavier. Da ist viel Spätromantisches zu spüren, doch im Finale klingt auch Jazz und wienerischer Kaffeehaus-Schmäh durch. Gleich Schrekers "Der Wind" ein spannendes Werk des Umbruchs und des Aufbruchs.

Weitere Informationen
Musikerinnen und Musiker der NDR Radiophilharmonie in Kammermusik-Formation © NDR / Micha Neugebauer Foto: Micha Neugebauer

Kammermusik-Matineen 2020/2021

Sieben Kammermusik-Konzerte in den unterschiedlichsten Formationen. mehr

Orchester und Chor