Unsuk Chin: Porträtkonzert II

Sie stand ein weiteres Mal in dieser Saison im Mittelpunkt des Abends: Composer in Residence des NDR Elbphilharmonie Orchesters Unsuk Chin. Ihre tänzerische und hoch anspruchsvolle Musik entführt in ganz eigene Welten. Unterstützt wurde sie von zwei weiteren Experten der zeitgenössischen Musik: Dirigent Stefan Asbury und Klarinettist Kari Kriikku.

Composer in Residence Unsuk Chin im Porträt

"Für mich gibt es keine Grenze zwischen den verschiedenen Arten von Musik", erklärt Unsuk Chin. Die Residenzkomponistin ist beim NDR Elbphilharmonie Orchester sowie in der Reihe NDR das neue werk zu Gast.

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Fr, 14.02.2020 | 20 Uhr
Elbphilharmonie Hamburg, Großer Saal (Platz der Deutschen Einheit 1)

Einführungsveranstaltung um 19 Uhr mit Dr. Kerstin Schüssler-Bach

Stefan Asbury Dirigent
Kari Kriikku Klarinette
NDR Elbphilharmonie Orchester

UNSUK CHIN

  • Spira - A Concerto for Orchestra
(Deutsche Erstaufführung, Auftragswerk des Los Angeles Philharmonic, City of Birmingham Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Orchestre de Paris und des NDR)
  • Klarinettenkonzert
  • Mannequin - Tableaux vivants für Orchester
(Deutsche Erstaufführung, Auftragswerk des Southbank Centre, Boston Symphony, Danish National Symphony, Melbourne Symphony Orchestra und des NDR)

In Kooperation mit NDR das neue werk

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Tanz zwischen dem Möglichen und Unmöglichen

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Composer in Residence Unsuk Chin im Konzert

In insgesamt sieben Konzerten stellen das NDR Elbphilharmonie Orchester und die Reihe NDR das neue werk das facettenreiche Schaffen der Residenzkomponistin Unsuk Chin in den Mittelpunkt. mehr

"Meine Musik ist das Abbild meiner Träume", beschreibt Unsuk Chin ihre Kompositionen. Die Werke auf dem Programm des Porträtkonzerts, das das NDR Elbphilharmonie Orchester ausschließlich seiner Residenzkomponistin 2019/20 widmet, scheinen das zu bestätigen: Sie eröffnen ganz eigene Welten und Einflüsse.

Das Innenleben der Klänge

"Spira" wurde im April 2019 vom Los Angeles Phil­harmonic Orchestra in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles urauf­geführt. Bei diesem neusten Werk Unsuk Chins han­delt es sich um ein Konzert für Orchester – ein "chamäleonartiges Genre", das die Komponistin besonders fasziniert, "weil es Musiker zu Höchstleistungen herausfordert" und "weil es dem Sinfonieorchester beispiellose Texturen, Klangfarben und Formen entlocken kann". Formal wurde das Werk vom biologischen Modell des Wachstums und der Wandlung geprägt, wobei zwei Vibraphone als akustische "Urzelle" eine besondere Rolle spielen. Wie mit einem Mikroskop zoomt Chin in das Innenleben der Klänge hinein

Albtraumhaft-fantastisch

"Mannequin" besitzt ein albtraumhaft fantastisches Setting, es basiert auf "Der Sandmann", einer beunruhigenden Novelle des Dichters E. T. A. Hoffmann. In ihr driftet die Hauptperson immer weiter in Wahnvorstellungen ab. Chins tänzerisch flirrende Musik scheint die physischen Gesetze außer Kraft zu setzen und zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen hin und her zu driften. Die Komponistin drückt es so aus, dass die Musik "ohne Füße" getanzt werden wolle.

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Ihr anspruchsvolles Klarinettenwerk widmete Unsuk Chin dem Finnen Kari Kriikku, der es auch persönlich in der Elbphilharmonie präsentieren wird.
"Ode" an die Klarinette

An die Grenzen des Machbaren führt auch ihr Klarinettenkonzert, das dem Solisten höchste Virtuosität abverlangt. Das ganze Werk ist um den spezifischen Klang des Instruments gebaut und lotet sein Spektrum aus. Gerade die Facetten und Spezialtechniken, die ins klassische Konzert normalerweise keinen Eingang finden, interessieren Unsuk Chin. Sie widmete die Komposition dem skandinavischen Star-Klarinettisten Kari Kriikku, der - wie auch der Dirigent Stefan Asbury - für die Interpretation zeitgenössischer Werke weltweit geschätzt wird.

Das Orchester trägt den Solisten, fängt seinen Klang ein und reflektiert ihn, sodass die Grenze zwischen Solist und Orchester verschwimmt. Bei den zahlreichen Verfremdungseffekten spielt sogar ein Weinglas mit Essigwasser eine Rolle.