Poly-Style: Ives & Schnittke in der Elphi

Das Signum Quartett © Irène Zandel Foto: Irène Zandel
Mit Streichquartetten von Schnittke und Ives lädt das Signum Quartett gemeinsam mit Pianist Alexander Lonquich in die Elbphilharmonie.

Gemeinsam mit dem Signum Quartett, Alexander Lonquich und Erik Schäffler widmete die Reihe NDR das neue werk dem Begründer der "Polystilistik" Alfred Schnittke und dessen "Vorläufer" Charles Ives einen Abend im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Im anschließenden Nachtstudio spielte Pianist Alexander Lonquich Ives' einzigartige Klaviersonate Nr. 2.

Mi, 13.11.2019 | 19.30 Uhr
Elbphilharmonie Hamburg, Kleiner Saal (Platz der Deutschen Einheit 1)

Signum Quartett:
Florian Donderer Violine
Annette Walther Violine
Xandi van Dijk Viola
Thomas Schmitz Violoncello

Alexander Lonquich Klavier
Erik Schäffler Rezitation

CHARLES IVES
Streichquartett Nr. 2
ALFRED SCHNITTKE
Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 "Quasi una sonata"
CHARLES IVES
Sonate für Violine und Klavier Nr. 4 "Children’s Day At The Camp Meeting"
ALFRED SCHNITTKE
Streichquartett Nr. 3

Nachtstudio:
Alexander Lonquich Klavier
Jürgen Franz Flöte
Xandi van Dijk Viola

CHARLES IVES
Klaviersonate Nr. 2 "Concord-Sonata"

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Die Zeit verengter dogmatischer Ordnungen und Vorschriften ist im Bereich der zeitgenössischen Musik passé - das Interesse, inwieweit Komponisten bestimmten Schulen und Ästhetiken verpflichtet sind, hat nachgelassen.

Im Interview
Der Pianist Alexander Lonquich im Porträt. © Alexander Lonquich/ Cadenza Concert

Nachgefragt: Alexander Lonquich

Im Kurzinterview erläutert Alexander Lonquich sein Konzertprogramm in der Reihe NDR das neue werk. Der Pianist ist im November gemeinsam mit dem Signum Quartett in der Elbphilharmonie zu Gast. mehr

Schnittkes "Polystilistik"

Als ein Musiker, den formale und inhaltliche Avantgarde-Vorgaben so gut wie nie einschränkten, rückt Alfred Schnittke heute wieder in den Vordergrund. Seit Ende der 1960er-Jahre hatte er einen neuen Weg des Komponierens eingeschlagen. Experimentelle Zitat-Montagen, Stilaneignungen älterer Musik und Adaptionen historischer Bezugsformen führten ihn zu einem produktiven Eklektizismus.

Früh wurde seinen individuellen musikalischen Neufindungen die Bezeichnung "Polystilistik" angeheftet. Eines der frühesten Stücke in dieser Art war die zweite Violinsonate "Quasi una fantasia": letztlich ein, wie Schnittke selbst bemerkte, "Bericht über die Unmöglichkeit der Sonate in Form einer Sonate".

Ives' Collagentechnik

In der Musik von Gustav Mahler, aber auch in der von Charles Ives hat man stets eine gewisse Vorläuferschaft der künstlerischen Praxis Schnittkes wahrgenommen - übrigens mit ausdrücklicher Billigung von Schnittke selbst.

Ives' Offenheit gegenüber den musikalischen Idiomen seiner amerikanischen Heimat, sein Zusammenmusizieren von "hohen" und "niederen" Stilformen und seine Collagetechniken machten ihn zu einer legendären Figur der amerikanischen Moderne. Werke wie das zweite Streichquartett und die vierte Violinsonate finden sozusagen zwischen allen musikalischen Stühlen statt.

Pianist Alexander Lonquich im Porträt © cecopatp photography
Zugabe im Nachtstudio: Pianist Alexander Lonquich spielt im Anschluss an das Konzert noch Charles Ives' monumentale "Concord-Sonata".
Alexander Lonquich im Nachtstudio

Einen besonderen Höhepunkt verspricht das ans Konzert anschließende Nachtstudio des Pianisten Alexander Lonquich: Hier ist dann eine Aufführung von Ives' einzigartig experimenteller zweiter Klaviersonate zu hören.

Orchester und Chor