Sonntagsstudio

Ein Gehetzter, ein Zerrissener. Ein Dichter.

Sonntag, 19. April 2020, 20:00 bis 22:00 Uhr

Der Lyriker Paul Celan steht mit seiner Frau Gisèle Lestrange vor einem Bild der Grafikerin © picture alliance/Imagno

Paul Celan - ein Gehetzter, ein Zerrissener. Ein Dichter.

19.04.2020 | 20:00 Uhr | von Solloch, Alexander

Paul Celan, Dichter der "Todesfuge", nahm sich vor 50 Jahren das Leben. Die Sendung zeigt die Widersprüche des großen Poeten und präsentiert seltene Tondokumente.

Der Lyriker Paul Celan steht mit seiner Frau Gisèle Lestrange vor einem Bild der Grafikerin © picture alliance/Imagno
Der Lyriker Paul Celan steht mit seiner Frau Gisèle Lestrange vor einem Bild der Grafikerin etwa um 1960.

Wer war Paul Celan? Einen "Gehetzten" nannte ihn sein Freund Jean Bollack, als "Zerrissenen" beschreibt ihn sein Biograph Helmut Böttiger in seinem neuesten Buch. Jedenfalls war er einer der ganz großen Poeten deutscher Sprache. Er, der sich verzweifelt fragte, ob angesichts des Massenmords der Deutschen an den europäischen Juden "der leise, der deutsche, der schmerzliche Reim" überhaupt noch zu dulden sei, schenkte dieser Sprache mit Gedichten wie "Nähe der Gräber", "Winter", "Todesfuge" und vielen anderen unverrückbare, sperrige Gedenksteine, die niemanden unerschüttert lassen können. 

Am Vorabend seines 50. Todestags und im Jahr seines 100. Geburtstags denken wir nach über die Größe dieses Dichters und über sein Leben mit den Deutschen und dem Deutschen nach dem Krieg. Aus der Bahn warf ihn eine Kampagne der Schriftstellerin Claire Goll, die Celan – fälschlicherweise – vorwarf, Arbeiten ihres verstorbenen Mannes, des Dichters Yvan Goll, plagiiert zu haben. Die "Goll-Affäre" sollte Celan bis zu seinem Selbstmord im April 1970 begleiten und verbittern, er sah in ihr "einen Vernichtungsfeldzug". Auf Grundlage von Briefen und zeitgenössischen Texten rekonstruieren wir diese einzigartig dokumentierte Affäre.

Eine Sendung von Anna Hartwich und Alexander Solloch.

Weitere Informationen
Zwei Bücher über Paul Celan © Galiani Berlin / Wallstein Verlag

Zwei neue Bücher über den Dichter Paul Celan

Anlässlich des 100. Geburtstags und gleichzeitig 50. Todestags des Dichters sind neue Bücher erschienen: von Helmut Böttiger "Nahe Fremde" und von Wolfgang Emmerich "Celans Zerrissenheit". mehr

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