Opernkonzert

"Von diesem Beruf muss man besessen sein!"

Donnerstag, 28. September 2017, 20:00 bis 22:00 Uhr

Franz Mazura (rechts im Bild), hier bei einer Szene aus Giorgio Batistellis Oper "Lot".

Franz Mazura nennt sich selbst einen "ausgesprochenen Spätentwickler" - erst mit 31 Jahren stand er erstmals auf der Opernbühne, mit 47 engagierten ihn die Bayreuther Festspiele, mit 56 debütierte er in der Metropolitan Opera New York. Doch so spät er auch begann - an das Aufhören denkt der heute 93-Jährige nicht: Im Frühjahr sang er in der Uraufführung der Oper "Lot" von Giorgio Battistelli in der Staatsoper Hannover den greisen Abraham, zur Zeit ist er dort in Hans Werner Henzes "Der junge Lord" zu erleben.

Faust-Preis für das Lebenswerk

"Franz Mazura ist einer der profiliertesten Bassbaritone im deutschsprachigen Raum. Seine künstlerische Vielseitigkeit manifestiert sich in einer ausdrucksstarken stimmlichen Leistung, sprachlicher Präzision sowie einem herausragenden Talent als Schauspieler. Alle Komponenten vereint machen ihn zu einem hervorragenden Interpreten außergewöhnlicher Rollen sowohl im klassischen wie auch im modernen Repertoire". So die Laudatio des Deutschen Bühnenvereins, als Franz Mazura 2015 den Faust-Preis für sein Lebenswerk erhielt.

Das Erfolgsgeheimnis: Jeden Abend sich neu erfinden

"So viel Grundlegendes vom Seelenleben liegt schon in der Musik", sagt Mazura, der oft als Singschauspieler bewundert wurde. "Der Komponist hat ja den Charakter schon halb vorgearbeitet. Ich habe in Proben nie markiert, ich war gewohnt, alles zu geben. Das kannte ich vom Schauspiel her. Du musst den Charakter deiner Rolle wirklich erarbeiten, auch mit den übrigen Figuren, wie ein eigener Regisseur. Das Schwierige in der Oper: Man ist zeitgebunden. Wenn ich als Schauspieler einen Stimmungsumschwung machen muss, passiert das heute in drei Sekunden, morgen vielleicht in einer Minute. In der Oper hast du deine zehn Takte, die jeden Abend gleich sind. Du kannst es wie eine Marionette jeden Abend gleich schaffen, aber das ist tödlich. Du musst versuchen, es jeden Abend neu zu erfinden, damit es lebendig bleibt."

Eine Sendung von Sylvia Roth