Opernkonzert

Der Meister der menschlichen Stimme

Samstag, 03. März 2018, 20:00 bis 23:00 Uhr

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Nicola Porpora (1686-1768), der "Partriarch der Melodie".

Am 3.März 1768 starb der italienische Komponist Nicola Porpora in seiner Heimatstadt Neapel - einsam und verarmt, obwohl er lange Jahre ein Star der europäischen Opernwelt gewesen war. Einer der populärsten Opernkomponisten. Seine Zeitgenossen nannten ihn den "Patriarchen der Melodie". Porpora hat über fünfzig Opern komponiert, die menschliche Stimme war für ihn künstlerisches Lebenselixier. Im 18. Jahrhundert blühte die italienische Gesangskultur, viele führen das auf den Einfluss Porporas zurück. Er galt als einer der besten Kenner der menschlichen Stimme. Er war einer der innovativsten und gefragtesten Gesangslehrer Europas. Weltstars wie Farinelli kamen aus seiner Schule.

Das magische Geheimnis des Singens

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Der Countertenor Philippe Jaroussky hat mit der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli Arien von Porpora aufgenommen.

Porpora wollte mit kreativen Methoden jeden Gesangsschüler in seiner Individualität fördern und ihn mit anspruchsvollen Übungen hartnäckig zum auch technisch perfekten Gebrauch seiner Stimme anleiten. Seine Rezitative und Arien sind oft reich mit Ornamenten, Verzierungen versehen und er lässt in seinen Opern schon etwas vom "galanten Stil" ahnen. Für seinen "Sinn für melodische Eleganz", seine "noble Ausdrucksweise" und seine "vollkommene Technik" wurde Porpora viel gelobt - noch heutige Sänger lieben die Chancen und Herausforderungen, die in seinen bravourösen Arien liegen. Cecilia Bartoli, Simone Kermes, Max Emanuel Cencic, Philippe Jaroussky, Franco Fagioli - sie alle haben Porporas Musik auf Platte aufgenommen, um diese virtuose Kunst wieder in unser Bewusstsein zu rücken.

Ein König der europäischen Opernwelt

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Joseph Haydn war ein Schüler von Nicola Porpora.

1708 führte Porpora, Sohn eines neapolitanischen Buchhändlers, in der damaligen Musikmetropole Neapel sehr erfolgreich seine erste Oper auf, "Agrippina", und fand damit einen wichtigen Gönner, den Musik liebenden Prinzen Philipp von Hessen-Darmstadt, der damals als militärischer Oberbefehlshaber der österreichischen Armee in Neapel stationiert war. Als die Bedeutung des Komponisten Alessandro Scarlatti in Neapel nachließ, startete Porpora mit dem Opernkomponieren voll durch, und er erregte in diesen Jahren so viel Aufmerksamkeit mit seinen Werken, dass ihn Gegner des in London so erfolgreichen Georg Friedrich Händel 1733 nach England riefen, damit er dort als Händels Konkurrent dem Rivalen das Leben schwer machen sollte.

So recht gelang Porpora das nicht, 1737 kehrte er nach Italien zurück, erst ging er nach Venedig, dann zurück in seine Heimatstadt Neapel. Schließlich führten ihn seine Wege zurück in den Norden, diesmal ins deutschsprachige Ausland, nach Wien und Dresden, wo er unter anderem Gesangslehrer der Prinzessin von Sachsen wurde. Porpora hoffte in Dresden auf die Ernennung zum Oberkapellmeister, sah sich jedoch von Johann Adolf Hasse verdrängt. Porpora ging zurück nach Wien, wo der junge Joseph Haydn sein Schüler und Assistent wurde. 1760 kehrte Porpora für seine letzten Lebensjahre nach Neapel zurück, wo er unter den sich ändernden politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen litt und aufgrund des sich wandelnden Musikgeschmacks von vielen vergessen wurde.

Eine Sendung von Sabine Lange