Stand: 05.12.2019 18:47 Uhr

Vorweihnachtlicher Familienzwist

von Stephanie Pieper

6. Dezember: Nikolaus! Das zweite Adventswochenende steht bevor - mit vollen Fußgängerzonen, Einkaufscentern und Weihnachtsmärkten. Unsere Kolumnistin Stephanie Pieper denkt nicht nur darüber nach, wie sie es in diesem Jahr mit Geschenken hält, sondern auch über vorweihnachtlichen Familienstreit.

Stephanie Pieper leitet bei NDR Kultur die Hauptredaktion "Kulturelles Wort" in Hannover.

Wie es ist, innerfamiliäre Abstimmungen zu verlieren, davon können Olaf Scholz und Klara Geywitz ein Lied singen - vielleicht die SPD-Hymne "Wann wir schreiten Seit' an Seit'": Die große Partei-Familie hat sich in ihrem kollektiven, selbstverständlich vernunftgetriebenen Votum nicht für dieses Duo, sondern für das andere entschieden. Da hat wieder keiner an die armen ausländischen Journalistinnen und Journalisten gedacht, die sich nun abmühen müssen, nicht nur "Ännegreat Krämp-Kärrenbower" fehlerfrei ins Mikrofon zu sagen, sondern auch noch "Norbird Woulter-Boarjähns". Aber das nur nebenbei.

Seit der Mitgliederbefragung scheinen die Genossinnen und Genossen, da mögen sie jetzt noch so sehr Geschlossenheit fordern, weniger geeint als zuvor - vielmehr ist nur eine neue Runde im Streit um den richtigen Kurs der Partei eingeläutet: Raus aus der GroKo - ja oder nein? Neuwahlen riskieren, bei Zustimmungswerten von unter 15 Prozent - ja oder nein? Kevin Kühnert doof finden - ja oder nein? Die schwarze Null verteidigen - ja oder nein? Wer will da sein Kreuz noch bei der SPD machen? Eben.

Träumt weiter, meine lieben Briten

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Im Vergleich zum Schlamassel der deutschen Sozialdemokraten wirkt selbst die Lage ihrer britischen Leidensgenossinnen und -genossen noch geradezu komfortabel, stehen sie doch in der Wählergunst etwas besser da. Zwar wird Labour die Wahl am kommenden Donnerstag - wenn die Umfragen stimmen - nicht gewinnen, wird Jeremy Corbyn am kommenden Freitag nicht als neuer Premier in 10 Downing Street einziehen. Das muss man aber nicht wirklich bedauern, da mag der Hass auf die Tory-Brexiteers auch noch so verständlich und noch so groß sein. Denn bekanntlich ist auch Corbyn kein EU-Fan und will sich nicht festlegen, wie er und Labour sich im Falle eines zweiten Referendums eigentlich positionieren würden. Noch dazu hat er Antisemitismus in den eigenen Reihen mehr als nur geduldet, was eines vermeintlich linken Parteichefs schlicht unwürdig ist. We’ll see, was die Briten nächste Woche an der Wahlurne kollektiv entscheiden – mutmaßlich nach dem berühmt-berüchtigten Motto von Boris Johnson: have your cake and eat it.

Sie wollen den Brexit jetzt endlich durchziehen, aber es soll bitte trotzdem alles irgendwie so bleiben wie bisher. Träumt weiter, meine lieben Briten. Auch in der Tory-Familie gibt es natürlich Zwist, ähnlich wie hierzulande in der Union: Aber wenn es um den Machterhalt geht, raufen sich die Konservativen - diesseits und jenseits des Ärmelkanals - halt doch immer wieder zusammen. Während die linken Parteien-Familien noch leidenschaftlich um die einzig wahre ideologische Position streiten, teilen die pragmatischen Mitte-Rechts-Parteien die Kabinettsposten unter sich auf. Wäre ja nicht das erste Mal.

Stephanie Pieper © NDR/ Foto: Christian Spielmann

Vorweihnachtlicher Familienzwist

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6. Dezember: Nikolaus! Das zweite Adventswochenende steht bevor. Unsere Kolumnistin Stephanie Pieper denkt nicht nur über Geschenke nach, sondern auch über vorweihnachtlichen Familienstreit.

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Früher war mehr Lametta

Aber ich schweife vom Thema ab, entferne mich von meinem Ausgangsgedanken. Auch mir ist es kürzlich - wie Scholz/Geywitz - passiert, dass ich eine wichtige innerfamiliäre Abstimmung verloren habe. Zugegeben, es ging dabei nicht um die Zukunft dieses Landes, aber doch um Weihnachten - also um eine ähnlich wichtige Angelegenheit. In einer Diskussion darüber, wie das Fest in diesem Jahr zu gestalten ist, trug ein Familienmitglied plötzlich die Idee vor, diesmal auf Geschenke zu verzichten. Auf diese Debatte war ich offensichtlich inhaltlich schlecht vorbereitet, hatte im Vorfeld keine Verbündeten gesucht, konnte rhetorisch nicht glänzen - sonst wäre die Abstimmung ja anders ausgegangen: Geschenke sind gestrichen. Stattdessen wollen wir das gesparte Geld spenden - gewiss: edel, hilfreich und gut.

Die SPD beschenkt sich mit einem neuen Spitzen-Duo, meine Familie beschenkt sich und mich mit dem gemeinsamen Gucken von "Weihnachten bei den Hoppenstedts". Ob wenigstens Loriot dabei hilft, dass es auch ohne die beinahe kindliche Vorfreude, ohne das Knistern von Geschenkpapier, ohne die verzückten "Oh!"- und "Ah!"-Ausrufe ein amüsanter Heiligabend wird? Früher war mehr Lametta.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NachGedacht | 06.12.2019 | 10:20 Uhr