Sendedatum: 18.08.2017 15:20 Uhr  | Archiv

"Ich zeige, was ich will!" - Musliminnen und Mode

von Simone Horst

Wenn von islamischer Mode die Rede ist, denken viele gleich an die Kopftuch- oder Burka-Debatte. Dabei ist Mode ein Thema, das die meisten Musliminnen interessiert - ob sie nun ein Kopftuch tragen oder nicht. Auch in norddeutschen Großstädten gibt es immer mehr Geschäfte speziell für islamische Mode. Wie lassen sich Religion und Mode verbinden und worauf achten muslimische Frauen beim Klamottenkauf?

"Wenn eine Frau sich in die Öffentlichkeit begibt, dann muss sie komplett bedeckt sein. Nur ihr Gesicht und ihre Hände dürfen zu sehen sein. Und die Kleidung sollte eben etwas schlicht sein, nicht eng anliegen und nicht durchsichtig sein." So erklärt Abdul Rahman die islamischen Kleidervorschriften. Er arbeitet in einem Geschäft für islamische Mode in Hamburg. Im Eingangsbereich seines Ladens hängen islamische Gewänder für Herren. Eine Etage höher befindet sich das Paradies einer jeden traditionell muslimischen Frau. Eine ganze Etage voller Gewänder und Kopftücher, jeweils in schlichten Varianten oder mit Verzierungen versehen.

Yaren ist Auszubildende in Abduls Laden. Die 20-Jährige hält sich an die islamischen Kleidervorschriften. Auch heute trägt sie ein Kopftuch, also einen Hidschab, und ein schwarzes, weites Gewand. "Darunter ist meistens eine Hose, aber das sieht man ja nicht", sagt sie. Wenn sie unter sich sind, so Yaren, dürfen Musliminnen sich kleiden, wie sie möchten. Nur weil sie ein Kopftuch tragen, ist ihnen Mode nicht egal: "Man ist ja eine Frau. Unter Frauen machen wir das sowieso, da zeigen wir unsere anderen Seiten. Nicht, wenn wir raus gehen. Wenn man zwischen Frauen feiert, zum Beispiel beim Henna-Abend, da erkennt man die meistens gar nicht mehr."

Islamkonform und trotzdem modern

Es gibt aber auch Frauen, die sich zwar islamkonform anziehen, dabei aber auch in der Öffentlichkeit nicht auf moderne Mode verzichten möchten. Sonia aus Berlin hat ihren eigenen Stil: "Eigentlich sehr einfach gehalten. Nichts eng Anliegendes, mehr Nude Töne, also nichts Grelles. Das ist mein Style." Sonia veröffentlicht immer wieder Outfits von sich in den sozialen Medien. Sie trägt gerne weite Hosen und lange Strickjacken. Viele Klamotten kauft sie in Malaysia. Die junge Muslimin will mit ihrem Instagram-Profil zeigen, dass es auch Frauen wie sie gibt: "Da können Leute wie ich beispielsweise durch ihren Instagram-Account mehr darauf aufmerksam machen. Und ich finde, sie sollten mutiger werden."

Ausstellungstipp

Noch bis zum 27. August ist im Jüdischen Museum Berlin eine interessante Ausstellung zu sehen: "Cherchez la femme - Perücke, Burka, Ordenstracht". Sie zeigt, dass religiöse Verschleierung nicht allein Sache des Islam ist.

"Mode ist auch eine Art, sich selbst auszudrücken"

Auch Tina aus Hamburg zieht keine langen Gewänder an, wenn sie auf die Straße geht. Aber sie achtet auf gewisse Details: "Dass es nicht durchsichtig ist, dass es nicht zu kurz ist und nicht zu eng anliegt. So, dass die wichtigsten Körperteile immer noch bedeckt sind." Ihre Outfits findet sie hauptsächlich bei großen Modeketten. Manchmal kauft sie auch in Läden speziell für islamische Kleidung. Nur weil eine Frau ihren Körper bedeckt und ein Kopftuch trägt, heißt das aber nicht, dass sie auch ihre Persönlichkeit abgibt, sagt Tina: "Mode ist ja auch eine Art auszudrücken, wer man selber ist. Deshalb ist es manchmal schwer, gerade mit muslimischer Mode, weil viele dann irgendwann ihre Identität daran lassen. Und alle sehen gleich aus. Das war auch mein Problem, als ich angefangen habe, mich bedeckter zu kleiden. Dass ich einen Weg finde, mich bedeckt anzuziehen, sodass es meiner Religion entspricht, aber gleichzeitig auch, ich selbst zu sein."

Das sieht auch die Bloggerin Sonia aus Berlin so: "Ich mag es einfach nicht, wie alle auszusehen. Ich würde niemals von mir behaupten, dass ich eine Trendsetterin bin. Ich lasse mich sehr gerne inspirieren. Wenn ich sehe, dass Frauen schöne weite Mäntel tragen, minimalistische Schnitte - so etwas finde ich sehr schön."

Link
Screenshot eines Youtube-Videos, in dem eine Frau mit einem Hidschab zu sehen ist. © Youtube

100 Jahre Hidschab-Mode in einer Minute

In diesem Youtube-Video zeigt eine junge Frau, wie unterschiedlich die muslimische Kopfbedeckung in den vergangenen 100 Jahren gewesen ist. extern

Immer wieder neue Trends

Besonders in den USA und in England leben viele junge muslimische Frauen, die sich bedeckt, aber modern kleiden: "Hijabistas" nennen sie sich. Eine Verbindung aus den Wörtern Hijab, und Fashionista. Auch in der muslimischen Modewelt gibt es immer wieder neue Trends.

Gerade wenn es darum geht, wie die Kopftücher gebunden werden, lassen sich Frauen immer wieder etwas Neues einfallen, beobachtet Bloggerin Sonia: "Ich habe viele Freunde in meinem Freundeskreis, die Turban tragen. Oder das Kopftuch locker gewickelt." Wichtiger als ein Modetrend ist ihr aber, dass Frauen das anziehen, worin sie sich wohl fühlen: "Und nur das zeigen, was man eben möchte. Und das ist mit unglaublich viel Selbstbewusstsein verbunden. Und da ziehe ich meinen Hidschab vor - aber nur, wenn ich unter Frauen bin."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 18.08.2017 | 15:20 Uhr

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