Stand: 29.09.2020 14:50 Uhr

Murphy's Law als Dance-Album

von Henning Cordes, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
Das Cover des Albums "Róisín Machine" von Róisín Murphy © Skint
"Róisín Machine" ist Róisín Murphys erstes ganzes Album sein 2016.

"Ich spüre, meine Geschichte ist immer noch nicht erzählt." Die ersten Worte einer Platte, von der nach so einem Auftakt zu erwarten wäre, dass sie im großen Rest tatsächlich eine Geschichte liefert. Nun wäre es verwunderlich, wenn die Sängerin Róisín Murphy im Alter von 47 Jahren bereits mit allem abgeschlossen hätte. Da ist eindeutig noch Luft zum Erweitern des Gesamtwerks, zum Vorantreiben der Geschichte. Allerdings wirkt die neue Róisín Machine eher so, als habe Róisín Murphy bei deren Ausbau auf Teile aus zweiter Hand gesetzt.

"I feel my story's still untold" meint dann womöglich gar nicht so sehr die Geschichte, die noch folgen soll - ich bin noch nicht fertig! -, sondern das, was mal war. Róisín Murphy nimmt ihre Hörer mit ins Sheffield und Manchester der späten Achtziger und frühen Neunziger. Dort ist sie aufgewachsen und hat offenbar reichlich Eindrücke von der damaligen Clubkultur im englischen Norden aufgesogen.

An die Aufnahmen für Róisín Machine hat sie sich gemeinsam mit Richard Barratt gemacht. Barratt gehörte damals zu denjenigen, von denen die Musik kam, zu der die junge Róisín Murphy in Sheffield getanzt hat. Als DJ Parrot und mit der Gruppe The All Seeing I konnte er sich über die Jahre den Ruf einer kleinen Legende erarbeiten.

Die beiden geben der neuen Musik einen guten Schlag Disco mit, gebettet in Neunziger-Jahre-House: Róisín Murphy hat schon lange nicht mehr so glatt geklungen. Vor allem im Vergleich mit Werken wie ihrem frickeligen, mit seltsamen Sounds besprenkeltem Solo-Debüt Ruby Blue aus dem Jahr 2005 wirkt Róisín Machine wie eine Reise in die gefällige Tanzmusik, die nicht vorhat, bei irgendwem anzuecken. Allerdings ist das wahrscheinlich auch nicht die erste Aufgabe einer Dance-Platte.

Das neue Album ist also mehr denn je tanzbar, doch es liefert beinahe unbemerkt einen Bonus. Trotz frühem Fame mit Moloko, Preisen und internationalen Liebesbekundungen scheint es, als ob die gebürtige Irin im Jahr 2020 endlich auch die Letzten darüber aufklären wollte, wie man ihren Vornamen ausspricht: Róisín Machine reimt sich. Zumindest dieser Teil der Geschichte Róisín Murphys ist nun erzählt und für den Rest der Story braucht sich offenbar auch niemand Sorgen machen, wenn man nur Róisín etwas länger zuhört: "I feel my story's still untold, but I make my own happy ending."

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Róisín Machine

Genre:
Pop, Disco, Dance
Label:
Glitterbeat
Veröffentlichungsdatum:
02.10.2020
Preis:
16,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 28.09.2020 | 23:05 Uhr