Stand: 18.02.2020 15:24 Uhr

Album der Woche: "The Unraveling"

von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
Cover der CD "The Unraveling" © PIAS
Das Album "The Unraveling" bezieht sich stark auf die aktuelle Situation Amerikas.

Etwas ist zerbrochen und es muss neu sortiert werden: "The Unraveling" haben die Drive-By Truckers ihr neues Album überschrieben. Es ist eine Art Fortsetzung von "American Band" vor drei Jahren: Damals blickte die US-Band voller Wut und auch Fassungslosigkeit auf ein Amerika, das nicht mehr das ihre war: Rassismus, Waffenwahn und rechte Slogans bis in die Mitte der Gesellschaft - die US-Flagge auf dem Cover hing auf Halbmast. "The Unraveling" ist einen Schritt weiter: Es beschreibt die USA unter Donald Trump - nicht mehr so wütend, mehr mit einem resignierten Grusel: "Shit's fucked up", so schreiben die Drive-By Truckers im Booklet zu "The Unraveling". Es folgt die drastische Beschreibung eines Landes, in dem Faschisten im Fahrwasser des Präsidenten die Oberhand gewinnen. Und in dem Babys in Käfigen landen und Kinder in baufälligen Unterständen Kindern die Windeln wechseln, weil sonst niemand für sie da ist: "Babies in Cages" ist einer dieser Songs von Frontmann Patterson Hood, der sich einen Reim auf das Unfassbare machen will: "Sind wir wirklich so gespalten, dass wir uns nicht mehr darauf einigen können, dass dies nicht das Land ist, für das unsere Großväter mal gekämpft haben?"

Auf "The Unraveling" werden andere Töne angeschlagen

Seit ihrem Start in den 90ern sind die Drive-By Truckers sowas wie die andere Südstaatenband: Skeptisch gegenüber echten oder eingebildeten Patrioten und mit feinen Antennen für die sozialen Folgen der radikalkapitalistischen Umbrüche - auch und gerade im bitter-konservativen Bible Belt: Die beiden Songwriter Patterson Hood und Mike Cooley kommen aus Athens (Georgia). Mit wuchtigen Gitarrenwänden, rauhen Balladen und durchschlagenden Live-Shows erspielten DBT sich einen legendären Ruf, Alben wie die ausladende "Southern Rock Opera" oder "English Oceans" gelten als Klassiker des Genres - auf Augenhöhe mit den Songs einer ganz ähnlich tickenden Lucinda Williams. "The Unraveling" ist jetzt anders: Leiser im Tonfall, die übermächtigen Gitarrenverstärker wurden runtergefahren, dafür gibt es mehr Platz für Zwischentöne und dunkles Grübeln, aber auch für den gut acht Minuten Zeitlupen-Schrecken von "Awaiting Resurrection". Kein heiteres Album, keine Party, wenig Rock'n'Roll - aber es sind halt auch andere Zeiten: "Gebt den Kampf nicht auf und hört nie auf, dem Traum zu folgen", schreiben die DBT. Und: "Wählt und leistet Widerstand. Manchmal ist das das Beste, was wir machen können."

Weitere Alben der Woche
Das Cover des Albums "We Will Always Love You" von The Avalanches © EMI / Universal

Album der Woche: We Will Always Love You

The Avalanches haben für "We Will Always Love You" nicht nur Samples verwendet, sondern auch zahlreiche Gäste eingeladen. mehr

Das Cover des Albums "The Angel You Don't Know" von Amaarae © Golden Child

Album der Woche: The Angel You Don't Know

Auf "The Angel You Don't Know" mischt Amaarae verschiedenste Einflüsse zu ihrem eigenen Stil Afrikanischer Musik. mehr

Das Cover des Albums "12" von AnnenMayKantereit. © Irrsinn / Universal Music

Album der Woche: 12

AnnenMayKantereit haben "12" während der Coronakrise geschrieben. Herausgekommen ist eine Momentaufnahme dieser Zeit. mehr

The Unraveling

Label:
PIAS
Veröffentlichungsdatum:
31.01.2020
Preis:
14,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 17.02.2020 | 23:05 Uhr