Stand: 25.02.2020 14:56 Uhr

Die Sterne: Alles auf Anfang

von Henning Cordes, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
Cover der CD "Die Sterne" © PIAS
Das neue Album der Sterne ist selbstbetitelt - und bei weitem nicht ihr erstes.

Es muss eine ungemein spannende Zeit gewesen sein, in den Achtzigern, im ostwestfälischen Thermal-Heilbad Bad Salzuflen. Natürlich nicht für die Kurgäste: Die wollten ja Entspannung. Anders die heimische Jugend: Die hat sich im Schatten der Reha-Kliniken ihre Provinz schön gerockt. Eine eingeschworene Clique junger Musiker scharte sich damals um das Label Fast Weltweit. Unzählige Bands mit wechselnden Besetzungen spielten viel, veröffentlichten wenig und gossen ohne es zu Wissen das Fundament für Größeres. Blumfeld, Begemann, Bernadette Hengst: Sie alle haben in diesem Pool guter Ideen angefangen und anschließend in den Neunzigern von Hamburg aus die Kritikerherzen erobert.

Für Frank Spilker mag es sich in diesen Tagen wieder ein wenig so anfühlen wie im Bad Salzuflen der Achtziger. Spilker hatte Fast Weltweit mit gegründet und in gefühlt allen Bands irgendeine Rolle gespielt. Man half sich. Seine bekannteste Erfindung von damals: die Band Die Sterne. Im Jahr 2020 gibt es Die Sterne zwar noch immer, nur eben nicht mehr so, wie sie in den vergangenen 26 Jahren aufgestellt waren. 2018 haben Bassist Thomas Wenzel und Schlagzeuger Christoph Leich die Band verlassen. Spilker stand alleine da.

Die Sterne als loses Kollektiv

Doch anstatt die Die Sterne aufzugeben, hat er sich für einen Neuanfang entschieden: im Salzuflener Modell. Soll heißen: Frank Spilker hat sich Hilfe geholt. Die neuen Sterne sind eine derzeit noch lose Gemeinschaft aus verschiedenen Musikern. Auf dem neuen Album spielen Mitglieder der Gruppen Von Spar, Düsseldorf Düsterboys und Kaiser Quartett. Auch Carsten "Erobique" Meyer macht mit.

Vor allem aufgrund von Spilkers Gesang und Songwriting sind Die Sterne nach wie vor wiederzuerkennen - aber nicht nur deswegen. Die Sterne waren schon immer eine recht vielseitige Band, auch offen für Gastmusiker. Und so klingt das neue, selbstbetitelte Album bei weitem nicht so anders, wie es zu erwarten wäre, wenn sich eine Band personell so radikal neu aufstellt. "Es ist wie ein Update: Die Sterne 2,0." So hat es Spilker gegenüber der taz zusammengefasst: "Das ist nicht der zwanghafte Versuch, so wie 1995 zu klingen. Für mich war klar, dass auch etwas Neues Die Sterne heißen kann. Es ist etwas Vorläufiges: Wir gehen jetzt erst mal auf Tour und gucken, ob danach noch alle Bock haben."

Unabhängig davon, ob das jetzt Urknall oder Ende der Band ist: Spilker und Kompagnons haben mit Die Sterne ein intelligentes Werk voll discogetränktem Rockpop geschaffen. Es ist da, es ist aktuell. Es gehört in Playlisten und auf Plattenteller.

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Die Sterne

Label:
PIAS
Veröffentlichungsdatum:
28.02.2020
Preis:
16,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 24.02.2020 | 23:05 Uhr