Stand: 30.01.2020 16:16 Uhr

Album der Woche: "Someday Tomorrow Maybe"

von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
Cover der CD "Someday Tomorrow Maybe" © Barclay / Universal
Die LP-Ausgabe von "Someday Tomorrow Maybe" ist aus braunem Vinyl gepresst.

Ist doch klar: Das neue Album ist immer das beste und stellt alles davor in den Schatten. Tausendfach wird diese Litanei runtergebetet - in Presseinfos, in Interviews. Lola Marsh gehen sogar noch einen Schritt weiter - die erklären uns nämlich, warum das Debüt "Remember Roses" vor gut zwei Jahren als Album nicht funktionierte. Weil sie nämlich alles wollten. Unwiderstehliche Songs wie "Wishing Girl" schufen. Aber ihren Stil nicht festgenagelt bekamen. Und erst jetzt bei "Someday Tomorrow Maybe" vermelden: Nun stimmt alles.

Zeitlose Melodien

Lola Marsh, das ist ein Duo aus Israel: Yael Shoshanna Cohen singt, Gil Landau spielt eine Vielzahl von Instrumenten und sorgt für die Arrangements. Und bei denen hat sich viel getan seit des heiter-folkigen Erstlings: "Someday Tomorrow Maybe" ist ein seltsam verhangener Mix - "romantisch, nostalgisch und ein bisschen cinematisch", wie die beiden sagen. Es ist der ganz große Bahnhof, den das Duo aus Tel Aviv auffährt: Phil Spector trifft Portishead, eine grandiose Kulisse für die zugleich fragile und insistierende Stimme Cohens. "Zu den wichtigsten Dingen beim Komponieren gehört für uns, dass die Melodien zeitlos wirken – als wenn Du das schon mal gehört hast, obwohl es ganz neue Songs sind."

Kennengelernt haben sich Cohen und Landau vor neun Jahren auf einer Party - waren kurz ein Paar, hörten aber auch anschließend nie auf, gemeinsam Songs zu schreiben. Jahrelang bis zu diesem Debüt 2017. Geholfen haben unzählige Shows, die die beiden mit ihrer Band spielten – auf eigene Faust bei Festivals wie Primavera, in ihrer Heimat Israel auch als Support der Pixies. Bei denen Lola Marsh sich einen Ruf als glänzender Live-Act erspielten. Und die Songs des neuen Albums ausprobierten. Die dunkler wirken, dichter - "eine Art Medizin", wie sie sagen: Eine Aufarbeitung ihrer komplexen Beziehung - "wir wollten alles, was wir durchgemacht haben, in einen Song gießen und sicherstellen, dass es dann dort bleibt".

Vertrautes und Neues

Fans der frühen Folk-Tage und des Ohrwurms "Wishing Girl" finden Vertrautes in Songs wie "Strangers on the Subway" oder "Only for a Moment" - doch der besondere Reiz liegt diesmal in XXL-Traumlandschaften wie "Echoes" oder "Darkest Hours". "Diesmal wussten wir genau, was wir tun wollten. Es fühlt sich an, als ob wir unseren Traum umgesetzt haben."

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Someday Tomorrow Maybe

Label:
Universal
Veröffentlichungsdatum:
24.1.2020
Preis:
15,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 03.02.2020 | 23:05 Uhr