Stand: 25.08.2020 21:35 Uhr

Kultusminister Tonne verteidigt Maskenverzicht

Grant Henrik Tonne (SPD) Niedersachsens Kultusminister im NDR-Interview im Studio bei NDR-Moderator Arne-Torben Voigts. © NDR Foto: Hendrik Millauer
Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD, links) mit Arne-Torben Voigts im Studio von NDR 1 Niedersachsen.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sieht auch vor dem Hintergrund steigender Corona-Infektionszahlen keinen Grund für eine verordnete Maskenpflicht im Schulunterricht. Man habe dies schon vor Beginn der Sommerferien so vorgesehen. Tonne verwies auf pädagogische Gründe. "Das Lernen hängt ganz wesentlich davon ab, dass man sich sieht. Da wäre eine Maske aus sehr vielen Gründen kontraproduktiv", sagte der Minister am Dienstagabend auf NDR 1 Niedersachsen, wo er Fragen der Hörerinnen und Hörer beantwortete.

Tonne: Beobachten aktuelle Entwicklung

Niedersachsen plant seit Längerem einen "eingeschränkten Regelbetrieb" mit vollen Klassen und Hygieneplan. Tonne sagte, dass man die Entwicklung weiter tagesaktuell beobachten werde und darauf reagieren könne - etwa in Form der bereits vor den Sommerferien genannten verschiedenen Szenarien. Er betonte zudem, dass man die Zeit genutzt habe, um sich vorzubereiten.

"Sichere Schule" ist möglich

Der Minister wehrte sich gegen aufgekommene Kritik. Er teile nicht die Ansicht, "dass wir da in ein Chaos hineinlaufen". Tonne sprach von einem Spagat zwischen dem Infektionsschutz und dem Recht auf Bildung. Er sei aber überzeugt, dass "sichere Schule" möglich sei. Unter anderem der niedersächsische Städtetag hatte die Pläne des Ministeriums zuvor kritisiert.

Mehr als 1.000 Zuhörer melden sich mit Fragen

Das Interesse an der multimedialen Serviceaktion von NDR 1 Niedersachsen und den Fernsehmagazinen Niedersachsen 18:00 und Hallo Niedersachsen war enorm. Via NDR Niedersachsen App und per Telefon gingen rund 1.300 Fragen und Anrufe ein. Viele Eltern, Schüler, Lehrer und Schulleiter beteiligten sich an der knapp 90-minütigen Call-in-Sendung. Themen waren unter anderem die Hygienesituation in den Schulen sowie die Corona-Schutzmaßnahmen. Aber nicht nur das.

Rückkehrer aus Risikogebieten: Ohne Test keine Schule

Ein Vater aus Braunschweig beklagte sich etwa über die Gefahr durch Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die womöglich am Mittwoch zurückkehren und am Donnerstag in der Schule auftauchen könnten. Tonne betonte, dass dies so nicht ginge. Ein negativer Corona-Test sei unter diesen Umständen zwingend notwendig. "Wer erst am letzten Tag aus solch einem sensiblen Bereich zurückkommt, für den ist klar: Das wird nichts mit Donnerstag in die Schule gehen", sagte der Minister. Dies sei keine nette Bitte, sondern klar geregelt - auch mit Bußgeldern.

Tonne verweist auf Härtefallregelungen

Emotional wurde es beim Anruf einer Mutter, die um das Leben ihrer Tochter fürchtet. Die bald Siebenjährige sei Risikopatientin und seit Februar zu Hause, das Amt zwinge sie aber zur Schule zu gehen. "Ich habe Angst, dass sie stirbt", sagte die Frau unter Tränen. Tonne verwies auf vorhandene Härtefallregelungen, denen zufolge Schüler, die zur Risikogruppe gehören, zu Hause bleiben dürfen. Zudem betonte der Minister, dass es eine Schulpflicht, aber keine Schulbesuchspflicht gebe - das Kind also zu Hause bleiben könne.

Wie hoch ist die Infektionsgefahr in Schulbussen?

Auch die Infektionsgefahr auf dem Schulweg war Thema. Eine ehemalige Schulleiterin aus Hannover sprach die zu erwartende zu enge Situation in den Schulbussen an. Tonne sagte, dass dort an mehreren Stellen für Entlastung gesorgt sei. Neben der in Bus und Bahn geltenden Maskenpflicht könnten die Schulen in einem gewissen Rahmen den Unterrichtsbeginn zeitlich verlagern – um so die Situation möglichst zu entzerren, so Tonne. Darüber hinaus hätten die Verkehrsbetriebe versichert, möglichst viele Busse einzusetzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 25.08.2020 | 18:00 Uhr

Eine Frau zeigt ein Stäbchen für einen Nasenabstrich für einen Schnelltest auf Sars-CoV-2 © dpa picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

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