Zwei junge Sportlerinnen des Vfl Pinneberg präsentieren einen Comic. © NDR Foto: Finn Ole Martins

Ein Comic als Schutzschild beim VfL Pinneberg

Stand: 29.12.2020 06:00 Uhr

Der VfL Pinneberg hat im Jahr 2020 den Comic "Stopp! Nicht mit mir" herausgebracht - der Kinderschutz wird im Verein seit Jahren gefördert.

von Finn-Ole Martins

Nele und Mieke Bruhn stehen im Sportzentrum des VfL Pinneberg vor einer Ampel. Die beiden Schwestern, zwölf und zehn Jahre alt, spielen beim VfL Fußball. Aber warum steht mitten im Haus eine Ampel? "Wir kennen sie noch nicht", stellt Nele klar. Kein Wunder, denn normalerweise wird sie in Workshops für Kinder und Jugendliche im Verein verwendet. Sie soll ihnen vor Augen führen, welche Regeln im Umgang untereinander und mit Trainerinnen und Trainern erlaubt sind.

Grün ist okay, Rot ist verboten

Jana Glindmeyer und zwei Sportlerinnen des Vfl Pinneberg stehen neben einer Ampel. © NDR Foto: Finn Ole Martins
Jugendwartin Jana Glindsmeyer zeigt Nele Bruhn (Mitte) und Mieke Bruhn (Rechts) die Ampel, die die Umgangsformen und Regeln im Verein anzeigt.

"Die Jugendlichen haben sie selbst definiert", erklärt Uwe Hönke. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins greift hinter die Ampel und knipst die Lichter an. Neben den rot, gelb und grün leuchtenden Lampen hängen Pappschilder. Auf ihnen sind die Regeln innerhalb des Vereins aufgelistet. Die Wichtigste: "Stopp" sagen! "Das dürfen und sollen die Kinder sagen, sobald sie sich beim Training unwohl fühlen", sagt die Kinderschutzbeauftragte des Vereins, Jana Glindmeyer. "Dürfen die Trainer die Mannschaft zum Duschen schicken? Was passiert, wenn ein Übungsleiter in die Kabine platzt? All diese Fragen wurden in die Kategorien Grün, Gelb und Rot eingeordnet." Die Farbe Grün symbolisiert Taten, die in Ordnung sind; Rot gilt als verboten.

Comic für mehr Kinderschutz

Im Jahr 2020 haben Glindmeyer und der VfL das Thema Kinderschutz noch breiter aufgestellt. Während die Ampel schon seit einigen Jahren zur Verwendung kommt, produzierte der Verein in diesem Jahr einen Comic, der vor allem an die jüngeren Mitglieder im Verein verteilt wurde. Unter dem Titel "Stopp! Nicht mit mir" sind darin Szenen aus dem Vereinsalltag dargestellt. "Vom Umziehen in der Kabine bis hin zu Beleidigungen auf dem Sportplatz: Es gibt immer wieder Situationen, in denen Kinder sich unwohl fühlen. Dann müssen sie Stopp sagen! Das wollten wir ihnen hiermit klarmachen", fasst die Kinderschutzbeauftragte zusammen.

"Die Kinder haben es super angenommen", blickt der stellvertretende Jugendwart Olaf Mai auf den Erscheinungstag zurück. "Unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown im März haben wir das Heft verteilt, daraufhin wurde beim Training erst einmal gelesen." Und das nicht nur beim Fußball: 2.051 Kinder und Jugendliche trainieren insgesamt beim VfL Pinneberg in 17 Abteilungen.

Comic holt "Sterne des Sports" nach Pinneberg

Zwei junge Sportlerinnen des Vfl Pinneberg präsentieren einen Comic. © NDR Foto: Finn Ole Martins
Die Fußballerinnen Nele Bruhn (links) und Mieke Bruhn (rechts) sind vom Comic "Stopp! Nicht mit mir" begeistert.

"Ich bin sehr froh, dass es dieses Engagement gibt", stellt Wiebke Bruhn klar. Die Mutter von Nele und Mieke berichtet, dass der Comic zu Hause auf einer Kommode liegt und immer griffbereit ist. Dass das Anliegen ein wichtiges gesellschaftliches Thema behandelt, wurde auch in der Öffentlichkeit deutlich. Der Comic gewann den Vereinswettbewerb "Sterne des Sports" zunächst auf lokaler, dann auf landesweiter Ebene. Der Deutsche Olympische Sportbund kürt dabei gesellschaftliche und soziale Projekte. "Das ist die wichtigste Breitensport-Auszeichnung, die man gewinnen kann", ist der zweite Vorsitzende Uwe Hönke sichtlich stolz: "Da hat das gesamte Team hervorragende Arbeit geleistet." Nun vertritt der VfL Pinneberg das Land Schleswig-Holstein auf bundesweiter Ebene und kämpft um den goldenen Stern des Sports. Die Ehrung findet am 18. Januar 2021 statt - erstmals nicht in Berlin, sondern digital. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zugeschaltet. Der VfL selbst ist gleich doppelt nominiert: Beim Publikumspreis gehört Jana Glindmeyer ebenfalls zu den Nominierten.

Schon die Ehrung auf landesweiter Ebene in Neumünster war besonders. Aufgrund der Corona-Auflagen waren Anfang Dezember nur die besten drei Vereine anwesend. Glindmeyer verfolgte die Veranstaltung vom heimischen Sofa, nach der Geburt ihres Kindes war sie erst am Tag der Verleihung aus dem Krankenhaus entlassen worden. "Da war ich natürlich doppelt glücklich. Aber auch sehr überrascht, wie weit wir es geschafft haben."

VfL Pinneberg will vorbeugen

Seit 2015 hat sie sich im Verein dem Kinderschutz verschrieben. Damals habe sie sich bei "Aktiv im Kinderschutz" informiert, der Initiative des Landessportverbandes. "Wir machen es präventiv. Wir wollten nicht warten, bis es einen schlimmen Mobbing-Fall oder sexualisierte Gewalt gibt, sondern vorbeugen. Damit dies einfach nie geschieht", sagt Uwe Hönke. "Als Verein haben wir eine Verantwortung, die leben wir vor." Das haben auch Nele und Mieke verinnerlicht. Die Schwestern haben vereinbart, bei problematischen Situationen sich auch gegenseitig zu helfen. "Sollte jemand im Training etwas Schlimmes sagen, erzählen wir uns das zu Hause." Und ein Blick in den Comic hilft dann, um zu wissen, was beim Training zu tun ist: "Stopp" sagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 02.12.2020 | 19:30 Uhr

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