Stand: 13.12.2018 13:56 Uhr

Zoo Osnabrück finanziell am Limit

Der Förderkreis des Zoos Osnabrück wirbt bei der Stadt um mehr finanzielle Unterstützung.

Der Zoo Osnabrück hat vieles, wovon andere Zoos nur träumen können: Mehr als eine Millionen Besucher kamen 2017, rund 200 Sponsoren bringen sich ein, und in europäischen Zoo-Rankings belegt der 1936 eröffnete Tierpark regelmäßig vordere Plätze. Dennoch ist der Zoo am Schölerberg nun finanziell am Limit. Beim Förderkreistreffen im Osnabrücker Rathaus baten die Verantwortlichen die Stadt von 2020 an um einen jährlichen Zuschuss von 500.000 Euro.

Eine außergewöhnlich hohe Eigenfinanzierungsquote

"Der Zoo Osnabrück hat alles getan, was geht, um schwarze Zahlen zu schreiben. Doch trotz einer kreativen und ausgefeilten Unternehmensstrategie mit hohen Besucherzahlen, hohem Sponsoring- und Fundraising-Erlösen sowie geringen Personal- und Energiekosten verhindern die Abschreibungen in Höhe von zwei Millionen Euro jährlich eine positive Bilanz", resümiert Joachim Dallwig, Mitglied im Finanzbeirat des Zoo. Der Zoo könne stolz sein auf seine im Bundesvergleich außergewöhnlich hohe Eigenfinanzierungsquote, aber komplett aus sich heraus könne er sich nicht finanzieren."

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Erst vor wenigen Wochen kamen diese Servalkatzen im Zoo Osnabrück zur Welt.
Zoos nicht aus sich heraus rentabel

Das unterstrich auch Zoogeschäftsführer Andreas Busemann. "Wir müssen die Elefantenanlage vergrößern, da sich die Haltungsvorgaben verändern. Das wird etwa sechs Millionen Euro kosten, das können wir nicht alleine stemmen – trotz einer Million Besucher, knapp 200 Sponsoren und zahlreicher Events, die wir für zusätzliche Einnahmen realisiert haben." Zoos seien einfach nicht aus sich heraus rentabel. Das zeige die Tatsache, dass nicht jede Stadt sich einen Zoo leistet sowie die kommunale Bezuschussung zahlreicher Zoos. So werde beispielsweise der Zoo Hannover mit circa 3 Millionen Euro jährlich und 35 Millionen Euro für Investitionen unterstützt, und auch der benachbarte Zoo in Münster erhalte demnächst 4,8 Millionen Euro jährlich plus 20 Millionen Euro Investitionszuschüsse. In der Tat hat der Zoo Hannover mit Ausnahme des Jahres 2014 in der Vergangenheit Jahr für Jahr Verluste eingefahren. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet, betrug das Minus in Hannover 2017 rund 2,6 Millionen Euro. Damit habe sich der Verlust gegenüber dem Jahr 2016 mehr als verdreifacht. Auch der Zoo-Hannover-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff betont, ein Zoo sei immer ein Zuschussgeschäft, ein Kostendeckungsgrad von 100 Prozent nicht erreichbar.

Zoo bietet der Stadt im Gegenzug eine höhere Beteiligung an

Busemann betonte, mit dem Zuschuss bleibe man moderat und wolle auch keinen Paradigmenwechsel einläuten. "Wir werden weiterhin Vollgas geben im Zoo. Wir brauchen aber Unterstützung, damit wir das große Bauprojekt umsetzen und die letzten Schwachstellen beseitigen können sowie um mittelfristig die viel zu geringe Eigenkapitaldecke zu stärken. Investieren wir nicht, werden uns anderen Zoos überholen." Zoopräsident und Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Sliwka stellte der Stadt für die zusätzliche Unterstützung Entgegenkommen von Seiten des Zoovereins in Aussicht: "Wenn die Stadt uns unter die Arme greift und wir den Zoo weiter verbessern können, können wir im Gegenzug der Stadt eine größere Beteiligung an der GmbH anbieten". Die Beteiligung liege aktuell bei 5 Prozent und könne auf 25 Prozent erweitert werden.

Britischer Zooexperte lobt Entwicklung des Tierparks

Davon, dass der Zoo Osnabrück die Unterstützung der Stadt verdient hat, ist auch Anthony Sheridan überzeugt. Der britische Zooexperte untersucht seit 2009 Zoos in Europa und stellte seitdem fünf Rankings auf. In früheren Bewertungen war der 23,5 Hektar große im Wald gelegene Osnabrücker Zoo mit seinen 2.656 Tieren aus 298 Arten europaweit unter die Top drei gekommen. In diesem Jahr, da er die Millionen-Marke an Besuchern geknackt hat und sich mit der Vergleichsgruppe der großen Zoos messen lassen muss, die in der Regel kommunale Unterstützung genießen, kommt der Zoo Osnabrück in Deutschland auf Platz 10 von 33 und europaweit auf Platz 22 von 30. "Es ist wirklich bemerkenswert, dass sich der Zoo Osnabrück trotz so niedriger Zuschüsse so großartig entwickelt hat. Ohne das Sponsoring-Engagement und die Finanzierungsstrategie wäre der Zoo heute nicht unter den Top 10 der deutschen Zoos. Deswegen verdient er mehr Unterstützung durch die Kommune, damit er sich gut weiter entwickeln kann", betonte Sheridan.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.12.2018 | 17:00 Uhr

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