Stand: 27.02.2019 15:08 Uhr

Missbrauch: Bischof prüft "systemische Probleme"

So sieht das Konzept des Bistums Osnabrück im Umgang mit sexueller Gewalt aus. Für die einzelnen Bereiche sind jeweils Mitarbeiter der Diözese und externe Fachleute verantwortlich.

Nach dem Missbrauchsgipfel im Vatikan hat Bischof Franz-Josef Bode ein eigenes Konzept für das Bistum Osnabrück vorgestellt. Es ist das erste einer deutschen Diözese. Bode will dabei auch grundsätzliche "systemische Probleme" in der Kirche angehen. In einer von ihm geleiteten Arbeitsgruppe solle etwa das Priesterbild an sich infrage gestellt werden. Der Umgang mit sexueller Gewalt im Bistum wird zudem auf vier Säulen gestellt: Prävention, Intervention, Verantwortung für Betroffene sowie Sanktionierung und Kontrolle von Tätern und Beschuldigten. Für jeden Bereich sind demnach Mitarbeiter der Diözese und externe Fachleute wie Mediziner und Juristen verantwortlich. Letztere sollen die Umsetzung der Maßnahmen kontrollieren und steuern. Dadurch sollten falsche Rücksichtnahmen oder Abhängigkeiten bei der Aufklärung verhindert werden, sagte Bode am Mittwoch in Osnabrück.

Bischof Franz-Josef Bode.

Bistum Osnabrück geht neue Wege gegen Missbrauch

Hallo Niedersachsen -

Der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, will mit einem neuen Konzept und externen Fachleuten das Problem sexueller Gewalt in der Kirche angehen. Wie kommen seine Vorschläge an?

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Zölibat und Macht: Bode stellt Priesterbild infrage

Bei der Aufarbeitung "systemischer" Fragen geht es Bode zufolge um den Umgang mit Macht, mit Beziehungen, Sexualität und moraltheologischen Prinzipien. "Es muss auch um das Priesterbild als solches gehen." Oft sei es unglaublich in die Höhe gesetzt worden, weshalb viel geschwiegen worden sei. Wichtig sei auch der Zusammenhang zwischen zölibalitärer Lebensform und "einem Dunstkreis, in dem sich vielleicht etwas Negatives entwickeln kann", ergänzte der Bischof. Er betonte darüber hinaus, dass es nicht nur um sexuellen Missbrauch, sondern auch um geistlichen Missbrauch gehe, bei denen Kleriker ihre Machtposition ausgenutzt hätten.

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57:26

Bischof stellt Konzept gegen Missbrauch vor

Bischof Franz-Josef Bode hat ein Konzept zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück vorgestellt. Die Pressekonferenz sehen Sie hier in voller Länge. Video (57:26 min)

Prävention und Intervention werden verstärkt

In puncto Prävention sei das Bistum durch die Berufung von Beauftragten, durch Schulungen an Kitas und Schulen, von Priestern und Mitarbeitern sowie durch Gesetze bereits gut aufgestellt, so Bode weiter. Das bestätigten auch externe Fachleute. Dennoch werde auch dieser Bereich zukünftig personell verstärkt und noch besser kontrolliert. Im Bereich der Intervention gebe es ein etabliertes Verfahren. Doch auch hier solle es für Betroffene zusätzliche externe Ansprechpartner geben, eine Frauenärztin und einen Juristen.

Bischof will sich Expertenrat fügen

Auch bei der Frage nach dem Umgang mit Tätern habe der Opferschutz oberste Priorität. Bei der Sanktionierung von Beschuldigten und Tätern arbeiten neben dem Generalvikar eine Staatsanwältin, ein ehemaliger Rechtsanwalt, ein Bewährungshelfer sowie ein früherer Personalchef zusammen, kündigte Bode an. Ihrer Empfehlung über einen weiteren Einsatz beschuldigter Geistlicher innerhalb der Kirche werde er folgen, sagte der Bischof. Diese Entscheidung wolle er nicht alleine treffen.

Konzept "guter Anstoß" für Bischofskonferenz

Das Konzept schlage "eine Schneise ins bisherige System" und solle auch der "berechtigten Ungeduld" vieler Menschen im Nachgang zum großen Anti-Missbrauchsgipfel Rechnung tragen. Mit Blick auf die Bischofskonferenz vom 11. bis 14. März in Lingen sagte Bode, dass ein konkretes Konzept wie das seiner Diözese ein "guter Anstoß" sein könne. Die Bischöfe würden bei ihrem Treffen die Einrichtung einer kirchlichen Strafgerichtsbarkeit beschließen. Dann müssten Sanktionen wie die Entlassung aus dem Klerikerstand für einen schuldig gewordenen Priester nicht mehr in Rom entschieden werden.

84 Missbrauchsopfer und 36 Beschuldigte im Bistum Osnabrück

Jüngst hatte das Bistum Osnabrück bekannt gegeben, dass es seit Jahresbeginn sechs neue Fälle im Zusammenhang mit einem heute 85-jährigen Priester gebe. Die Zahl der Vorwürfe gegen den Mann hat sich mit den neuen Fällen auf 16 erhöht. Bekannt geworden war der Skandal im Dezember 2018. Stand damals: Der inzwischen pensionierte Priester hat zwischen den 60er- und 90er-Jahren mindestens drei Kinder sexuell missbraucht. Inzwischen haben sich 16 Betroffene aus den Orten Merzen, Rhede, Twist und Dalum gemeldet. Juristisch kann der 85-Jährige für die Übergriffe nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, die Vorwürfe sind strafrechtlich verjährt. Das Bistum selbst strengt ein kirchenrechtliches Verfahren mit dem Ziel der Entlassung des Verdächtigen aus dem Klerikerstand an. Diese Entscheidung obliegt der Glaubenskongregation des Vatikans. Insgesamt sind 84 Missbrauchsopfer und 36 Beschuldigte im Bistum Osnabrück bekannt.

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Havliza fordert Bistümer zu Kooperation auf

18.10.2018 17:00 Uhr
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Für Ermittlungen brauchen Staatsanwaltschaften konkrete Anhaltspunkte, betont Barbara Havliza. Die Bistümer sollten entsprechende Unterlagen zur Verfügung stellen, so die Justizministerin. Video (01:40 min)

Hildesheimer Bischof will Strukturen in Kirche ändern

Bischof Bode und sein Amtskollege Heiner Wilmer aus dem Bistum Hildesheim sprachen sich jüngst für eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle durch externe Experten aus. Wilmer, der Vorsitzende von Deutschlands drittgrößtem Bistum, sagte zum Auftakt einer Dialogreihe in Hannover, dass Männerbünde und Binnenzirkel aufgebrochen werden müssten. Die Zeit, in der die Kirche von oben nach unten agiere, sei vorbei. Die Gläubigen müssten von Beginn an auf der Suche nach Wegen und Lösungen beteiligt werden, sagte der Bischof vor 500 Gästen in der Basilika St. Clemens. Aus dem Bistum Hildesheim sind bislang mehr als 150 Opfer und 46 beschuldigte Priester bekannt.

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Missbrauch: Bode räumt erneut "ernste Fehler" ein

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.02.2019 | 16:00 Uhr

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