Der Eingangsbereich des Hospiz' in Osnabrück. © NDR Foto: Marion Feldkamp

Hospizarbeit während Corona: Zwischen Nähe und Abstand

Stand: 22.11.2020 08:32 Uhr

Nicht nur in Krankenhäusern oder Pflegeheimen sorgen die Corona-Schutzauflagen für einen veränderten Alltag. Auch die rund 30 Hospize im Land müssen ihre Handhabung an die Situation anpassen.

von Marion Feldkamp

Bei manchen Einrichtungen gibt es zurzeit mehr Anfragen von Menschen, die ihre ihnen noch verbleibende Lebenszeit in einem Hospiz verbringen möchten. Denn schließlich sind die Besuchsregelungen dort nicht so streng wie in anderen Einrichtungen. Im Osnabrücker Hospiz haben die Verantwortlichen zum Beispiel festgelegt, dass die Gäste - so werden Bewohner der Einrichtungen auch genannt - noch Besuch von Angehörigen oder Freunden bekommen können.

Bewohner können sich ohne Schutzmaske frei bewegen

Stefanie Schulte (links) und Maria Nesemeyer vom Verein Lebensfreude in Bad Laer. © NDR Foto: Marion Feldkamp
Stefanie Schulte (links) und Maria Nesemeyer vom Verein Lebensfreude in Bad Laer.

Wenn jemand ins Hospiz einzieht, werden einige, enge Zugehörige benannt, die danach jederzeit kommen können. Diese müssen einen Mund-Nasenschutz tragen, während die Gäste sich ohne Maske im Haus frei bewegen dürfen. "Wir wollen es den Menschen auch jetzt so angenehm und häuslich wie möglich machen", sagt Irina Mainka. Sie ist in Osnabrück Pflegedienstleiterin. Auch Stadtgänge oder Einkaufsbummel machen die Pflegekräfte dort weiterhin mit den Bewohnern. 

Weihnachtsfest wird diesmal anders

Etwas Sorge macht Mainka das anstehende Weihnachtsfest. Normalerweise gibt es einen ökumenischen Gottesdienst mit rund 30 Personen. Das würde in diesem Jahr wohl nicht mit so vielen Menschen möglich sein. Trotzdem: Schon jetzt organisieren die Pfleger, so gut es geht, gemeinsame Nachmittage oder Abende für ihre elf Gäste.

Ambulante Hospizarbeit läuft weiter

In der ambulanten Hospizarbeit versuchen die Vereine die Besuche zu Hause bei jemandem, der schwer erkrankt ist, möglichst weiterzuführen. In Bad Laer im Landkreis Osnabrück sind die Ehrenamtlichen vom Verein Lebensfreude bemüht, ihre Kontakte aufrecht zu erhalten. Edith Pototschnik zum Beispiel ist 82 Jahre alt und hat vor Kurzem ihren Mann verloren. Dort war Stefanie Schulte, als gelernte Palliativ-Schwester, schon begleitend tätig, als Ehemann Janis noch lebte. Auch jetzt kommt sie regelmäßig bei der alleinstehenden Frau vorbei und redet mit ihr.

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Angehörige Verstorbener werden weiter betreut

Die Trauerarbeit von Zugehörigen ist in Bad Laer ein Aufgabenfeld, das den rund 60 Vereinsmitgliedern wichtig ist. Maria Nesemeyer hat den Verein Lebensfreunde vor rund zwei Jahren ganz langsam aufgebaut. Sie hat sich weitergebildet und Mitstreiter gesucht. Im südlichen Teil des Landkreises Osnabrück gab es bis dahin kaum Angebote für Menschen, die bald sterben werden oder für ihre Familien. Bei den Hausbesuchen tragen die Vereinsmitglieder Schutzmasken, es wird gelüftet und der Abstand eingehalten.

Vereine haben kaum Möglichkeiten Spendengelder zu sammeln

Was den Vereinen landesweit in Niedersachsen jetzt fehlt, sind Anlässe, um Spenden zu sammeln. Es finden keine Veranstaltungen statt, bei denen das möglich ist. Deshalb blicken die Initiativen etwas besorgt ins nächste Jahr. Die Finanzmittel seien dringend notwendig, heißt es beim Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung in Celle. Dort hofft die Geschäftsleitung darauf, dass bald wieder Märkte oder Volksfeste stattfinden dürfen, damit keiner der Vereine in Finanznot gerät.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 22.11.2020 | 19:30 Uhr

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