Stand: 23.04.2018 13:01 Uhr

Arbeiten im Home Office

von Susanne Schäfer, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Die Arbeit und den privaten Alltag unter einen Hut zu bringen - das ist manchmal gar nicht so einfach. Internet, Handy und andere digitale Techniken haben neue Arbeitsräume geschaffen - auch zu Hause. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Beschäftigten Home-Office-Möglichkeiten an - zum Beispiel die Software-Firma Salt and Pepper aus Osnabrück. Familienvater David Hahn nutzt sie.

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Die ganze Familie von David Hahn profitiert davon, dass er auch zu Hause arbeiten kann.

An Home-Office-Tagen arbeitet David Hahn vormittags in Ruhe zu Hause. Ab mittags ist er voll und ganz Papa; er holt seine Söhne Damian und David von der Grundschule und von der Tagesmutter ab. Seine Frau Tatjana Hahn ist dankbar, dass ihr Mann trotz 40-Stunden-Stelle bei Salt and Pepper viele Freiheiten genießt. Sie ist Rechtsanwaltsgehilfin und arbeitet an zwei Tagen in der Woche insgesamt zehn Stunden. Sie findet, dass das sehr gut klappt: "Wenn mein Mann nicht so flexibel wäre, könnte ich gar nicht arbeiten. Das ist natürlich ein Pluspunkt."

Arbeiten bis spät in den Abend

David Hahn muss sich nur mit seinen Kollegen abstimmen - selten auch mit Kunden. Sonst kann er sich seine Arbeitszeit völlig frei einteilen. Vorgesetzte fragen oder gar einen Antrag schreiben, das muss er nicht.

Manchmal arbeitet er auch morgens im Büro bei Salt and Pepper, kümmert sich mittags um die Kinder, bevor er sich abends noch mal zu Hause an den Schreibtisch setzt. Das alles erleichtere den Familienalltag, sagen David und Tatjana Hahn übereinstimmend. 

Entspannend sind die Home-Office-Tage für den 35-jährigen Software-Entwickler aber nicht: "Körperlich ist Home Office anstrengender, weil es ein langer Tag ist. Man arbeitet erst ein paar Stunden bis Mittag, macht dann was mit der Familie, und arbeitet dann bis spät in den Abend."

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Arbeitszeitberater Andreas Hoff findet feste Home-Office-Tage nicht gut. Bei gegebenen Anlässen sollte man sie aber schon nutzen können.

Dieses Problem kennt auch Andreas Hoff, der seit mehr als 30 Jahren Unternehmen und Betriebsräte bei der Arbeitszeitgestaltung berät. "Kinderbetreuung ist ja nicht unbedingt Ruhezeit, wie vielleicht gedacht wird. Wenn man sagt, man arbeitet erst sechs Stunden im Betrieb, betreut dann sieben Stunden die Kinder und arbeitet noch mal drei Stunden hinten dran. Irgendwann hört es für mich wirklich auf", sagt Hoff.

Der Arbeitszeitberater ist gegen feste Home-Office-Tage, findet es aber wichtig, dass Unternehmen generell solche Arbeitsmodelle ermöglichen: "Wenn zum Beispiel jemand zu Hause einen Handwerker erwartet, und nicht genau weiß, wann der kommt, würde er sich sonst vermutlich einen Gleittag nehmen. Aber er könnte ja auch genauso gut von zu Hause aus arbeiten."

Ohne Disziplin geht's nicht

Home Office erfordert Disziplin, weiß David Hahn. Zu Hause sein und trotzdem in Ruhe arbeiten zu können - das sei manchmal eine große Herausforderung: "Wenn das normale Telefon klingelt, gehe ich meistens nicht ran, denn wenn ich auf der Arbeit wäre, würde ich ja auch nicht rangehen. Aber wenn es an der Tür klingelt, geht man eher hin. Dann steht der Opa vor der Tür und freut sich, dass ich zu Hause bin und hält einen Brief von der Rentenversicherung in der Hand, den ich mir mal anschauen soll. Dann muss ich sagen: 'Nein, jetzt nicht.'"

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 23.04.2018 | 07:41 Uhr

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