Stand: 21.07.2018 15:41 Uhr

Kinder im Freibad: Eltern gucken lieber aufs Handy

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Eltern, die mehr aufs Handy schauen, machen den Schwimmmeistern das Leben schwer.

Mit dem Handy am Rand und dem Kind im Schwimmbecken: Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) sieht eine bedenkliche Entwicklung in den Bädern im Land. "Einige Eltern schauen mehr auf ihr Smartphone als auf ihre Kinder im Wasser", sagte Mario Schaeffer NDR.de. Er steht seit 43 Jahren selbst am Beckenrand, ist Präsident des Landesverbands und auf Bundesebene ist er Vize hinter Präsident Peter Harzheim. Der hatte sich zuerst in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) zu dem Thema geäußert.

Auch mal eine "unangenehme Ansprache"

Eltern, die ihre Aufsichtspflicht verletzen, weil sie sich etwa mehr die Sozialen Medien kümmern als um ihren Nachwuchs, seien immer wieder zu beobachten, sagt Schaeffer. Sie seien zwar nicht die Mehrheit, aber durchaus mehr geworden in den vergangenen Jahren. "Sie machen uns das Leben nicht leichter." Wenn er eine solche Situation beobachtet, dann käme schon einmal vor, dass er eine Ansprache halte. "Das empfinden manche schon als unangenehm." Doch es sei wichtig, die Erziehungsberechtigten auf ihre Verhalten aufmerksam zu machen.

"Ein Auge auf die Kinder haben"

In der Sommersaison kommt es regelmäßig zu Unfällen mit Kindern in Schwimmbädern oder Badeseen. Erst zu Beginn der Woche war ein siebenjähriger Junge im Silbersee bei Hannover beinahe ertrunken. Einen Zusammenhang zwischen dem elterlichen Griff zum Smartphone und Badeunfällen will Schaeffer nicht pauschal sehen - so etwas ließe sich ja schließlich nur schwer feststellen. So oder so würde er sich wünschen, dass die Eltern einfach ein Auge auf ihre Kinder hätten. Gerade wenn sie noch nicht richtig schwimmen können. Das sei im Übrigen ein weiterer Trend, so Schaeffer. "Weniger Kinder können richtig schwimmen." Darunter auch Flüchtlingskinder, die in ihrer Heimat häufig gar nicht die Möglichkeit gehabt hätten, es zu lernen. Laut Bundesverbands-Präsident Harzheim kann knapp die Hälfte der Fünftklässler nicht sicher oder gar nicht schwimmen.

"Wir schicken sie nach Hause"

"Wir haben Erfahrung und das ganze Areal im Blick", doch die Eltern sind ebenfalls in der Verantwortung. Dass manche ihre Kinder, die nicht schwimmen können, allein ins Freibad schicken, kann er nicht verstehen. "Diese Kinder müssen wir an der Tür schon nach Hause schicken", sagte Schaeffer, der neben seiner Verbandsfunktion auch Betreiber des Wiefelsteder Freibad (Landkreis Ammerland) ist.

20.000 Schwimmmeister in Deutschland

Laut Schaeffer gibt es bundesweit rund 20.000 Schwimmmeister. Bis zu 3.500 von ihnen sind im Bundesverband organisiert. In Niedersachsen hat der Verband rund 550 Mitglieder. Zum Beginn der Freibad-Saison fehlten in Deutschland rund 2.500 Fachkräfte. Das teilte der BDS im Mai mit. Die 330 Freibäder in Niedersachsen stellt das vor ein Problem.

Weitere Informationen

Niedersachsen gehen die Schwimmmeister aus

In vielen Freibädern in Niedersachsen mangelt es an Schwimmmeistern. Kommunen setzen auf Ersatzlösungen, doch diese bringen nicht die gleichen Qualifikationen mit. (12.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 18.07.2018 | 15:01 Uhr

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