Stand: 10.12.2014 21:40 Uhr

Chemie-Nobelpreis für Stefan Hell

Vor den Augen seiner Familie ist am Mittwoch der Göttinger Forscher Stefan Hell in Stockholm mit dem Chemie-Nobelpreis geehrt worden. Der 51-jährige Wissenschaftler nahm die Auszeichnung von Schwedens König Carl XVI. Gustaf entgegen. Hell, der ein Drittel des Preisgeldes von umgerechnet rund 860.000 Euro bekommt, forscht am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Mikroskope zeigen "innerste Geheimnisse des Lebens"

Gemeinsam mit den US-Forschern Eric Betzig und William Moerner erhielt Hell den Preis für die Entwicklung der hochauflösenden Fluoreszenz-Mikroskopie. Hell hat Lichtmikroskope konzipiert, die Einblick in lebende Körperzellen gewähren. Diese Erfindung mache es möglich, die "innersten Geheimnisse des Lebens abzubilden", heißt es von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften.

Berühmtheit ist Hell nicht geheuer

Seit im Oktober bekannt wurde, dass er sich nun Nobelpreisträger nennen darf, muss der 51-jährige Stefan Hell sich an seine neue Prominenz gewöhnen. In Göttingen werde er erkannt oder höre auf der Straße andere über ihn sprechen. Für ihn, den Kollegen als bescheiden und bodenständig beschreiben, sei das eher unangenehm. Die Wissenschaft stehe im Vordergrund, für sie wolle Hell weiterhin genügend Zeit haben. Deshalb nimmt er auch längst nicht alle der vielen Einladungen an, die ihm seit der Verkündung der Preisträger ins Haus flattern, wie er sagt: "Das hat seither drastisch zugenommen. Vieles sage ich einfach ab. Ich muss ja weiter meine Arbeit machen."

Preisträger bleibt in Göttingen - und auf dem Boden

Natürlich häufen sich auch die Abwerbeversuche anderer Institute. Doch Hell will in Göttingen am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie bleiben. Er ist Direktor des Instituts und leitet die Abteilung Nano-Biophotonik. Die Arbeitsbedingungen seien hervorragend, lobt Hell: "Die Max-Planck-Gesellschaft ist - wenn man einen Fußballvergleich wählt - ein Club, der in der Champions League spielt." Hier habe er die besten Möglichkeiten. Deutlich mehr Wissenschaftler hätten diese Möglichkeiten selbst gern - vor allem die, mit Hell zusammenzuarbeiten. "Es gibt Leute, die denken, wenn ich bei einem Preisträger arbeite, erhöht das die eigenen Karriere-Chancen, also bewerbe ich mich da", erklärt der Forscher. Er hoffe, dass der Nobelpreis nicht im Gegenzug auch talentierte Wissenschaftler abschrecke, die sich nun nicht mehr trauten, sich bei ihm zu bewerben.

Ein weiterer Wunsch des Vollblut-Forschers: "Mein Leben normal weiterführen zu können." Er wolle seinen Kindern helfen, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, wie er selbst das auch tue. Der Nobelpreis sei eine große Auszeichnung, er dürfe jedoch nicht das Leben verändern.

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 15.03.2017 | 14:00 Uhr

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