Eine Hand schiebt einen Ordner mit der Aufschrift "COVID-19" zurück in eine Regalreihe. © picture alliance / dpa Foto: Marijan Murat

Hilferuf ans Land: Gesundheitsamt Göttingen ist überlastet

Stand: 29.04.2021 15:48 Uhr

Das Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen ist am Limit. Die Behörde sucht dringend Mitarbeiter für die Kontaktnachverfolgung. Nun soll das Land helfen.

Mit einer sogenannten Überlastungsanzeige hat sich die Behörde ans Land gewandt. Es handele sich dabei um eine Lagebeschreibung und ein Warnsignal, sagte Eckart Mayr, der Leiter des Göttinger Gesundheitsamtes dem NDR in Niedersachsen. Grund ist die angespannte Personallage im Amt.

Videos
Johnny Braun arbeitet im Gesundheitsamt des Landkreises Lüneburg
3 Min

Corona-Kontaktnachverfolgung: Kein leichter Job

Johnny Braun arbeitet im Gesundheitsamt des Landkreises Lüneburg. Täglich versucht er Infektionsketten nachzuvollziehen. 3 Min

Mitarbeiter seit Monaten im Dauerstress

Insgesamt kommt das Gesundheitsamt auf 66 Vollzeitstellen. Rund 115 Menschen arbeiten dort, doch die seien am Limit, so Sozialdezernentin Petra Broistedt (SPD). Die Mitarbeiter kommen den Angaben zufolge einfach nicht mehr hinterher, die Kontakte von Corona-Infizierten zu verfolgen. Aktuell liegt die Inzidenz im Landkreis zwar unter 70, doch die vergangenen Monate mit hohem Infektionsgeschehen hätten an den Kräften gezerrt. Bis zu 30 Kontakte kann das Göttinger Gesundheitsamt laut Mayr pro Tag verfolgen. Allerdings: In diesem Jahr habe es an 52 Tagen mehr als 30 Infizierte gegeben, an einem Tag sogar mehr als 80. Das sei nicht mehr zu bewältigen, sagte Mayr. Seit Oktober seien die Mitarbeiter im Dauerstress und erschöpft. In der Folge sei auch der Krankenstand hoch.

Keine einheitliche Software: Einarbeitung für RKI-Mitarbeiter nötig

Die "Überlastungsanzeige" soll nun ein Schritt raus aus der Situation sein: Das Land Niedersachsen kann dadurch beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin Hilfe beantragen - etwa in Form von Mitarbeitern. Drei sogenannte Containment Scouts, die mögliche Corona-Infektionsketten nachverfolgen sollen, wurden bereits nach Göttingen geschickt. Da es aber keine bundesweit einheitliche Computersoftware für die Gesundheitsämter gibt, müssen die RKI-Mitarbeiter in Göttingen erst eingearbeitet werden. Eine langfristige Lösung sei das nicht, sagte Amtsleiter Mayr. Um die Arbeit zu bewältigen, würden einfach rund zehn Stellen im Gesundheitsamt fehlen.

Weitere Informationen
Eine Hand hält den Impfstoff von Johnson & Johnson. © Picture Alliance Foto: Daiano Cristini / Avalon

Ausgewählte Impfzentren erhalten erstmals Johnson & Johnson

Kommunen mit besonders hohen Inzidenzen wie Salzgitter, Wolfsburg und Peine bekommen mehr Impfstoff. (29.04.2021) mehr

Ein Soldat mit Mundschutz vor einem Computerbildschirm beim Arbeiten im Lagezentrum. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Kommunen fordern stärkere Rolle der Bundeswehr bei Notlagen

Mit Blick auf Pannen bei der Pandemiebekämpfung solle die Bundeswehr dauerhaft im Zivilschutz einbezogen werden. (09.04.2021) mehr

Agnieszka Opiela vom Gesundheitsamt Peine.
3 Min

Corona-Software SORMAS erspart Gesundheitsämtern Arbeit

Entwickelt wurde sie vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Doch nur 140 von 400 Gesundheitsämtern machen mit. (26.01.2021) 3 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 29.04.2021 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Menschen sitzen bei einem Sonderparteitag der AfD Niedersachsen in einer Veranstaltungshalle. © dpa Foto: Moritz Frankenberg

AfD bricht Landesparteitag in Braunschweig ab

Es waren mehr Mitglieder erschienen, als unter den Corona-Auflagen zugelassen waren. Vor der Halle gab es Proteste. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen