Göttingen dankt Einsatzkräften nach Blindgänger-Entschärfung

Stand: 08.10.2021 14:20 Uhr

Insgesamt fällt die Bilanz der Blindgänger-Räumung in Göttingen positiv aus: Vom Fund der Bombe bis zur ihrer Entschärfung dauerte es 14 Stunden. Allerdings hätte es auch schneller gehen können.

Immer wieder hätten sich Menschen im Sperrbezirk aufgehalten und somit den Abschluss der Evakuierung verzögert, kritisierten sowohl Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) als auch Ordnungsdezernent Christian Schmetz (CDU). Insgesamt zogen sie aber eine positive Bilanz der kurzfristigen Räumung. Es habe keine Schäden gegeben, alles sei gut verlaufen, so Köhler. Für eine ähnliche Aktion habe die Stadt das letzte Mal drei Monate Vorlauf gehabt, so der Oberbürgermeister.

20.000 Menschen zurück in ihren Wohnungen

Noch in der Nacht hatten die Göttinger Verkehrsbetriebe nach der Entwarnung Menschen aus den Evakuierungszentren im Felix-Klein-Gymnasium und in der Weender Festhalle mit Bus-Shuttles wieder nach Hause gebracht. Einige Anwohner übernachteten in den Zentren. Dabei handelte es sich vor allem um Familien mit schlafenden Kindern, wie ein Mitarbeiter der Johanniter Unfallhilfe dem NDR in Niedersachsen sagte. Insgesamt waren rund 20.000 Menschen betroffen. Auch zwei Krankenhäuser mussten geräumt werden.

Bahnverkehr läuft wieder normal

Der Zugverkehr normalisierte sich im Laufe des Freitags, nachdem der Göttinger Hauptbahnhof gegen 2 Uhr in der Nacht wieder freigegeben worden war. Während die Züge des Metronom nach Angaben des Unternehmens auf der Strecke Göttingen - Hannover bereits am Morgen regulär fuhren, kam es bei der Deutschen Bahn zunächst noch zu Einschränkungen. Weil der Hauptbahnhof innerhalb des Evakuierungsradius lag, war dieser zuvor gesperrt und der Bahnverkehr durch Göttingen eingestellt worden. Züge im Fernverkehr wurden über Altenbeken in Nordrhein-Westfalen umgeleitet.

Bereich kurz vor Mitternacht evakuiert

Bauarbeiter hatten die 250-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Donnerstagmorgen am Weender Tor entdeckt. Der Krisenstab der Stadt zog in Zusammenarbeit mit Bombenexperten einen 1.000-Meter-Radius um den Fundort. Die Evakuierung der rund 20.000 Anwohnerinnen und Anwohner, darunter rund 130 Patientinnen und Patienten zweier Krankenhäuser, war kurz vor Mitternacht abgeschlossen.

Sprengmeister: "Baggerfahrer hat Glück gehabt"

Experten des Kampfmittelräumdienstes begannen daraufhin ihre Arbeit. Bei den Arbeiten an der Bombe stießen sie allerdings auf ein Problem. Ein Teil des Zünders, der sogenannte Detonator, war sehr stark beschädigt. Deshalb mussten Sprengmeister Thorsten Lüdeke und sein Team den Zünder kontrolliert sprengen. Das habe eine halbe Stunde gedauert, sagte Lüdeke. Und er betonte: Der Baggerfahrer, der bei den Erdarbeiten am Donnerstagmorgen auf den Blindgänger gestoßen war, habe großes Glück gehabt.

Lob für Einsatzkräfte

Oberbürgermeister Köhler lobte die Zusammenarbeit der mehr als 700 Einsatzkräfte: Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei seien gut koordiniert gewesen und das bei wenig Vorlaufzeit. Die Stadt hatte kurzfristig ein Bürgertelefon eingerichtet und in einem Live-Blog über die Entwicklung berichtet. Neben den zwei Evakuierungszentren war für Corona-Infizierte auch eine Notunterkunft eingerichtet worden.

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In Göttingen sind Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg nicht ungewöhnlich. Anfang des Jahres sprengten Experten gleich mehrfach Fliegerbomben. Vor zwei Wochen hat die Stadt bekannt gegeben, dass Fachleute des Kampfmittelräumdienstes und der Stadt rund 80 Verdachtspunkte ausgemacht haben. Zehn Verdachtspunkte liegen demnach nahe bei und unter Häusern. 2010 starben drei Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes Niedersachsen, als ein Blindgänger explodierte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.10.2021 | 12:00 Uhr

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