Stand: 02.03.2016 16:12 Uhr  | Archiv

CeBIT 2016: Schweizerische Zeichen der Zeit

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Swatch-Group-Chef Nick Hayek trägt die Smartwatch "Touch Zero One".

Es liegt geradezu auf der Hand: Swatch - die Smartwatch. Doch der normale Kunde denkt wohl eher immer noch an bunte Plastikuhren statt an schlaue Computer-Chronografen. Dabei waren die Uhrenmacher von Swatch noch mit die schnellsten Schweizer: Als Apple Anfang 2015 seine Smartwatch vorstellte, folgte kurz darauf die "Touch Zero One" von Swatch. Kein besonders eingängiger Name, zudem sieht die Uhr aus, als hätte sie ein Designer in den 1970ern für einen Science-Fiction-Film entworfen. Die Firma von Nick Hayek, der auch auf der Eröffnungsveranstaltung der CeBIT eine Rede halten wird, hat seit Kurzem auch eine Uhr mit Bezahlfunktion im Programm und will weitere Produkte mit neuen Möglichkeiten entwickeln - aber es sollen weiterhin Uhren und keine Computer sein. In einem Interview mit dem schweizerischen "Tagesanzeiger" sagte Hayek: "Ich persönlich möchte nicht, dass meine Blutdruck- und Blutzuckerwerte in einer Cloud oder auf Servern im Silicon Valley gespeichert sind."

Ein unglaublicher Rekord

Nun war Swatch schon immer eher wegen des Designs der Uhren bekannt und nicht wegen der aufwendigen und edlen Mechanik im Innern. Für die Firma ist der Schritt von einer quarzbetriebenen Plastikuhr zu einer mit eingebautem Chip daher nicht so schwer wie zum Beispiel für die schweizerische Traditionsfirma Tag Heuer. Deren in nur 15 Monaten entwickeltes Modell "Connected" sieht von Weitem aus wie eine gewöhnliche analoge Uhr, aber das Zifferblatt ist nur ein Bild auf einem kleinen Computermonitor. Etwa 1.400 Euro kostet der moderne Zeitmesser und damit etwa 1.000 Euro mehr als Apples günstigstes Modell. Nun könnte man meinen, dass Technik-Fans die mit wesentlich mehr Funktionen ausgestatteten Uhren von Apple oder den Android-Konkurrenten anderer Firmen wie zum Beispiel Samsung kaufen und Uhrenliebhaber weiterhin Chronografen mit komplizierter Mechanik. Aber Tag Heuer selbst vermeldete einen unglaublichen Rekord: Die "Connected" sei die erfolgreichste Uhr in der über 150-jährigen Geschichte des Unternehmens. 2016 will man 100.000 bis 120.000 Uhren des Modells verkaufen - bisher gab es von noch keinem anderen Modell mehr als 100.000 Exemplare pro Jahr.

Die Bahnhofs-Uhr in klein und digital

Zwei weitere Firmen, die über die Schweiz hinaus bekannt sind und Smartwatches planen, sind Mondaine und Victorinox. Den Namen Mondaine kennen vielleicht nicht alle, wohl aber das berühmteste Zifferblatt-Design der Firma: Es ist die Uhr, die auf allen deutschen Bahnhöfen zu sehen ist. Mondaine geht allerdings den Weg der kleinen Schritte: Im Sommer soll zunächst eine Uhr mit dem Bahnhof-Zifferblatt auf den Markt kommen, die mithilfe eines NFC-Chips auch ähnlich wie Apple-Pay beim Zahlen an der Einkaufskasse verwendet werden kann. Victorinox sind die mit dem "Schweizer Taschenmesser". Die haben vor wenigen Wochen eine Zusammenarbeit mit dem Computer-Unternehmen Acer angekündigt, um eine "Wearable" auf den Markt zu bringen. Aussehen und Funktionen sind noch unbekannt.

Kein "Swissmade" bei Schweizer Uhren mehr

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Schweizer Uhr - aber nicht "Swissmade": Die Smartwatch "Connected" von Tag Heuer.

Möglicherweise gewähren die Schweizer auf der CeBIT schon einige Blicke auf ihre Neuerungen, vor allem, weil am vorletzten Tag der CeBIT in der Schweiz die Uhrenmesse Baselworld eröffnet wird. Die Strategie, keinen direkten Konkurrenten zur Apple Watch zu bauen, sondern ihre vorhandenen Uhren etwas schlauer zu machen, scheint jedenfalls aufzugehen. Auf Eines müssen die neuen digitalen Chronografen aus der Schweiz jedoch verzichten: Das Label "Swissmade" dürfen die Uhren nicht tragen, weil sie entweder im Ausland gefertigt werden oder auf wichtige ausländische Bestandteile zurückgreifen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 02.03.2016 | 19:30 Uhr

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