Stand: 20.12.2016 08:53 Uhr

Wie sieht die Online-Zukunft der ARD aus?

von Daniel Bouhs
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Maximal ein Drittel Text auf der Startseite? Das soll in einem Papier stehen, dass die ARD-Vorsitzende Wille zusammen mit dem BDZV erarbeitet hat.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte sich bei seinen Online-Aktivitäten schon bald selbst Handschellen anlegen, um den Verlagen im Netz weniger in die Quere zu kommen. Helmut Verdenhalven, der den Bereich "Medienpolitik" des Zeitungsverlegerverbandes BDZV leitet, berichtet ZAPP von "weit gediehenen" Gesprächen mit ARD-Vertretern.

BDZV-Präsident Mathias Döpfner, der auch den Medienkonzern Axel Springer leitet, hat den Angaben zufolge "in gemeinsamer Diskussion" mit der ARD-Vorsitzenden Karola Wille und dem NDR Intendanten Lutz Marmor ein Papier erarbeitet, das - wenn es die Zustimmung der ARD-Intendanten fände - einer Selbstverpflichtung gleichen würde: Die ARD würde auf den Startseiten ihrer Internet-Angebote maximal ein Drittel Text zeigen. Mindestens zwei Drittel der Flächen würden mit Video- und Audioplayern oder schlicht Fotos gefüllt. Den BDZV-Angaben zufolge hat die sogenannte Kontaktgruppe der ARD zugesichert, noch im Jahr 2016 und damit kurzfristig über das Papier zu entscheiden.

Nächster Schritt: Ausdehnung der Vereinbarung auf Unterseiten?

Die Pressestelle der ARD, die aktuell beim MDR in Leipzig angesiedelt ist, bestätigte ZAPP, dass grundsätzlich Gespräche mit dem BDZV laufen. Über die Details wolle die ARD zunächst nichts sagen, dementierte aber auch nicht die Angaben des BDZV. Wie ZAPP aus dem Umfeld der Intendanten hörte, sehen einige Intendanten den Wunschzettel der Verleger aber kritisch: Würde die ARD für die Startseiten zustimmen, könnten die Verleger im nächsten Schritt auf eine Ausdehnung auf Unterseiten pochen. Dabei sei das Internet allerdings nicht zuletzt ein Textmedium.

Zuletzt hatten mehrere Verlage gegen die App der "Tagesschau" geklagt. Das Kölner Oberlandesgericht bestätigte die Verleger-Sicht, wonach eine frühe Ausgabe der App aus dem Jahr 2011 "presseähnlich" gewesen sei. Dies ist den Sendern laut Rundfunkstaatsvertrag verboten - wenn den Artikeln ein konkreter Bezug zu einer Sendung fehlt. Den weist die "Tagesschau" allerdings inzwischen deutlicher als damals aus. Die jüngste Ausgabe der "Tagesschau"-App, die erst Mitte Dezember an den Start ging, bietet überdies zumindest auf der Startseite deutlich weniger Text als früher.

Christian Nitsche © NDR/BR/Theresa Högner

Christian Nitsche: "App ist Nutzer-orientiert"

ZAPP -

Die Video-Orientierung der neuen Tagesschau-App, habe nichts mit einem etwaigen Einfluss der Verleger zu tun, so Christian Nitsche, 2. Chefredakteur von ARD-aktuell.

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"Schritt in Richtung Verleger"

Der Zweite Chefredakteur der "Tagesschau"-Redaktion ARD-aktuell, Christian Nitsche, bezeichnete die Neuausrichtung seiner App dann auch als "großen Schritt" in Richtung Verleger. Nitsche sagte ZAPP am Rande der Präsentation: "Der Nebeneffekt dieser App, die wir ohnehin gemacht hätten, ist, dass die Verleger hoffentlich auch anerkennen, dass wir auch auf den Weg gehen, den sie sich immer gewünscht haben." Allein: Der Zeitungsverlegerverband steht auch weiterhin kritisch zur App der "Tagesschau".

"Das ist ja tatsächlich eine wirklich schöne App, mit vielen Fotos und Videos", sagt BDZV-Medienpolitikchef Verdenhalven und bemängelt: Viele bewegte Bilder auf der Startseite der neuen App seien gar keine echten Nachrichtenfilme, sondern bloß animierte Fotos. Verdenhalven zu ZAPP: "Den eigentlichen Inhalt nehmen Nutzer deshalb nur auf, wenn sie auch die Texte lesen." Zumindest auf den ersten Blick habe sich deshalb "unsere rechtliche Bewertung nicht grundsätzlich geändert". "Tagesschau"-Chefredakteur Nitsche betonte unterdessen im Medienmagazin des RBB-Hörfunks, dass die Videos auf der Startseite der App schon bald weiter optimiert würden.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 14.12.2016 | 23:45 Uhr

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