Stand: 09.01.2017 08:28 Uhr  | Archiv

Vor zehn Jahren: Wie Apple das Telefon neu erfand

von Wolfgang Stuflesser

Die Vorstellung des ersten iPhones vor genau zehn Jahren gilt als eine der Sternstunden des begnadeten Präsentators Steve Jobs. Mit dem iPhone wagte Apple etwas radikal Neues: Im Gegensatz zu den bereits vorhandenen Smartphones der Konkurrenz hatte das iPhone keine Plastiktastatur eingebaut und ließ sich auch nicht mit einem Eingabestift bedienen. Die kalifornische Firma setzte, wie Jobs es formulierte, auf die zehn Eingabegeräte, die ein Mensch schon mitbringt, die Finger. Das iPhone wurde ein Bestseller - zeitweise verkaufte Apple 25 Millionen Stück im Monat, das sind an die 600 pro Minute.

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Steve Jobs revolutionierte mit dem iPhone den Mobilfunkmarkt - und sicherte seinem Unternehmen Milliardengewinne.

9.41 Uhr morgens - das ist die Zeit, die bis heute jedes iPhone in Apples Werbematerial anzeigt. 9.41 Uhr - das war genau der Zeitpunkt, zu dem Apple-Gründer Steve Jobs am 9. Januar 2007 der staunenden Öffentlichkeit das erste iPhone zeigte. Selbst für den als Showman bekannten Jobs war dieser Tag eine Sternstunde. Er habe sich zweieinhalb Jahre darauf gefreut, sagte er, um dann bewusst großspurig anzukündigen: "Heute wird Apple das Telefon neu erfinden - und hier ist es!"

Die Leinwand hinter ihm zeigte das Foto eines ziemlich verunglückten Objekts: einen weißen iPod, auf den man eine altmodische Telefonwählscheibe montiert hatte. Doch natürlich sah das eigentliche iPhone deutlich anders aus - anders vor allem als die Smartphones, die es damals schon gab, von Palm oder von Nokia. "Die fortschrittlichsten Telefone heißen Smartphones. Das Problem ist: Sie sind nicht so smart und sie sind nicht so einfach zu bedienen", sagte Jobs.

"Wir haben das so was von patentiert!"

Apple machte einen der für die Firma typischen gewagten Schritte: Das iPhone hatte im Gegensatz zu bisherigen Smartphones keine kleine Plastiktastatur eingebaut, sondern bestand nur aus einem großen Bildschirm. Der reagierte auf einfaches Berühren, während man bei anderen Touchscreens damals noch richtig drücken musste, und er ließ sich mit mehreren Fingern gleichzeitig bedienen. Das war ein solcher Entwicklungssprung, dass Steve Jobs unterstrich, seine Firma habe das Ding "aber so was von patentiert".

Im Nachhinein eine fast prophetische Aussage, denn die Streitigkeiten, wer beim Smartphone von wem abgekupfert hat, ziehen sich vor den Gerichten bis heute hin.

Die Rundum-Sorglos-Maschine

Natürlich konnte das erste iPhone vieles noch nicht, was heute in einem Smartphone selbstverständlich ist. Keine Apps außer denen von Apple, kein High-Speed-Internet und der Bildschirm war deutlich kleiner als heute. Aber dieses Gefühl der Rundum-Maschine, das ein Smartphone für den Besitzer bis heute so faszinierend macht, war schon in der ersten Präsentation zu spüren. Als Steve Jobs etwa mit der Kartenanwendung den nächsten Kaffeeladen suchte und einfach auf die Telefonnummer tippen konnte, um spaßeshalber 4.000 Latte Macchiato für das Publikum der Präsentation zu bestellen.

Prototyp hatte noch Macken

Erst Jahre später wurde bekannt, dass der Prototyp des iPhones noch bei den Proben immer wieder abstürzte - es gab nur einen sogenannten "Goldenen Weg", eine bestimmte Reihenfolge, in der Jobs die Funktionen aufrufen musste, sonst hätte die Show schnell zur Blamage werden können. Der iPhone-Entwickler Andy Grignon erinnerte sich später im Gespräch mit der "New York Times", dass er und seine Kollegen alle im Publikum saßen. Und immer, wenn Jobs eine Funktion ohne Probleme gezeigt hatte, trank der verantwortliche Techniker heimlich einen Schnaps.

Schnell wird das iPhone ein Bestseller

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Das iPhone wird mittlerweile in der siebten Version ausgeliefert.

Das iPhone wurde ein Bestseller - und eine Gewinnmaschine für Apple. Zwar ist heute laut Schätzung nur jedes sechste Smartphone ein iPhone, Apple streicht aber gut 90 Prozent aller Gewinne in diesem Markt ein, weil es seine Telefone relativ hochpreisig verkaufen kann. Apple pflegt das Image des iPhones auch als Statussymbol - nicht zuletzt mit Hochglanz-Produktvideos, in denen Apples Chefdesigner Jony Ive mit samtiger Stimme und in britischem Englisch die Vorzüge des jeweils neuestes Modells unterstreicht.

Apple macht Heute fast zwei Drittel seines Umsatzes mit dem iPhone - und nur noch rund zwölf Prozent mit den Macintosh-Rechnern, durch die die Firma mal berühmt wurde.

"Antennagate" wird mit Gummihüllen gelöst

Es gab in zehn Jahren iPhone aber auch Missgriffe, etwa "Antennagate" beim iPhone 4. Weil Apple unbedingt eine Vorder- und Rückseite ganz aus Glas wollte, waren die metallenen Seiten dieses iPhones gleichzeitig die Antennen für Telefon und Internet. Hielt der Nutzer das Telefon an einer bestimmten Stelle, ließ der Empfang deutlich nach. Da musste Steve Jobs wieder auf die Bühne - eigens aus dem Urlaub von Hawaii eingeflogen, gab er zerknirscht zu, dass auch Apple nicht perfekt sei. Gummiumrandungen, die Apple kostenlos verteilte, lösten das Problem zumindest solange, bis die nächste Generation auf den Markt kam.

Günstige Produktion in China

Es gibt bis heute wohl kein anderes technisches Produkt, das mit dem Erfolg des iPhones mithalten kann: Zeitweise verkaufte Apple 25 Millionen Geräte im Monat - das sind fast 600 pro Minute. Tim Cook, Nachfolger des 2011 gestorbenen Steve Jobs, hat sich für den Chefposten bei Apple unter anderem damit qualifiziert, dass er die nötige Fertigungs- und Liefer-Logistik organisierte. Vor allem in China, wo das iPhone von Tausenden Fabrikarbeitern zusammengebaut wird - zu deutlich niedrigeren Löhnen als etwa in den USA. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat deshalb schon gefordert, Apple solle seine Telefone in den USA produzieren. Von Apple heißt es bislang dazu: kein Kommentar.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 09.01.2017 | 09:38 Uhr

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