Stand: 04.08.2016 06:00 Uhr  | Archiv

Raus aus dem Hinterzimmer: Digitale Diplomatie

von Christoph Prössl, ARD Hauptstadtstudio

Das deutsche Auswärtige Amt hat bei Twitter mehrere Hunderttausend Follower. Die "digitale Diplomatie" mittels sozialer Medien ist harte Arbeit: Die Netzgemeinde möchte ernsthaft informiert werden - aber auch gelegentlich mal ein Späßchen aus dem Außenministerium gepostet bekommen.

Am 11. Januar dieses Jahres twittert das Team des Auswärtigen Amtes auf Englisch zum Tod von David Bowie: "Wiedersehen David Bowie. Du bist nun unter Helden. Danke, dass du geholfen hast, die Mauer niederzureißen."

Den Zweizeiler teilten über 8.000 Nutzer. Der Tweet wurde zur Nachricht. Die Agentur AFP schickte über den französischen Dienst eine Eilmeldung raus: Die Bundesregierung dankt David Bowie für seinen Beitrag zum Mauerfall. Medien weltweit schrieben darüber, unter anderem die "New York Times".

Mehr als Männer in grauen Anzügen

Das Bespiel zeigt: Längst sind die sozialen Dienste wie Facebook und Twitter ein fester Bestandteil der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Ministerien geworden - und es geht weit über Fotos hinaus, auf denen Männer in grauen Anzügen Hände schütteln.

Sebastian Fischer aus dem Pressereferat verantwortet die Auftritte des Auswärtigen Amtes auf Facebook und Twitter: "Es geht darum, Außenpolitik transparent zu machen und aus den Hinterzimmern und Konferenzsälen herauszuholen." Vor zehn bis zwanzig Jahren habe Außenpolitik dagegen noch vorwiegend in den Politikspalten der Zeitungen stattgefunden und in den Nachrichten. "Uns ist wichtig, mit den Menschen in den Dialog zu kommen", sagt Fischer. Und das sieht dann so aus:

Oder so:

Über 400.000 Nutzer folgen dem deutschsprachigen Auftritt des Auswärtigen Amtes auf Twitter, 90.000 dem englischsprachigen Dienst. Aber auch viele Botschaften sind auf Twitter vertreten, geben Reisehinweise weiter, teilen Fotos aus Deutschland. Insgesamt gibt es rund 70 Angebote des Auswärtigen Amtes. Außenminister Steinmeier schreibe selbst auf Facebook und verfolge alle Seiten aufmerksam, sagt Fischer.

Darstellung der eigenen Verhandlungsposition

Twitter und Facebook sind aber mehr als reine Kanäle für die Öffentlichkeitsarbeit - Stichwort: digitale Diplomatie. Dazu erzählt Fischer: "Wir haben zum Beispiel bei den Iran-Verhandlungen um das Nuklearabkommen eine Kollegin vor Ort gehabt, die diese Verhandlungen rund um die Uhr von der Social-Media-Seite begleitet hat." Es sei wichtig gewesen, eine eigene Stimme zu haben, "weil nämlich alle Verhandlungsteilnehmer auch in den sozialen Medien aktiv waren und ihre Verhandlungsposition dargestellt haben". Durch den Verweis auf die deutsche Position habe man letztlich Einfluss auf den positiven Ausgang der Verhandlungen nehmen können.

Informationen aus erster Hand

Ein weiteres Beispiel für die wachsende Bedeutung der digitalen Diplomatie: Während der Verhandlungen zum Friedensabkommen in der Ukraine, in denen Deutschland eine wichtige Rolle spielte, verzeichnete das Auswärtige Amt einen starken Zulauf auf Facebook und Twitter von ukrainischen Nutzern. Das Interesse an Informationen aus erster Hand war offensichtlich groß.

Gerne lesen die Nutzer aber auch Postings, die mit einem Augenzwinkern verfasst wurden - wie kurz nach der "Brexit"-Entscheidung in Großbritannien:

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 04.08.2016 | 08:08 Uhr

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