Stand: 17.05.2017 19:08 Uhr

NRW-Wahl: SPD versagt im digitalen Wahlkampf

von André Kroll und Sabine Schaper
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Nie war es so leicht, mit Wählern in Kontakt zu treten - soziale Netzwerke machen's möglich. Doch offensichtlich wissen nicht alle Parteien, wie's geht.

Fake News sind ein riesiges Netzthema, gerade in Wahlkampfzeiten. Die Grünen haben deswegen sogar eine eigene Social-Media-Feuerwehr aufgestellt, die Falschmeldungen aufspürt und widerlegt. Doch das ist nur ein Teil des Wahlkampfes. Daneben gilt es, potenzielle Wähler im Netz mit den eigenen Themen zu erreichen, mit ihnen in Kontakt zu gehen und sie zu überzeugen. Beim Landtagswahlkampf in NRW gelang dies vor allem der FDP, dem großen Sieger der Wahl, so Politikberater Martin Fuchs. Die SPD war der große Wahlverlierer, auch im digitalen Wahlkampf.

Wahlkampf im Netz

Online-Wahlkampf: SPD mit Worst-Case-Beispiel

ZAPP -

Beim NRW-Landtagswahlkampf wurde auch online um Stimmen gekämpft. Eine Partei nutzte das Netz nahezu perfekt, eine andere lieferte "Worst Case"-Beispiele.

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Dieser Kommentar steht unter einem Wahlkampfposting von SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft an erster Stelle und hat 47 Likes bekommen. Er steht dort unkommentiert von der SPD oder der Spitzenkandidatin. Genau wie viele hämische Kommentare, Vorwürfe oder Hetze gegen Flüchtlinge. Ein Community Management ist nicht erkennbar. Weder bei diesem noch bei anderen Postings. Auch das Community Management der Landes- und Bundes-SPD auf Facebook ist ein Trauerspiel, Dialog mit Fans und Hatern nicht oder kaum vorhanden.

SPD-Auftritt "fast schon gewolltes Versagen"

Interview
12:40

#ltwnrw: "Worst Case" und "Best Practice"

Martin Fuchs beobachtete den Landtagswahlkampf in NRW. Einige Aktionen der FDP und von den Grünen fand er sehr gelungen, die SPD hingegen lieferte ein "Worst Case"-Beispiel. Video (12:40 min)

Politikberater Fuchs beschäftigt sich seit langem mit den Aktivitäten von Politikern und Parteien im Netz. Er gibt dem Auftritt der SPD in den sozialen Netzwerken in diesem Wahlkampf keine guten Noten. Der fehlende Dialog ist eher ein Negativbeispiel: "Ich würde das als Worst Practice bezeichnen. Also schlimmer geht es eigentlich gar nicht - weil man weiß, dass Kommentare extrem viel gelesen werden. Wenn die SPD das dann stehen lässt, ohne gewitzt oder ironisch ein Gegenargument zu bringen, ist es fast schon gewolltes Versagen." Doch auch die Grünen, die mit ihrer Netzfeuerwehr so vorbildlich aufgestellt sind, auf Kommentare eingehen und Kritik kontern, leisteten sich einen Fehltritt. So sorgte ein extrem unprofessionelles Wahlvideo der Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann für Spott und ging viral - die Partei zog die Reißleine und löschte es.

FDP glänzt durch Nähe und Guerilla-Marketing

Geradezu vorbildlich und innovativ ging es auf den Kanälen der FDP zu. Hier wurde der Kontakt zu den Wählern gesucht, Fragen wurden beantwortet. "Die Partei, wo ich das Gefühl hatte, dass sie am meisten den Mut hatte, Sachen auszuprobieren, war die FDP", so Fuchs. Der Spitzenkandidat der Liberalen, Christian Lindner, ließ die Wähler auf Instagram per Fotoreportage an einem Arbeitstag teilnehmen. Die Fotos wurden später auch in Wahlkampfspots genutzt. Und das geringe Budget glich man durch geschicktes Guerillamarketing aus. So wurde das Verkehrskonzept gegen den Stau auf eine Lkw-Plane gedruckt - der im Stau zu einem beliebten Fotomotiv wurde und sich im Netz verbreitete. Auch mit 360-Grad-Videos wurde experimentiert.

CDU mit innovativer Wahlkampf-App

Nicht jede Strategie funktioniert für jede Partei - es kommt auf die Zielgruppe an. Die CDU war zwar bei der Landtagswahl NRW in Sachen Social Media und Community Management kein Trendsetter, dafür setzte sie erneut, wie bei den zwei vorangegangenen Landtagswahlen, die innovative App "Connect17" ein. Mit der App wurde der klassische Haustürwahlkampf auf eine neue Ebene gehievt. So bekommen die Wahlkämpfer in der App angezeigt, in welchen Vierteln sich potenzielle Wähler finden lassen und an welche Haustüren die Kollegen schon geklopft haben. Ein internes Ranking der Wahlkämpfer sorgt zudem für Motivation - wer viel leistet, bekommt viele Punkte und steigt zum Wahlkampfhelden auf.

Und schließlich füttert jeder Wahlkämpfer nach dem Hausbesuch die Datenbank der CDU per App mit Infos über die angetroffenen Personen. So entsteht ein digitaler Datenschatz. "Es gab immer Versuche, große Datenmengen zu strukturieren und fruchtbar zu machen für die politische Kommunikation. Die Kombination von Big Data und App und Haustür-Wahlkampf ist in der Form einmalig. Das gab es noch nicht in Deutschland", so Fuchs. Trotzdem: Auch die CDU hat noch viel Luft nach oben. "Wir können noch breiter auch die anderen Kanäle bespielen", so der JU-Vorsitzende in NRW, Florian Braun.

Im digitalen Wahlkampf steckt viel Potenzial, da sind sich Experten einig.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 17.05.2017 | 23:20 Uhr

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