Stand: 03.07.2017 15:10 Uhr

Maas kämpft gegen "digitale Diskriminierung"

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Heiko Maas möchte Diskriminierung durch Algorithmen verhindern und dafür unter anderem eine "Digital-Agentur" gründen.

Heiko Maas fordert ein Gesetz gegen "digitale Diskriminierung". Eine neue Behörde soll nach Ansicht des Bundesjustizministers erforschen, ob Verbraucher durch digitale Entscheidungsprozesse benachteiligt werden.

"Der Preis eines Flugtickets, die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers oder der Zugang eines Kunden zu Versicherungstarifen werden immer öfter individuell durch Algorithmen bestimmt", sagte Maas auf einer Konferenz seines Ministeriums in Berlin. "In den USA werden Bewerbungen durch Algorithmen vorsortiert und die Justiz lässt mancherorts sogar Rückfallwahrscheinlichkeiten von Straftätern mit Algorithmen prognostizieren."

"Algorithmen nur so gut wie ihre Programmierer"

Maas warnte davor, dass solche durch Software getroffenen Entscheidungen nicht nur intransparent, sondern auch mit Benachteiligung verbunden sein könnten: "Wir sollten mit unserem Glauben an die Objektivität der Technik vorsichtig sein. Algorithmen sind nur so gut wie diejenigen, die sie programmiert haben und wie die Datenbasis, mit der sie gelernt haben."

Kurz vor der Bundestagswahl schlägt der SPD-Politiker deshalb ein spezielles digitales Anti-Diskriminierungsgesetz vor. "Technischer Fortschritt darf nicht zu gesellschaftlichem Rückschritt führen. Deshalb wäre ein Ordnungsrahmen hilfreich, der viel Raum für Innovation lässt, aber genauso den Einsatz von diskriminierenden Algorithmen verhindert", sagt Maas.

Bisher sind Algorithmen Betriebsgeheimnis

Von den Software-Algorithmen, die beispielsweise die Zusammenstellung der angezeigten Facebook-Meldungen oder die Ergebnisse von Suchanfragen bei Google bestimmen, weiß man zwar im groben, woran sie ihre Entscheidungen orientieren. Die genauen Funktionsweisen ändern sich aber häufig und werden von den Technnologieunternehmen nicht offengelegt - schließlich sind sie deren Betriebs- und Erfolgsgeheimnis. Das macht die Überprüfung für Regulierungsbehörden und Verbraucherschützer schwer. Maas fordert nicht nur von den Unternehmen Transparenz, sondern schlägt auch die Gründung einer neuen "Digital-Agentur" durch die nächste Bundesregierung vor, "um im Austausch mit Wissenschaft, Wirtschaft und Verbrauchern mehr Expertise zu erlangen", wie Algorithmen funktionieren und ob sie Verbraucher benachteiligen.

Auch Kanzlerin Merkel und andere Politiker hatten in den vergangenen Monaten mehr Transparenz bei Algorithmen gefordert. Maas ist allerdings der Erste mit einem konkreten Vorschlag. Die Technologiekonzerne werden sich allerdings nur sehr ungern tiefer in ihre Software-Geheimnisse gucken lassen. Maas hatte sich mit ihnen zuletzt durch sein umstrittenes Gesetz gegen Hasskommentare angelegt.

Dieses Thema im Programm:

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