Sendedatum: 13.03.2014 08:08 Uhr  | Archiv

Interactive bei "South by Southwest" im Fokus

von Wolfgang Stuflesser, Korrespondent in den USA
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Musik liegt beim "South by Southwest"-Festival immer in der Luft.

"Es ist, als würde man ein paar Tage in der Zukunft leben" - so bringt es eine "South by Southwest"-Teilnehmerin auf den Punkt: Jedes Jahr Anfang März wird das texanische Austin durch das Festival zur Trendstadt für Film, Musik und die digitale Welt. Auch 2014 macht da keine Ausnahme: Hotels sind ausgebucht, Parkplätze doppelt so teuer wie sonst, der Verkehr hoffnungslos überlastet.

Mehr als 2.000 Bands und Solisten treten auf, im kleinen Pub an der Ecke, im Club, auf der Dachterrasse oder auf der großen Open-Air-Bühne. Der nächste Musikstil ist nur eine Straßenecke entfernt. Das lockt rund 70.000 Besucher in die Stadt. "Nichts ist besser als ein Live-Auftritt, um die Qualität einer Band zu zeigen. Und die Bandbreite hier ist riesig: Es gibt zum Beispiel einen Abend mit koreanischem Pop. Da bin ich ein großer Fan und richtig gespannt, die K-Popper zu sehen", sprudelt es aus Jasmin heraus, die aus Detroit zum Festival gekommen ist. Auch das Hamburger Reeperbahn Festival übrigens ist jedes Jahr beim kurz "Southby" genannten Event vertreten.

Mit Musik fing alles an

Mit dem Musikfestival hat vor 27 Jahren alles angefangen. Doch inzwischen ist es bei "South by Southwest" nur einer von drei Teilen. Teil zwei sind Film und Fernsehen, für das es in diesem Jahr zum ersten Mal eine eigene Abteilung gibt. Die Weltpremiere von "Veronica Mars" verbindet beides: Ein Kinofilm als Fortsetzung einer Fernsehserie, deren Fangemeinde so groß war, dass sie den Streifen über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit fast sechs Millionen Dollar unterstützte. Grund genug für Hauptdarstellerin Kristen Bell, sich nach dem Film artig beim Publikum zu bedanken - und zu fragen, ob der Streifen auch ankam.

Soziale Medien können ein Treffen vor Ort nicht ersetzen

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Etwa 70.000 Besucher kommen in diesem Jahr zum zehntägigen Festival.

Daneben ist aber auch immer noch Platz für kleine, feine Filme wie "Born to fly" - eine Dokumentation über eine Choreografin, die ihre Tänzer an Bungeeseilen von Brücken springen lässt und ihnen körperliche Höchstleistungen abfordert.

Auch in Zeiten von YouTube und digitaler Vernetzung ist für Caterine Gund, die Autorin des Films, ein Festival unersetzlich. Nach dem Film seien Leute zu ihr gekommen und hätten geweint, erzählt sie. Und schon während der Premiere habe sie beobachten können, wie die Leute im Publikum zusammenzucken oder einfach mitgehen mit der Handlung. Auch auf Twitter sei ihr Film Thema gewesen. Und dazu Leute zu treffen und sich mit ihnen über ihre Gedanken zum Film zu unterhalten, sei eine großartige Erfahrung gewesen.

Edward Snowden ruft zum "Feuer löschen" auf

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Der Whistleblower Edward Snowden wurde aus seinem russischen Exil live nach Texas zugeschaltet.

Mit Twitter sind wir beim dritten Teil des Festivals: "Interactive" - also alles, was irgendwie mit Technik und Internet zu tun hat. Vor ein paar Jahren wurde hier Twitter auf einmal ganz groß, weil die Kurznachrichten ideal waren, um schnell zu verbreiten, wo auf dem Festival gerade was Spannendes stattfand. Seitdem kommen jedes Jahr Tausende von Unternehmen, die überzeugt sind, dass sie das neue Twitter sind.

Diesmal aber stand ein anderer im Vordergrund: Edward Snowden, der den NSA-Überwachungsskandal ins Rollen gebracht hat, wurde aus seinem russischen Exil per Videkonferenz zugeschaltet - und beschwor die anwesenden Entwickler, dass sie die Feuerwehrleute seien, um das Feuer zu löschen, dass die NSA an die Zukunft des Internets gelegt habe.

Schutz der Privatsphäre ist großes Thema

Sicherheits-Software und Apps, die die Privatsphäre schützen, waren dann auch ein großes Thema in Austin. "Wenn Sie eine Webseite besuchen, dann verfolgen viele Firmen ganz genau, was sie da machen. Ghostery ist ein Zusatzprogramm für den Browser und zeigt Ihnen diese Firmen und lässt Sie die Verfolgung blockieren, wenn Sie es wollen", sagte Andy Kahl. Seine Firma Ghostery gibt es schon seit fünf Jahren, aber seit den Snowden-Enthüllungen habe das Interesse enorm zugenommen. Früher seien seine Kunden vor allem Profis gewesen, also Entwickler, die zum Beispiel eine Seite fürs Online-Shopping programmieren. Jetzt seien die Nutzer diejenigen, die dort einkaufen.

Faszinierende Leute, tolle Gespräche

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Musik und die Technik des 21. Jahrhunderts treffen sich bei den abendlichen Partys des Festivals.

Es ist diese Mischung aus digitaler Welt, Film und Musik, die den besonderen Reiz von "South by Southwest" ausmacht. Denn abends treffen sich dann alle zum Musikhören auf der Straße und kommen ins Gespräch. Die Gemeinschaft sei fantastisch, erzählt Penny Norman aus Canada: "Die Teilnehmer sind ganz offen, neue Bekanntschaften zu machen und zu reden. Bis jetzt haben wir nur faszinierende Leute getroffen und tolle Gespräche gehabt."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 13.03.2014 | 08:08 Uhr

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