Stand: 13.04.2016 15:30 Uhr  | Archiv

"Hi CNN, was gibt's Neues? Schreib' mal!"

Das Logo von Facebook und Messenger © NDR
Facebook hat einen 10-Jahres-Plan. Bots im Messenger sind ein Teil davon.

Von Lasern, Drohnen, künstlicher Intelligenz und einer 10-Jahres-Strategie war am Eröffnungstag der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 die Rede: Kein Wunder, dass sich da der eine oder andere Kommentator an die Weltherrschaftspläne böser Science-Fiction-Imperien erinnert fühlte. Doch mit welchen der von Facebook angekündigten Neuerungen könnten für Journalisten und Medien-Konsumenten tatsächlich bald in Berührung kommen?

Permanenter Chat-Dialog statt Seite 1

Im Fokus der F8-Ankündigungen steht die Öffnung des Facebook Messengers für Unternehmen. Die vor einiger Zeit als App ausgegliederte Funktion zum Chatten und Mitteilungen-Schreiben kommt auf stolze 900 Millionen Nutzer, wird aber bisher vor allem für die private Kommunikation eingesetzt. Facebook will den Messenger nun für die Gespräche von Kunden mit Unternehmen öffnen - als schnelle, informelle Kommunikationsmöglichkeit an Stelle nerviger Hotlines oder umständlich zu formulierender E-Mails. Dafür wird der Messenger nun mit neuen Funktionen erweitert. Unter anderem führt Facebook mit "Messenger Platform" nun einen Baukasten für Bots ein - das sind Sprachprogramme, die die Text-Nachrichten der Nutzer verarbeiten und beantworten.

Auch für Medienunternehmen ist das hochspannend: "Bild" testet den Facebook Messenger bereits als Kanal, um Fußball-Fans kurze Nachrichten in einem "Transfer-Ticker" direkt auf den Sperrbildschirm ihres Handys zu bringen. Die US-Nachrichtenwebsite "Quartz" hatte die Oberfläche ihrer eigenen App - unabhängig vom Facebook - wie einen permanenten Chat-Dialog gestaltet, der dem Nutzer die neuesten Inhalte anpreist. Und nun verschafft der Facebook Messenger allen Medienhäusern diese Möglichkeit - zumindest in der Theorie.

Bots vom WSJ und CNN im Test: ¯\_(ツ)_/¯

Ausprobieren kann man das schon bei "Wall Street Journal" und CNN. Ein erster Test zeigt aber: Noch verläuft das Gespräch mit einem solchen Nachrichten-Bot recht sparsam. Ähnlich wie bei "Quartz" können diese Nachrichten-Bots bisher wohl nur für ihre Dialoge auf ein eingeschränktes Angebot an Inhalten zurückgreifen. Die vom CNN-Bot präsentierten Top-Nachrichten bei der Frage nach "Germany" sind eine zeitlose Reise-Bilderstrecke und ein angeblicher Live-Bericht vom Italien-Spiel der deutschen Nationalmannschaft von Ende März.

Screenshot
Dialog im Messenger: Bei der "What about Germany?" zuckt der CNN-Bot mit den Schultern. Fragt man ihn nur nach "Germany", hat er auch nicht viel zu bieten.
Noch langsam - aber dort, wo die Nutzer ohnehin sind

Bei der US-Website "The Verge" beschwert sich Autor Nick Statt, "Messenger-Bots seien die langsamste Art, das Netz zu benutzen." Mit Tastatur und Klicken könne er das Wetter und die neuesten Nachrichten doch viel schneller abrufen als über umständliche Dialoge. Da hat er - zumindest momentan noch - Recht.

Aber er lässt einen wichtigen Faktor außer Acht: Dieser Dialog spielt sich innerhalb der ohnehin geöffneten Messenger-App des Nutzers ab, in der "Chat-Umgebung, von der er bereits abhängig ist", wie Joshua Benton in einem Artikel für das Nieman Lab schreibt. Der normale Smartphone-Besitzer nutzt nur wenige Apps, diese aber dafür intensiv. Die Medienhäuser können Nutzern ihre Inhalte dort anbieten, wo sie ohnehin sind. Anstatt sie überreden zu müssen, dafür noch eine Extra-App installieren, brauchen die Medien die Nutzer nur noch überzeugen, im Messenger mit ihnen in Kontakt zu treten.

Wie schon bei der Diskussion um WhatsApp als Verbreitungsweg wird es spannend sein zu sehen, wie viel Inhalte von Firmen oder Medien die Nutzer auf diesem bisher eher privaten Kanal empfangen wollen. Facebook betont schon, dass die Wünsche der User und der Schutz vor Spam sehr wichtig seien. Und wer möchte auf seinem Handy-Sperrbildschirm nacheinander 10 Benachrichtigungen des "Wall Street Journal" oder den Hinweis "CNN hat einen Dateianhang gesendet" sehen?

Livestreaming nicht mehr nur vom Handy

Auch in Sachen Video dreht Facebook noch einmal auf: Livestreaming via Facebook war bisher nur über die Facebook-Apps fürs Handy und Tablet mit deren limitierten Kamerafunktionen möglich - jetzt öffnet Facebook den Zugang dafür auch für andere Geräte. Denkbar sind zum Beispiel professionelle Kameras oder Drohnen. Bereits angekündigt wurde für den Sommer eine Consumer-Kamera des Herstellers Mevo. Das macht es für professionelle Medien erheblich interessanter, Live-Video für Facebook zu verbreiten. Facebook selbst präsentierte außerdem eine eigenproduzierte Kamera für die Aufnahme von 360-Grad-Videos.

Lesezeichen und Zitate von anderen Websites

Zwei weitere Facebook-Funktionen könnten Nutzern künftig auf Websites und in Apps anderer Anbieter begegnen: Die eher versteckte Lesezeichen-Funktion "Beitrag speichern" wird laut Facebook von 250 Millionen Nutzer monatlich genutzt. Wie bei Bookmarking-Diensten soll das Abspeichern auch außerhalb von Facebook möglich werden - also beispielsweise von Artikel in den Online-Angeboten von Zeitungen.

Ganz neu ist eine Funktion, die es Lesern erlaubt, beliebige Textpassagen in einem Artikel zu markieren und dann als Bild auf Facebook weiter zu verbreiten. Zum Start bietet Amazon das für Zitate aus E-Books an.

Spannend wird auch, ob sich jetzt noch ein Verlag dem Sog der Instant Articles entziehen kann: Die Funktion, bei der dank Speicherung auf Facebook-Servern Medien für Mobil-Nutzer erheblich schneller laden als Links auf externe Websites, ist nach der Pilot-Phase jetzt für alle interessieren Medienhäuser verfügbar.

Dieses Thema im Programm:

N-JOY | | 21.04.2016 | 14:50 Uhr

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