Stand: 10.08.2015 18:29 Uhr  | Archiv

Bloggende Journalisten: Plan B oder Zukunft?

von Charlotte Horn, NDR Info

Es gibt viele Journalisten, die über einen Blog ihre Inhalte verbreiten. So wie der freie Journalist Thomas Wiegold. Seit fünf Jahren betreibt er seinen Blog "Augen geradeaus!". Hier schreibt er über die Bundeswehr und Themen rund um Sicherheitspolitik. Mit dieser Nische zählt er zu den wenigen Bloggern in Deutschland, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.

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Im Juli 2012 war Thomas Wiegold in Afghanistan und hat dort auch den damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière getroffen.

Thomas Wiegold war schon oft mit der Bundeswehr unterwegs - wie vor ein paar Jahren in Afghanistan. Von dieser Reise stellte er seinen Bericht direkt auf seinen Blog. Mit dem Blog will der freie Journalist alle erreichen, die sich für Sicherheits- und Verteidigungspolitik interessieren. "Ich richte mich nicht nur an Soldaten, auch wenn es manchmal sehr speziell wird." Er wolle auch Leuten Einblicke ermöglichen, die an dem Thema einfach nur interessiert sind.

Selbstständig mit eigenem Blog

Mehr als 30 Jahre arbeitete der 55-Jährige als festangestellter Journalist. Erst bei verschiedenen Nachrichtenagenturen, dann als Hauptstadtkorrespondent beim Nachrichtenmagazin "Focus". Nebenbei beschäftigte er sich immer intensiver mit der Bundeswehr und ihren Auslandseinsätzen. Vor fünf Jahren machte er sich dann mit dem Blog selbstständig. "Meine Entscheidung, mich selbstständig zu machen, hat nur deswegen funktioniert, weil ich wusste, dass ich ein sehr spezielles Thema habe." Die Bundeswehr sei eine Nische, in der in Deutschland sehr wenig Leute unterwegs sind.

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Die Reihe Streitkräfte und Strategien setzt sich kritisch mit Fragen der Sicherheits- und Militärpolitik auseinander. 14-tägig sonnabends um 19.20 und sonntags um 12.30 Uhr. mehr

Der Blog als Marke

Von seinem Büro in Berlin-Kreuzberg aus recherchiert, schreibt und veröffentlicht er Artikel für seine Internetseite und berichtet unter anderem über Themen wie "Kriegsschiffe - die beste Abschreckung für Piraten", "Bundeswehr mietet zivile Flugzeuge für die Fallschirmspringer-Ausbildung" oder "Entscheidung über Korvetten-Drohne dieses Jahr geplant".

Der Blog sei mittlerweile wie eine eigene Marke, so Wiegold. "Ich werde als ein Journalist wahrgenommen, der aktiv ist auf diesem Feld. Das verschafft mir natürlich auch wieder Zugänge und Informationen", sagt er. Darauf, mit seinen Geschichten hausieren zu gehen, sei er nicht angewiesen. "Ich sage in erster Linie: Ich möchte diese Geschichte machen, weil ich sie für richtig halte." Dann könne man immer noch darüber reden, ob die Geschichte nicht auch etwas für andere Medien sein könnte.

Unabhängig schreiben

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Thomas Wiegold ist besonders die eigene Unabhängigkeit wichtig.

Der Vorteil an dem Blog ist für ihn vor allem die eigene Unabhängigkeit - auch wenn er als freier Journalist aus finanziellen Gründen die Bundeswehr nicht mehr so häufig begleiten kann. Sein Geld verdient er nur zum Teil mit dem Blog. Leser haben ihn im vergangenen Jahr mit rund 14.000 Euro unterstützt. "Meine Überlegung ist: Wenn viele Leute ein bisschen geben, summiert sich das auch auf. Es ist bislang noch nicht so viel, dass ich davon leben könnte. Aber es ist eine steigende Tendenz", sagt Wiegold.

Viel Zeit für den Blog

Weil "Augen geradeaus!" noch nicht genug Gewinn abwirft, schreibt der Journalist auch für andere Medien. Doch die meiste Zeit verwendet er für seinen Blog, für den Austausch mit den Nutzern und für seine Facebook- und Twitter-Seite.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 11.08.2015 | 07:50 Uhr

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