Stand: 02.01.2013 13:20 Uhr  | Archiv

Hilfe für suizidgefährdete Jugendliche

Depression © picture-alliance/ dpa Foto: Klaus Rose
Die Dunkelziffer bei Selbstmordversuchen von Jugendlichen ist groß.

Schul-Probleme, Ärger in der Clique, Mobbing-Attacken oder einfach Null Bock auf nichts mehr: Jugendliche zwischen 14 und 20 geraten ziemlich oft in echte Lebenskrisen. Von dort ist es nicht so weit, den Sinn des Lebens ganz drastisch zu hinterfragen bis hin zu tiefschwarzen Gedanken: Schluss machen - nicht mehr leben wollen.

Angst vor falschem Handeln

Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland ist. Suizidgefährdete Jugendliche wälzen ihre Probleme lange alleine bevor sie sich jemandem anvertrauen. Lehrer, Schulsozialarbeiter oder Trainer trifft das meistens unvorbereitet und viele haben Angst, dann nicht richtig zu reagieren. Seit Mitte vergangenen Jahres gibt es deshalb in Schwerin eine Fachstelle für Suizidprävention in der Kinder- und Jugendhilfe. Von hier aus sollen Beratungs- und Weiterbildungsangebote für ganz Mecklenburg-Vorpommern zusammengestellt und vernetzt werden.

Finanzierung über Spenden

Die Landesfachstelle wird zunächst über drei Jahre aus Stiftungs- und Spendengeldern finanziert. Dafür stehen 215.000 Euro zur Verfügung. Aufbau und Leitung des Zentrums hat die Sozialpädagogin Heike Knebel, die 15 Jahre lang in Schleswig-Holstein in der Suizidprävention tätig war. "Das Thema Suizid beschäftigt Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 in ihrer Gruppe häufig", sagte Knebel. In dieser Zeit würden sie naturgemäß den Sinn des Lebens hinterfragen und sich auch fragen, ob ihr Leben alle Mühen wert sei.

Als großes Problem der Präventionsarbeit sieht die Expertin, dass Suizid nach wie vor hartnäckig tabuisiert werde. "Viele meinen, wenn sie sich solchen Gedanken irgendwie nähern, können sie nur alles falsch machen. Wenn wir aber mit den Kindern und Jugendlichen reden, entlasten wir sie. Im besten Falle sehen sie dann klarer, dass es ein Netzwerk gibt, das ihnen helfen kann", sagte Knebel.

Dunkelziffer ist groß

Im Nordosten haben sich seit der Wende etwa 280 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren das Leben genommen, wobei es eine große Dunkelziffer gibt. Die Suizidversuche werden nicht erfasst. Experten gehen aber davon aus, dass auf jeden Suizid eines Mädchens 18 Versuche, bei Jungen fünf Versuche kommen.

Deutschlandweit liegt die Zahl der Selbstmorde seit mehreren Jahren konstant bei knapp 10.000, das ist im Vergleich etwa ein Viertel mehr als die Zahl der Todesopfer bei Verkehrsunfällen. In den meisten Altersgruppen geht die Zahl der Suizide leicht zurück, nicht jedoch bei Kindern und Jugendlichen.

 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.01.2013 | 16:10 Uhr

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