Stand: 02.06.2016 17:41 Uhr

Wirbel um Krankenstatistik bei Lehrern in MV

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Die Linke in MV kritisiert die Regierung für deren Bekämpfung von Unterrichtsausfällen an Schulen.

Neue Angaben zur Zahl der langzeiterkrankten Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern sorgen für Turbulenzen im Bildungsministerium. Hintergrund ist eine Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Das Ministerium warnte aber vor einer "Fehlinterpretation" der eigenen Zahlen. Aus der Antwort geht hervor, dass im vergangenen Jahr jeder zehnte Lehrer Anspruch auf sogenannte betriebliche Eingliederungshilfen (BEM) hatte. Diese Unterstützung greift, wenn ein Beschäftigter sechs Wochen oder länger arbeitsunfähig war.

Laut Ministeriumsantwort hatten gut 1.300 der insgesamt etwa 12.000 Lehrer im Land 2015 Anspruch auf die Hilfen, sie waren in den Monaten zuvor mindestens sechs Wochen krank. Die meisten Fälle meldete laut Ministeriumsantwort das Schulamt Rostock.

Linken-Politikerin: Vertretungsbudgets würden helfen

Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, beklagt, dass die Unterrichtsvertretung in den Fällen der Langzeiterkrankten oft nicht gesichert sei, möglicherweise seien die Zahlen auch ein Indiz für die hohe Arbeistbelastung der Lehrer. Nur ein festes Vertretungsbudget pro Schule schaffe Abhilfe - das Land und das Ministerium würden aber vor den Kosten zurückschrecken, Oldenburg bezifferte die Ausgaben auf rund 23 Millionen Euro pro Jahr. Das Problem des Unterrichtsausfalls sei damit aber weitgehend in den Griff zu bekommen.

Ministerium warnt vor "Fehlinterpretation"

Das Bildungsministerium warnt vor Dramatisierungen und - so wörtlich - vor einer "Fehlinterpretation der Statistik". Aus den Zahlen könne nicht herausgelesen werden, dass 1.300 Lehrer tatsächlich dauererkrankt seien. Richtig sei vielmehr, dass der Rechtsanspruch auf BEM zwölf Monate in die Vergangenheit zurückreiche. In die Statistik seien deshalb auch solche Lehrer eingegangen, deren Erkrankung bereits im Jahr 2014 gelegen habe. Die Schlussfolgerung des Ministeriums: Die Zahl der anspruchsberechtigten Lehrkräfte fällt damit etwa doppelt so hoch aus wie die Zahl der langzeiterkrankten Lehrer.

Das Ministerium legt Wert auf die Feststellung, dass nur etwa 700 Lehrer tatsächlich dauererkrankt seien, das entspreche etwa 6 Prozent des Gesamt-Personals. Damit liege Mecklenburg-Vorpommern unter dem Bundesschnitt. Diese Zahlen hatte der NDR am Donnerstagmorgen berichtet und weist damit den durch das Bildungsministerium erhobenen Vorwurf der Falschmeldung zurück.

Minister sieht Vertretungsbudgets skeptisch

Der Forderung der Opposition nach einem festen Vertretungsbudget steht Minister Mathias Brodkorb (SPD) nach eigenen Worten "skeptisch gegenüber". Denn solche Budgets wären gleichmäßig über alle Schulen verteilt. Von Krankschreibungen aber sei die eine Schule mehr, die andere weniger betroffen. Die Folge in den Augen des Ministers: Einige Schulen hätten zu viele Vertretungsstunden, die anderen zu wenig. Allerdings spreche nichts dagegen, "dass Schulen im Rahmen ihres Budgets derartige Instrumente einführen, wenn sie dies wünschen".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.06.2016 | 06:00 Uhr

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