Stand: 20.11.2019 06:44 Uhr

Wie geht es weiter mit Problemwolf "GW924m"?

Das Agrarministerium in Schwerin prüft derzeit mit den zuständigen Behörden, wie mit dem sogenannten Problemwolf "GW924m" umgegangen werden soll. Trotz einer Abschussgenehmigung für Schleswig-Holstein hat der Wolf in Mecklenburg-Vorpommern vorerst nichts zu befürchten. Grund sind laut Agrarminister Till Backhaus (SPD) rechtliche Bedingungen. "GW924m" wäre seit dem Jahr 1990 der erste Wolf, der mit amtlichem Segen im Nordosten geschossen würde. In der DDR wurden eingewanderte Wölfe gejagt.

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

In Schleswig-Holstein rund 40 Schafe gerissen

Das Raubtier hatte in Schleswig-Holstein bei mehreren Attacken insgesamt rund 40 Schafe gerissen, die laut dem Umweltministerium in Kiel vorschriftsgemäß geschützt waren. Der Wolf hatte dabei hohe Zäune übersprungen. Dann war er nach Mecklenburg-Vorpommern weitergezogen und hatte Ende Oktober nahe Grambow bei Schwerin ein Schaf gerissen, das allerdings nicht ausreichend geschützt war.

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Alternativen müssen geprüft werden

In Schleswig-Holstein galt für den streng geschützten Wolf eine Abschussgenehmigung. Diese könne aber nicht einfach übernommen werden, hieß es aus dem Agrarministerium in Schwerin. "Prinzipiell befürworte ich den Abschuss von 'GW924m', da er eine Gefahr darstellt, egal in welchem Bundesland er sich aufhält", sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Aber sein Haus müsse sich "an Recht und Gesetz halten" und zunächst ähnlich wie vorher das Umweltministerium in Kiel wegen des EU-Schutzstatus' des Wolfes erneut eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilen.

Unklar, wie lange geprüft wird

Das Agrarministerium in Schwerin wusste nach eigenen Angaben seit dem 15. November von dem DNA-Treffer. Backhaus erklärte, der Vorfall von Grambow reiche nicht aus, um erneut eine artenschutzrechtliche Ausnahme zu begründen. Wie lange die Prüfung in Schwerin noch dauern soll, wurde nicht mitgeteilt. Backhaus bat um Verständnis, dass eine Abschuss-Entscheidung nicht über Nacht getroffen werden könne, sofern nicht Gefahr für Leib und Leben von Menschen bestehe. Schafzüchter und die agrarpolitische Sprecherin der Schweriner CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp, hatten eine schnelle Tötung des Rüden gefordert.

Jäger sollten Wolf erschießen

Die Abschussgenehmigung in Schleswig-Holstein bestand laut Umweltministerium in Kiel nur für Teile der Kreise Pinneberg, Steinburg und Segeberg. Jäger sollten den Wolf erlegen. Doch dabei traten unvorhergesehene Probleme auf. Der Wolf war über die Landesgrenze entkommen, bevor auf ihn geschossen wurde.

Hohe Hürden für Abschussgenehmigung

Im Bundesnaturschutzgesetz sind für eine Abschussgenehmigung bestimmte Kriterien festgeschrieben. Unter anderem muss ein und derselbe Wolf in einem Gebiet mehrfach Nutztiere gerissen und spezielle Zäune übersprungen haben. Zudem müssen Alternativen - beispielsweise ob der Wolf umgesiedelt oder vergrämt werden kann - geprüft werden. Auch dürfe in dem Gebiet kein anderer Wolf aktiv sein, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Kiel. Das sei wichtig, damit es nicht zur Verwechslung beim Jagen komme.

Land übernimmt höhere Kosten für Schutz vor Wölfen

Unterdessen teilte das Agrarministerium in Schwerin mit, dass das Land von Dezember an höhere Kosten für den Schutz vor Wölfen übernimmt. Bis zu 100 Prozent seien möglich. Das gelte zum Beispiel für Elektrozäune, Untergrabschutz und Herdenschutzhunde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.11.2019 | 06:00 Uhr

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