Stand: 07.09.2019 22:03 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Waldbrand Lübtheen: Große Dankesfeier für Helfer

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Insgesamt halfen rund 5.000 Menschen bei den Löscharbeiten. Für sie wurde die Dankesfeier ausgerichtet.

Rund zwei Monate nach dem bislang größten Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns haben am Sonnabend in Lübtheen Helfer und Anwohner ihren erfolgreichen Kampf gegen die Flammen gefeiert. Die Landesregierung und der Landkreis Ludwigslust-Parchim hatten unter dem Motto "Wir sind alle Helden" zu der großen Dankesfeier eingeladen. "Wir haben sehr viel Unterstützung aus ganz Deutschland bekommen. Jetzt wollen wir noch einmal Danke sagen", so Landrat Stefan Sternberg (SPD). "1.200 Hektar Wald standen in Flammen. Menschen mussten ihre Häuser und Dörfer verlassen", erinnerte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) an die bedrohliche Lage im Sommer.

Nach Waldbrand: Lübtheen bedankt sich bei Helfern

Nordmagazin -

3.000 Einsatzkräfte haben im Juli gegen den Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen gekämpft. Mit einer Feier hat sich der Landkreis Ludwigslust-Parchim bedankt.

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Rund 5.000 Helfer waren im Einsatz

Rund 5.000 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz, Katastrophenschutz, Forst und Bundeswehr sowie andere Helfer aus dem gesamten Bundesgebiet waren von Ende Juni an fast zwei Wochen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen gegen das Feuer im Einsatz. Zusammen mit Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zeichnete Schwesig rund 500 Einsatzkräfte mit der Waldbrandmedaille 2019 aus.

Hunderte mussten evakuiert werden

Der Großbrand loderte auf einer teilweise munitionsbelasteten Fläche. Vier Ortschaften mit insgesamt 650 Einwohnern wurden vorsorglich evakuiert. Das Feuer brach vermutlich durch sich selbst entzündende Munition aus und konnte erst nach Wochen gelöscht werden. Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft Schwerin die Ermittlungen zur Brandursache eingestellt. Es gebe keinerlei Hinweise auf Brandstiftung, hieß es.

Lübtheen: Aufatmen nach dem Brand

"Froh, dass nicht mehr passiert ist"

Eingeladen waren neben den Einsatzkräften auch deren Familienangehörige sowie interessierte Bürger. Zudem beteiligten sich Bewohner der vom Feuer bedrohten Dörfer an der Dankesfeier. "Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist", sagte der Lübtheener Klaus Heinz NDR 1 Radio MV. Seine Tochter musste während des Brandes Alt Jabel verlassen. "Das geht unter die Haut." Die Flammen seien bis auf 70 Meter an ihr Elternhaus herangerückt, so Heinz.

Einsatzkräfte freuen sich über Dank

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Für die Helfer gab es eine fast zwei Meter lange XXL-Dankes-Torte.

NDR Moderator Frank Breuner eröffnete das Fest gemeinsam mit dem Landespolizeiorchester, das eine eigens für das Fest umgeschriebene Version des Wincent-Weiss-Songs "Feuerwerk" spielte. Feuerwehr, Polizei und technische Rettungseinheiten boten Kindern Mitmach-Parcours an. Vom ortsansässigen Bäcker gab es eine fast zwei Meter lange XXL-Dankestorte. "Es ist ein schönes Gefühl, an dieser Feier teilzunehmen", sagte Kim-Lion Hellwig vom Katastrophenschutz in Ludwigslust. Er war während des Brandes im Sanitätsdienst eingebunden. "Ich bin sehr froh darüber, dass man für die vielen Stunden Arbeit Dank bekommt."

Laubbäume und Schneisen gegen die Bedrohung

36 Helfer wurden mit einer eigens vom Landkreis entworfenen Gedenkmünze ausgezeichnet. Die Geehrten bekamen zudem jeweils einen Ulmensetzling überreicht. Die jungen Bäume sollen in den Wäldern um Lübtheen gepflanzt werden. Unter anderem mit dem Setzen von Laubbäumen will der Landkreis künftig größere Brände wie den vom Sommer verhindern. Denn Laubbäume brennen schlechter als Nadelbäume. Zudem wurde damit begonnen, um 15 Dörfer herum breite Schneisen zu ziehen. Die Siedlungen sollen so in Zukunft besser vor Bränden geschützt sein.

Landrat: Weiterhin die Lehren aufarbeiten

Alles im Reinen sei dennoch nicht, meinte Sternberg. "Wir haben noch viele Hausaufgaben zu machen." Die Lehren aus dem verheerenden Brand müssten weiter aufgearbeitet werden. Ein Punkt sei die technische Ausstattung der Feuerwehren in der Region: "Wir bewerten gerade die technische Lage. Aber klar ist: Wir werden die Ausstattung noch hochfahren müssen."

Backhaus fordert nationale Strategie

Innenminister Caffier übergab dem Landkreis am Rande der Feier einen Bescheid über 310.000 Euro. Das Geld ist für die Neustrukturierung der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) bestimmt. Unter anderem sollen sogenannte Tauschräume eingerichtet werden, in denen die Wehren verbrauchtes Material und Geräte nach Einsätzen austauschen oder ergänzen können. Umweltminister Till Backhaus (SPD) forderte eine nationale Strategie der Brandvorsorge und -bekämpfung in munitionsbelasteten Wäldern. Damit werde sich auf Initiative Mecklenburg-Vorpommerns Ende September die Agrarministerkonferenz befassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.09.2019 | 16:00 Uhr

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