Zu sehen sind die geöffneten Bodenpunkte, die Stative und die Satellitenmessantennen für die Messkampagne der Landesvermessungsämter. © Landesamt für innere Verwaltung MV Foto: Jörg Rubach

Von Mecklenburg-Vorpommern zum Mittelpunkt der Erde

Stand: 07.06.2021 14:07 Uhr

Bis Mitte Juli ziehen Vermessungstrupps durchs Land, um Deutschland neu zu vermessen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wollen sie für 22 Punkte auf den Millimeter genau bestimmen, wie weit sie vom Erdmittelpunkt entfernt liegen.

Um die Bundesrepublik neu zu vermessen, haben die Landesvermessungsämter und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 35 Messtrupps losgeschickt. Sie sollen in den kommenden sechs Wochen von der Küste bis zu den Alpen 250 grundlegende Vermessungspunkte Deutschlands in Position und Höhe überprüfen. Auf den Millimeter genau sollen die Koordinaten bestimmt werden.

Suche nach Atommüllendlager

Die Koordinaten sind Arbeitsgrundlage für vielfältige Aufgaben, etwa beim autonomen Fahren, beim Hochwasserschutz, beim Straßen- und Bergbau. Die Daten zeigen auch, wie sich Berge und Küsten verändern. Sie werden zudem gebraucht, um einen Platz für ein sicheres Atommüllendlager zu finden, sagt Jörg Rubach vom Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen in Mecklenburg-Vorpommern. Denn nur Erdschichten, die sich möglichst nicht verschieben, können in die Auswahl kommen.

Jede Sekunde Signale von drei Navigationssystemen

Im Jahr 2008 wurden in Deutschland zum ersten Mal 250 besondere und öffentlich nicht sichtbare Messpunkte unter der Erde verlegt und vermessen. Sie liegen unter anderem am Kap Arkona, bei Schwerin, im Schlosspark Ludwigslust, in Barth (Vorpommern-Rügen), Heringsdorf und Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) und bei Alt Schwerin (Mecklenburgische Seenplatte). Jetzt werden sie von den Messtrupps freigelegt und für 24 Stunden mit Hightech-Antennen versehen, um gegebenenfalls Veränderungen zu erfassen. Die Antennen zeichnen jede Sekunde die Signale der drei Satellitennavigationssysteme GPS, GLOSNASS und GALILEO auf. Ergänzt werden die Daten, so Rubach, durch die Signale des Satellitenreferenzdienstes SAPOS, der von den Bundesländern betrieben wird.  

Breite, Länge und Höhe

Wenn die Vermessungstrupps ihre Messungen beendet haben, werden die Messpunkte wieder unter der Erde versteckt. Die gesammelten Daten müssen in tagelangen Berechnungen auf Hochleistungscomputern ausgewertet werden, so Rubach, um extrem genaue Koordinaten in geographischer Breite, Länge und Höhe zu bekommen. Bezugspunkt für alle Koordinaten ist immer der Erdmittelpunkt. Die ersten grundlegenden Vermessungen Deutschlands fanden bereits im 19. Jahrhundert statt, berichtet Rubach. "Was damals Jahrzehnte dauerte, lässt sich heute jedoch dank der Satelliten in wesentlich kürzeren Zeiträumen mit einer deutlich höheren Genauigkeit realisieren." Außerdem können die Daten weltweit miteinander vernetzt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.06.2021 | 12:00 Uhr

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